Martin Noël fand das Übersehene

Die Ausstellung  mit Werken von Martin Noël in der Villa Wessel wird am Freitag eröffnet.
Die Ausstellung mit Werken von Martin Noël in der Villa Wessel wird am Freitag eröffnet.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Ausstellung des im Alter von 54 Jahren verstorbenen Martin Noël ist ab Freitag in der Villa Wessel zu besichtigen. Präsentiert werden mehrere Werkgruppen, die für das Schaffen dieses Malers, Zeichners und Grafikers beispielgebend sind.

Iserlohn..  Als einen lustvoll Suchenden, einen Forscher hat der „Bonner General Anzeiger“ Martin Noël, den 1956 in Berlin geborenen Künstler, der am 18. November 2010 im Alter von 54 Jahren in seinem Wohnort Bonn an den Folgen eines Hirntumors verstarb, in einem Nachruf bezeichnet. Und auch die FAZ widmete ihm einen Nachruf in dem sie schrieb, dass das Auge des Künstlers stets das Übersehene fand: Seine Zeichnungen „erzählen von einer seltenen Fähigkeit, sich hinein zu fühlen in die Wirkung von Linien, Kreisen, Flächen und allen Formen von Sichtbarkeit. Seine Aufmerksamkeit galt den Rissen in den Wänden und dem bizarren Muster einer zerborstenen Fensterscheibe“.

Die Ausstellung zeigt die Vielseitigkeit des Künstlers

Von der Vielseitigkeit Martin Noëls, der von 1969 bis 1976 das Aloisiuskolleg in Bad Godesberg besuchte und danach von 1980 bis 1987 Malerei und freie Grafik an der Fachhochschule Köln studierte, können sich die Besucher in der neuen Ausstellung in der Villa Wessel selber überzeugen. Präsentiert werden mehrere Werkgruppen, die für das Schaffen dieses Malers, Zeichners und Grafikers beispielgebend sind.

Im Mittelpunkt steht hier zweifelsohne die Serie „John“ mit 63 Holz- und Linolschnitten aus den Jahren 1997 bis 1999. Noël stellt in all diesen 48 mal 38 Zentimeter großen Blättern das „Übersehene“ in den Mittelpunkt. Es sind Linien und Flächen, das Geäst eines Zweiges, Risse an Wänden, Kratzer, Umrisslinien. Dabei bleibt unklar, ob hier das Primat der Linie, oder doch die sie umgebende Fläche, auf allen 63 Blättern dominiert nämlich ein anderer Farbton, im Focus steht. Es liegt am Betrachter, diese Fragmente seinem eigenen Sinnen-Kanon zuzuordnen, oder sich von ihnen zu ganz eigenen Betrachtungen inspirieren zu lassen. Denn die nah an der Abstraktion angesiedelten Zeichen und Formen, lassen sich nicht auf ihren Ursprung zurückführen. Seine „Inspirationen“ hält Noël oftmals fotografisch, aber auch in Skizzenbüchern fest, und reduziert die dort festgehaltenen formalen Realitäten erneut, setzt sie im Druckvorgang auf eine nur monochrome erscheinende Fläche.

Wenngleich Bruchstücke und Details, reduziert auf Linien und Formen, für Martin Noël Ausgangspunkt eigener Bildfindungen sind, so hat sich der mit vielen Preisen und Auszeichnungen dekorierte Künstler auch ganz konkret mit Werken anderer Künstler beschäftigt. Hier ist ganz besonders herausragend Otto Freundlich zu nennen, der als Maler, Bildhauer, Holzschnitzer und Glaskünstler einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der abstrakten Malerei im frühen 20. Jahrhundert geleistet hat. Bereits 1911, inspiriert von Künstler-Kollegen in Paris, malte er erste ungegenständliche Kompositionen. In der Villa Wessel sind einige Werke aus der Serie „Otto“ von Martin Noël zu sehen. Hier arbeitet er als Holzschnitzer, arbeitet großformatige monochrome Farbflächen, vor dem naturbelassenen Holz, heraus. Als Bildträger dienen dabei Schichtholzplatten über einem Holzkorpus.

Gezeigt werden auch acht großformatige Holzschnitte aus dem Jahre 2006 mit dem Titel „Für Deutschland“, in der Noël die fragmentarische Bildersprache aus der Serie „John“ und Kopf- und Augenformen wie bei der Holzschnittarbeit wie „San Siro“ aus dem Jahre 1991 erneut aufgreift. Damit gelingt es der Ausstellung in der Villa Wessel, das vielschichtige Gesamtwerk dieses vielseitigen Künstlers, der auch Arbeit zur Ausschmückung von Innenräumen und Kirchen geschaffen hat, mit all seinen verschiedene Spannungs- und Kompositionsverhältnisse, darzustellen. Sie würdigt damit einen international anerkannten Künstler, der unter anderem 1987 das Max-Ernst-Stipendium, 1991 den Kunstpreis Junger Westen, 1993 den Kunstpreis der Stadt Bonn sowie Stipendien, zum Beispiel 1990/91 vom Deutschen Studienzentrum in Venedig, 1998 von der Kunststiftung NRW und 2003 von der Stiftung Kunstfonds erhalten hat.

Die Einführung in die Werke erfolgt durch Rouven Lotz

Eröffnet wird die Ausstellung heute Abend um 19 Uhr. Die Witwe Margarete Noël wird anwesend sein. Die Einführung erfolgt durch Rouven Lotz, den wissenschaftlichen Leiter des Emil Schumacher Museums, Hagen. Noch bis zum 29. März wird die Ausstellung in den Räumen an der Gartenstraße 31 zu sehen sein.