Menschen bei Sterben, Tod und Trauer begleiten

Zertifikate für die Helfer im ambulanten Hospizdienst der Johanniter.
Zertifikate für die Helfer im ambulanten Hospizdienst der Johanniter.
Foto: IKZ
Neue Ehrenamtliche für die ambulanten Hospizdienste der Johanniter und der Caritas wurden ausgebildet

Ierlohn..  Mit dem Thema Sterben, Tod und Trauer haben sich jetzt mehrere Monate lang ehrenamtliche Helfer beschäftigt, die sich an vielen Abenden und Wochenenden beim ambulanten Hospizdienst der Johanniter Unfallhilfe und dem Dienst „ZeitGESCHENK“ der Caritas fortbildeten.

Die meisten Menschen wünschen sich am Lebensende, in ihrer vertrauten, häuslichen Umgebung zu sein – betreut und umgeben von Angehörigen und Freunden. Die beiden Hospizdienste setzen sich dafür vor Ort ein, diesen Wunsch sterbender Menschen zu erfüllen und in Kooperation mit Pflegediensten und Ärzten ein würdiges Sterben zu ermöglichen. Sie nehmen sich die Zeit für schwerkranke und sterbende Menschen, spenden ihnen Trost und unterstützen sie und ihre Angehörigen im Alltag. Dabei erfüllen sie auch letzte Wünsche.

Vor 15 Jahren startete der ambulante Hospizdienst

Einige waren oder sind bereits im praktischen Familieneinsatz. Im geselligen Rahmen erhielten sie in dieser Woche ihre Teilnahme-Zertifikate. Dabei zeigte sich, dass sich mehr Frauen als Männer für diesen Einsatz melden, einige machen das nach Feierabend, andere engagieren sich aus dem Ruhestand heraus.

Bei den Johannitern nahmen an den Fortbildungen seit September 2014 Martina Dohle, Gabi Filthaut, Ellen van Osten, Ute Peschen, Marion Paternusch, Walburga Fricke, Hilda Johänntgen und Dagmar Apitzsch sowie Heinrich Dercks und Gerd Westesen teil. Bei der Caritas ließen sich seit August 2014 Hildegard Richter, Bettina Stöcker, Julia Wilkens, Susanne Krüger, Nina Marquardt, Sabrina Krüger, Gabriele Haschke, Laya Sirapanji und Joachim Steden auf diese Arbeit vorbereiten.

Damit verfügen die Johanntiter nunmehr über 41 Ehrenamtliche, die in Familien oder Altenheime gehen. Ihr ambulanter Hospizdienst wurde vor 15 Jahren im Regionalverband Südwestfalen gegründet. Sie unterstützen schwerkranke und sterbenden Menschen in der letzten Lebensphase.

Jutta Voß, Leiterin der sozialen Dienste der Johanniter, und Ulrun Mündelein vom Förderverein, wünschten den Ehrenamtlichen viel Kraft für diese Arbeit und unterstrichen ihre Hochachtung für deren Engagement in diesem Bereich.

„Ich liebe alte Menschen“, erzählt Walburga Fricke aus Hemer. „Seit meine Kinder aus dem Haus sind, kümmere ich mich um zwei Damen im Altenheim, lese ihnen was vor oder singe mit ihnen Volkslieder. Das macht mich zufrieden.“ „Ich betreue eine alte Dame und ein behindertes Kind“, berichtet Marina Dohle (59), die viel gelernt habe, auch Dinge über Palliativmedizin. Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis motivierten den Verwaltungsfachangestellten Gerd Westesen, sich für den ambulanten Hospizdienst schulen zu lassen: „Ich möchte dazu beitragen, dass diese Menschen in der letzten Lebensphase bestmögliche Lebensqualität erhalten, und dazu die Betroffenen und die Angehörigen unterstützen.“ Der pensionierte Lehrer Heinrich Dercks kümmert sich um ein älteres Ehepaar, bei dem der Mann schwer erkrankt ist. „Ich suchte eine sinnvolle Beschäftigung.“ Die habe er im ambulanten Hospizdienst der Johanniter gefunden. „Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und machen Spiele.“ Diese Begegnungen machen ihn zufrieden.

„Es ist bereichernd, in solche Familien zu gehen“, erklärt die 64-jährige Hildegard Richter, die früher hauptamtliche Caritas-Mitarbeiterin war. Sie berichtet von der ansteckenden Fröhlichkeit der Kinder in der Familie, die sie betreut. Die 46-jährige Industriekauffrau Bettina Stöcker ist durch einen öffentlichen Aufruf in unserer Zeitung auf diese ehrenamtliche Arbeit aufmerksam geworden und wusste gleich: „Ich will den Kranken ein bisschen meiner Zeit schenken.“ Sie betreute bisher einen kleinen Jungen im Krankenhaus. Die Bankkauffrau Gabriele Haschke (50) suchte nach dem Tod ihres Mannes nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung und gesteht beim Abschluss des Kurses: „Ich denke, dass ich an der richtigen Stelle bin.“ Über den „Flurfunk der Caritas“ kam der 66-jährige pensionierte Lehrer Joachim Steden zum ambulanten Kinder- und Familienhospizdienst der Caritas: „Mir macht es Spaß, Leuten zu helfen. Wenn jemand in Not ist, motiviert es mich, zusätzlich zu helfen.“ „Ich finde es wichtig, die Würde des Menschen am Ende des Lebens zu unterstützen“, erklärt die 63-jährige Ärztin Julia Wilkens ihre Beweggründe, zu lernen, wie man Sterbende begleitet. Ähnlich sieht es die 39-jährige Krankenschwester Nina Marquard, die diese Menschen ein Stück des Weges intensiver begleiten möchte, als sie es in der ambulanten Krankenpflege könne. Dabei macht sie deutlich, dass die Ehrenamtler keine medizinischen Aufgaben übernehmen.

Viele Familien wissennichts über dieses Angebot

Über die sozialen Dienste in den Krankenhäusern, Pflegedienste und Altenheime komme der Kontakt zustande, erklärt die „ZeitGESCHENK“-Koordinatorin Johanna Schwarte. „Viele Familien wissen gar nicht, dass es dieses Angebot gibt.“