Mehr als 10 000 Überstunden

Oliver Krause (r.), stellvertretender Leiter der Feuerwehr, freute sich über den traditionellen Silvester-Besuch der CDU-Mitglieder am Vormittag.
Oliver Krause (r.), stellvertretender Leiter der Feuerwehr, freute sich über den traditionellen Silvester-Besuch der CDU-Mitglieder am Vormittag.
Foto: Michael May IKZ
Die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr nutzten den Silvesterbesuch von CDU-Vertretern, um Sorgen und Wünsche zu besprechen.

Iserlohn..  Bestens gelaunt, aber auch äußerst kritisch präsentierte sich das Team der Berufsfeuerwehr am Vormittag des Silvestertages gegenüber ihren Gästen von der CDU. „Eine feste Größe im Kalender“ sei der Besuch der Wache am letzten Tag des Jahres, so Jörg A. Teckhaus, stellvertretender Vorsitzender der CDU. Nicht nur Mitglieder der Ortsunion, sondern auch der Fraktion und des Feuerwehrausschusses hatten am Mittwoch den Weg zur Dortmunder Straße gefunden – nicht nur, um gemeinsam mit den Einsatzkräften Kaffee und Berliner zu genießen, sondern vielmehr, um in lockerer Atmosphäre über das zu sprechen, was die Berufsfeuerwehr derzeit bewegt.

Gesprächsstofffür ein ganzes Buch

Oliver Krause, stellvertretender Leiter der Feuerwehr, erklärte, dass das seit nunmehr 42 Jahren abgehaltene Treffen für seine Kolleginnen und Kollegen äußerst wichtig sei, um einmal direkt mit den Politikern ins Gespräch zu kommen. Und das ging schnell, hatte Teckhaus doch Stichworte genannt, die nicht erst am letzten Tag des Jahres für reichlich Gesprächsstoff gesorgt haben. So sprach er zunächst die Überstunden der Berufsfeuerwehr an: Mehr als 10 000 Stunden sind wieder einmal zusammengekommen. „Das ist seit Jahren so“, erklärte Krause, der auf die enge Personaldecke hinwies. Einerseits, so Krause, habe er Verständnis für die Verwaltung, mit der bereits seit mehr als einem Jahr über Ausfallzeiten diskutiert werde. „Andererseits machen wir das ja nicht aus Jux und Tollerei, wenn wir beispielsweise Leute zur Fortbildung schicken“, so der Vize-Feuerwehr-Chef weiter. Schon jetzt werden Arbeitszeiten, die über das von der EU vorgeschriebene Höchstmaß hinausgehen, erreicht.

Enge Dienstpläne, mehrAufgaben und wenig Respekt

Krause überließ es seinem diensthabenden Team, über die derzeitigen Bedingungen bei der Feuerwehr zu sprechen. Nicht nur die engmaschigen Dienstpläne bedeuten Einschränkungen auf familiärer, psychischer und physischer Ebene. Auch die Tatsache, dass andere Kommunen viele Einsätze des Rettungsdienstes auf Iserlohner Schultern abladen, berührt das Team. Hinzu kämen wachsende Aufgabenbereiche wie die seit etwa acht Wochen laufende Möglichkeit, dass Anrufer, die per Handy um Hilfe bitten, die nächst gelegene Wache erreichen, sorgt für Belastungen. Von mehreren Dutzend zusätzlichen Anrufen pro Tag sprachen die Praktiker. Gesunken ist dagegen der Respekt gegenüber den Einsatzkräften und ihren Aufgaben. So rufen beispielsweise Menschen, die einen Arzt benötigen, bei der Feuerwehr an, um sich lange Wartezeiten in der Notfallpraxis oder sogar das Geld für ein Taxi zu ersparen. Besonders dreist war jetzt ein Minderjähriger, der in einer Disco die Zeche prellen wollte: Zwei Abende nacheinander täuschte er eine Ohnmacht vor, ließ sich ins Krankenhaus fahren, ohne die Verzehrkarte zu bezahlen.