Menachem Har-Zahav im Löbbeckesaal: Keine großen Gesten - nur Musik
23.06.2009 | 17:48 Uhr 2009-06-23T17:48:00+0200
Iserlohn. Der israelisch-amerikanische Virtuose Menachem Har-Zahav hat ein begeisterndes Klavierkonzert im Löbbecke-Saal des Parktheaters gegeben.
Eigentlich passte alles am Sonntagabend, als zur angenehmen, aber vielleicht ungewohnten 18-Uhr-Zeit in dem mit großformatigen Bildern des Künstlers Horst Becking äußerst ansprechend gestalteten Löbbecke-Saal des Parktheaters ein Klavierkonzert stattfand, das von der Programmgestaltung bis zur hervorragenden musikalischen Ausführung durch den israelisch-amerikanischen und in Deutschland lebenden Konzertpianisten Menachem Har-Zahav keine Wünsche offen ließ - es bekamen allerdings leider nur wenige Iserlohner Musikfreunde mit: Der Saal war mit etwa 40 Konzertbesuchern noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt.
Die Musik stand eindeutig im Mittelpunkt - keine Ansagen, keine großen Gesten, keine Emotionen, keine Zurschaustellung von Eitelkeiten - ganz im Gegenteil: Sehr bescheiden, fast schüchtern, mit der jüdischen Kippa als Kopfbedeckung, absolvierte der noch junge Konzertpianist ein Programm, das einen Bogen vom Barock bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts schlug. Begann das Konzert mit drei Sonaten von Domenico Scarlatti, einem Zeitgenossen Bachs, noch eher unspektakulär, so wurde das Publikum zum ersten Mal von Ludwig van Beethovens „Mondscheinsonate” richtig gepackt: zum einen durch eine dynamisch sehr kontrastreiche und durch starke Rubati gekennzeichnete und dadurch leicht pathetisch wirkende Ausführung, und zum anderen durch die äußerst rasante, aber technisch immer eindeutig beherrschte Wiedergabe insbesondere des dritten Satzes.
Ganz nach dem Geschmack des Publikums dann ein weiteres Highlight der Konzertliteratur in einer Klavierfassung des Interpreten: George Gershwins „Rhapsody in Blue”, die in dieser packenden und gleichzeitig kompakten Form ganz neue Möglichkeiten eröffnete, das oft strapazierte Standardwerk Gershwins einmal von einer ganz anderen Seite zu entdecken.
Starke musikalische Kontraste prägten den Aufbau des zweiten Konzertteils nach der Pause. Während die Ballade in g-moll von Frédéric Chopin einen sehr emotional-dramatischen Einstieg bot, zogen die drei Stücke von Claude Debussy (La plus que lente, Danse, L'Isle Joyeuse) eher leicht sprunghafte, bizarre, unberechenbare, eben impressionistische Klangstrukturen durch den Raum, bis zum Schluss der „Totentanz” von Franz Liszt, wiederum in einer Klavierfassung des Interpreten, insbesondere durch seine wahnwitzigen technischen Anforderungen den fulminanten Schlusspunkt setzte.
Dass Menachem Har-Zahav ein besonders intensives Verhältnis zur Musik Frédéric Chopins hat, bewies er nicht nur mit seiner musikalisch vollkommen ausgereiften und äußerst beeindruckenden Interpretation der Ballade g-moll, sondern auch durch die Ankündigung, das Programm der nächsten Saison unter den Titel „Hommage an Chopin” stellen zu wollen. Macht der Künstler mit diesem Programm im nächsten Jahr in Iserlohn Halt, sollte dies für hiesige Musikfreunde ein unbedingtes „Muss” sein.
Ein sehr sympathischer Zug: zu allen Konzerten Har-Zahavs haben Kinder bis 16 Jahre freien Eintritt, um diesen den Zugang zum Erlebnis „Konzertbesuch” zu erleichtern. In Iserlohn wurde dies lediglich von zwei Konzertbesucherinnen dieser Altersstufe in Anspruch genommen - von denen ein kleines Mädchen allerdings in der ersten Reihe dem immerhin zweistündigen Konzert gebannt folgte, es sichtlich genoss und wahrscheinlich gar nicht glauben konnte, dass man mit nur zehn Fingern so viele und so wunderschöne Töne hervorzaubern kann.
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