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Rattengift

Mischling elendig verendet

28.02.2014 | 00:41 Uhr
Mischling elendig verendet
Auf dem Radweg auf der alten Bahntrasse parallel zur Kantstraße gingen Nicole Juchum und ihr Lebensgefährte immer mit „Boomer“ spazieren, und dort hat er vermutlich auchFoto: Josef Wronski

Iserlohn/Hemer. Seit mehreren Tagen kursieren auf Iserlohner Facebook-Seiten Meldungen über angeblich ausgelegte Giftköder in verschiedenen Iserlohner und auch Hemeraner Stadtteilen und über mehrere Hunde, die daran gestorben sein sollen.

Ein Fall ist nun tatsächlich bekannt geworden: der des sechsjährigen Mischlings „Boomer“ aus Wermingsen, der am Dienstag nach tierärztlicher Einschätzung mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit an Rattengift elendig verendet ist.

Unklar ist, ob er das Gift möglicherweise über den Kot anderer Tiere oder über ein vergiftetes Tier wie eine Maus aufgenommen hat, ob das Rattengift unsachgemäß von einer Privatperson ausgelegt wurde oder ob es sich gar um die absichtliche Tat eines Hundehassers handelt.

„Nachdem Boomer vor zwei Monaten infolge eines schweren Magen-Darm-Infekts viel Gewicht verloren hatte, hatte er immer Heißhunger, war beim Füttern kaum zu bremsen und holte sich einmal sogar eineinhalb Kilogramm Hundefutter selber aus der Küche“, berichtet Nicole Juchum. Dementsprechend hätten ihr Lebensgefährte Stefan Finster und sie beim Spazierengehen auf dem Radweg an der Kantstraße immer aufgepasst, was der Hund am Wegesrand und in Büschen aufliest.

Bläuliche Färbung des Kots ist Anzeichen für Vergiftung

Irgendwann Ende der vergangenen Woche muss er dann doch etwas dort gefressen haben, denn das Tückische an dem Gift ist auch, dass sich die verheerende Wirkung in der Regel erst nach mehreren Tagen zeigt und es dann aber zumeist zu spät ist für Gegenmaßnahmen. So wie bei „Boomer“: Am Montagmittag sei der aus Spanien stammende Mischling, den Stefan Finster vor etwas mehr als fünf Jahren aus dem Tierheim geholt hatte, noch fit gewesen. Am Nachmittag habe er plötzlich immer weiter abgebaut und nur noch schlafen wollen. Dienstagmorgen um kurz vor 5 Uhr brach „Boomer“ dann zusammen. „Als sie mit ihm in die Praxis kamen, zeigte er eindeutige Symptome von inneren Blutungen und zwar durch eine Vergiftung, da sich andere Ursachen wie ein Unfall oder Tumore ausschließen ließen“, berichtet Tierärztin Tatjana Stammen aus der Praxis Dr. Kexel.

Zudem konnte sich Stefan Finster daran erinnern, dass der Kot von „Boomer“ einige Tage zuvor eine bläulich-grünliche Färbung aufgewiesen habe. Genau konnte er das beim abendlichen Spaziergang aber nicht erkennen, erst im Nachhinein wurde ihm auch die Brisanz deutlich, als er von der Tierärztin erfuhr, dass das ein sicheres Zeichen für die kurz zuvor erfolgte Aufnahme von Rattengift sei. Deswegen hat Tatjana Stammen nach der Notversorgung auch zur sofortigen Fahrt in die Tierärztliche Klinik Werl geraten: „Wenn überhaupt hatte er nur dort noch eine Chance.“

Infusionen und Medikamente halfen nicht mehr

Wie ernst es war, zeigte auch die in Werl direkt durchgeführte Blutuntersuchung: „Die Gerinnungswerte waren sehr deutlich erhöht“, bestätigt Tierarzthelferin Sabrina Eickhoff ein wesentliches Anzeichen für innere Blutungen und eine sehr wahrscheinliche Vergiftung. Letztlich seien alle verabreichten Infusionen und Medikamente wie zum Beispiel auch das Vitamin K1, das bei frühzeitiger Gabe das Rattengift im Körper noch binden könne, dann auch leider vergebens gewesen.

Während „Nero“, der dreijährige Labrador von Nicole Juchum, seitdem seinen Spielkameraden und Gefährten überall sucht, möchte die Familie alle Hunde- und sonstigen Tierbesitzer warnen, damit ihnen ein solches Schicksal erspart bleibt. Allerdings bleibt festzuhalten: Allen Meldungen und Kommentaren zu dem Thema auf Facebook zum Trotz – bislang ist nur diese eine Fall bekannt. Weder der Tierschutzverein noch die Polizei und das Ordnungsamt wissen – Stand Donnerstagabend – von weiteren. Bereichsleiterin Angela Schunke hat am Donnerstagnachmittag eigens noch mal ihre Mitarbeiter den Radweg in dem Bereich absuchen lassen – ohne Ergebnis.

Hartmut Sonderhüsken vom Märkischen Stadtbetrieb Iserlohn-Hemer kann derweil auf Anfrage ausschließen, dass ein von ihnen ausgelegter Rattengiftköder die Ursache ist. „Unsere Mitarbeiter legen selber nur bei Bedarfsfall in der Kanalisation aus, und aktuell ist auch keine Fachfirma damit beauftragt, dieses außerhalb zu tun.“ Keine Erklärung hat Sonderhüsken indes für die blauen Körner, die Nicole Juchum in großer Zahl auf der öffentlichen Wiese vor ihrem Haus an der Kantstraße gefunden hat, allerdings erst am Dienstag, also definitiv nach „Boomers“ Tod, zumal sie mit dem Hund auch nicht auf der Fläche war. „Schneckenkorn verteilen wir grundsätzlich nicht“, sagt der Betriebsleiter. Und Dünger, der ja wie das Gift auch blau ist, werde auch nicht auf solchen Flächen aufgetragen. „Wir kommen ja so kaum mit dem Mähen nach.“

Torsten Lehman

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Mischling elendig verendet
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2014-02-28 00:41
Iserlohn