Mindestfallzahl ist erst einmal vom Tisch
04.01.2011 | 16:39 Uhr 2011-01-04T16:39:00+0100
Iserlohn.Eine drohende Schließung der Perinatal-Medizin in der Kinderklinik des Evangelischen Krankenhauses Bethanien ist zunächst vom Tisch. Das erklärte Dr. Ulrich Bildheim, Chefarzt der Iserlohner Kinderklinik, auf Anfrage.
Der gemeinsame Bundesausschuss hatte für den 1. Januar 2011 vorgesehen, dass Frühgeborene unter 1250 Gramm Körpergewicht nur noch in solchen Kinderkliniken behandelt werden dürfen, die mehr als 30 solcher Fälle im Jahr nachweisen können. Das Bethanien würde diese Marke unterschreiten. Da aber mehrere Krankenhäuser vor dem zuständigen Landessozialgericht Brandenburg gegen diesen Gesetzentwurf geklagt haben, wurde der Beschluss nun aufgehoben.
Das Gericht wird am 26. Januar ein Urteil fällen, der Bundesgesetzgeber daraufhin erst Ende Februar neu beraten. „Ich gehe davon aus, dass diese Sache durch alle Instanzen bis nach Karlsruhe geht, und der Gesetzentwurf in dieser Form niemals in Kraft tritt“, erklärte Bildheim. Für die betroffenen Krankenhäuser würde eine Schließung der Perinatalmedizin einen nicht unerheblichen Eingriff in die wirtschaftliche Grundlage bedeuten, so die Begründung der Klagen.
Neben der ungeklärten Rechtslage auf Bundesebene stimmen den Leiter der Iserlohner Kinderklinik aber auch die Pläne der neuen Landesregierung optimistisch. Die möchte die flächendeckende Versorgung für Frühgeborene nämlich auf jeden Fall aufrechterhalten. Ähnlich wie beim Märkischen Brustzentrum als Kooperation zwischen Iserlohn, Lüdenscheid und Schwerte könnte das Bethanien bei einem zukünftigen Perinatal-Zentrum eine Kooperation mit Hagen eingehen, wo die Fallzahlen bei den extremen Fällen unter 1250 Gramm ebenfalls unterschritten werden. Im Falle eines solchen Zusammenschlusses würden beide Standorte erhalten, für Mütter aus Iserlohn und Hemer würde sich bei einer Frühgeburt also nichts ändern.
Hintergrund für den Gesetzentwurf des Gemeinsamen Bundesausschusses ist das Bestreben, die Überlebensrate bei den kritischen Frühgeburten zu steigern. „Hier setzt ein Gelehrtenstreit ein, bei dem auch immer Mindestfallzahlen diskutiert werden“, erklärt Dr. Bildheim, der seit mehreren Jahrzehnten Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt hat. „Dass die Überlebenschancen in einem Krankenhaus mit höheren Fallzahlen aber größer sind, wird durch keine Studie belegt.“ Dennoch gebe es Regionen in Deutschland, in denen die Pläne des Gemeinsamen Bundesausschusses sinnvoll wären. In NRW mit seiner enormen Dichte an qualifizierten Kinderkliniken, in denen im Jahr 2009 21500 Kinder behandelt wurden, rund 2000 davon als Frühgeburten, sei eine solche Umstrukturierung aber nicht sinnvoll. Sie würde bedeuten, dass der Mehrheit der Kinderkliniken in der Größenordnung Iserlohns oder Hagens ein wirtschaftliches Standbein genommen würde. Auf der anderen Seite müssten sich die Patienten aus einem sehr großen Einzugsgebiet in Dortmund behandeln lassen, wo man einen solchen Ansturm überhaupt nicht bewältigen könnte. Die aktuellen Entwicklungen auf rechtlicher wie auf der landespolitischen Seite deuteten aber daraufhin, dass Iserlohn die Perinatalmedizin behalten wird.
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