"Soziale Auslese stoppen"
Linke fordert Gesamtschule in Hennen
09.03.2010 | 18:22 Uhr 2010-03-09T18:22:00+0100Iserlohn. „Mit Bestürzung” nimmt die Ratsfraktion der Linkspartei zur Kenntnis, dass auch im kommenden Schuljahr 52 Schüler aus Iserlohn nicht ihre gewünschte Schulbildung an der Gesamtschule erhalten (wir berichteten).
72 Interessenten muss die Gesamtschule aus Kapazitätsgründen insgesamt ablehnen - trotz des neuen Angebotes in Hemer. Vor diesem Hintergrund fordert die Linksfraktion eine Umwandlung der Hauptschule Hennen zu einem Gesamtschulstandort.
Damit übernimmt die Linke die Position, mit der die SPD bisher im Rat gescheitert ist. Sowohl die Zahl der aktuellen Anmeldungen (15) als auch die Schulentwicklungsplanung der Stadt (von derzeit 244 Schülern auf nur 168 im Jahr 2022) biete der Hauptschule Hennen keine realistische Perspektive, so die Linken. Dem Norden drohe eine Entwicklung zur Schulwüste mit der Folge einer Zunahme des Schulbusverkehrs in Richtung Innenstadt.
Ein Gesamtschulstandort Hennen könnte dagegen nach Einschätzung der Linken auch die Ablehnungen von Schulinteressenten aus den nördlichen Nachbarstädten - allein 75 musste die Gesamtschule in Schwerte 2008 ablehnen - kompensieren. Nachweislich biete die Hauptschule kaum eine berufliche Perspektive. Der Problemdruck werde offensichtlich angesichts der Tatsache, dass in Iserlohn über 20 % der Schüler die Hauptschule ohne Abschluss verlassen, bei der Gesamtschule sehe dies deutlich besser aus (2,6 % in Iserlohn gegenüber 2,8 % im Landesschnitt). Außerdem registrieren die Gesamtschulen nach der Einführung des G8 einen verstärkten Trend zum Gesamtschulabitur nach 13 Jahren. „Die soziale Auslese durch das Bildungssystem muss gestoppt werden“, so Fraktionschef Oliver Ruhnert. Nach der Landtagswahl erwarten die Linken auch landesweit eine Neuausrichtung der Schulpolitik, auf die sich Iserlohn rechtzeitig vorbereiten sollte.
14:20
Also den Hemberg könnte man doch super zur einer Gesamtschule ausbauen. Eine Rrealschule ist auch schon da. Dann schließt man in Hennen noch die Hauptschule und man hätte einen Tausch drei gegen eine...da wollen bestimmt ein paar Leute nicht hören
:-)
22:43
@truckerchen1 und atheist:
Nicht vergessen werden darf auch, dass Hennen in diesem Fall wohl nur eine Sek-I-Gesamtschule würde. Damit würde sie für Eltern nicht mehr attraktiv sein - denn die meisten Eltern wünschen sich zumindestens die Möglichkeit des Abiturs an einer Schule. Auch innerhalb einer Schule macht das Vorhandensein einer Oberstufe eine Menge aus: Die Anschlussfähigkeit nach der 10 an die 11 ist erheblich besser, wenn im Kollegium ein reger Austausch über die Anforderungen der Oberstufe herrscht.
Wenn die Hennener Schule zu einer Sek-I-Gesamtschule werden soll, dann kann ich nur sagen, lieber abreißen! Wäre so schlimm nicht, RealschülerInnen und GymnasiastInnen können ja auch heute schon Bus fahren. Sind ja schließlich auch schon groß!
20:04
@ truckerchen1:
Falsch, es funktioniert NICHT.
Eigentlich müssten beide Gesamtschulabteilungen zusammengeführt werden - nicht nur aus pädagogischer Sicht, sondern auch als Erleichterung für das Lehrpersonal, das ständig pendeln muss.
Außerdem: Jede Zweigstelle benötigt nicht viel weniger, als eine eigene Schule: Verwaltung, Mensa, Sporthalle, naturwissenschaftliche Räume, musische Ausstattung, etc. pp...
11:19
Nur mal so für einen sozial Schwachen, wie mich der Herr/die Dame sozialgericht nennt - (war selber Hauptschüler in Hennen und meine Kinder sind es auch):
Wie ich es so mitbekommen habe, muss eine Gesamtschule mindestens zweigliedrig sein, um genehmigungsfähig zu sein. Das war diese Schule nebenbei bemerkt, bis auf wenige Ausnahmen, schon immer. Wenn eine Gesamtschule dann also mehr Platz braucht, warum macht man dann aus der Hauptschule Hennen nicht eine Außenstelle der Iserlohner Gesamtschule? Das mit den Filialen scheint doch schon mit den Standorten Gerlingsen und Nussberg zu funktionieren. Und würde dann nicht davon auch die Gesamtschule profitieren, die ein viel größeres Angebot präsentieren könnte als bisher?
07:33
Also wenn ich mir das so ansehe, habe ich das Gefühl, als wenn niemand hier (einschließlich Herr Ruhnert) einige Monate zurück denken kann. Das Thema Gesamtschule in Hennen ist nun wirklich nicht neu und wird dann auch von allen progressiven Kräften des Rates gewollt: Sowohl SPD als auch die Grünen haben sich ja bereits letztes Jahr klar für eine weitere Gesamtschule in Iserlohn ausgesprochen. Und natürlich macht es auch Sinn, diese in Hennen zu realisieren, weil man ja erstens irgend etwas mit dem Gebäude und dem Grundstück dort tun muss, wenn die Hauptschule aufgegeben wird (und auch aufgegeben werden muss, bei den geringen Anmeldezahlen) und zweitens der Norden eine weiterführende Schule braucht. Die einzigen, die sich sträuben, sind die Quantenspringer von der CDU und die Verkehrsplaner von der UWG. Selbst die FDP wird wohl die Hauptschule in Hennen in Frage stellen. Selbstverständlich kann man nun auch die Systemfrage stellen (die Busenwunder ja angerissen hat). Hierfür ist jedoch das Land zuständig. Und dort kann sich ja bald einiges ändern.
Wenn ich mich nun aber richtig erinnere, haben wir da ein großes Finanzierungsproblem. Denn aus der Hauptschule Hennen einfach eine Gesamtschule Hennen zu machen, geht nicht ohne große Um- und Anbautätigkeit. Und da ist der Politik vielleicht doch das ein oder andere Prestigeobjekt wichtiger. Da wären zu nennen: Südliche Innenstadt, Parkhalle, Genna, Westertorpassage und, wenn ich mich recht erinnere, sind da auch noch einige aktuelle Bautätigkeiten am Start (Turnhallen, Mensen). Auf einige der eigentlich schon heute unfinanzierbaren Projekte muss dann wohl verzichtet werden.
21:42
Ich muss leider dem Busenwunder zustimmen. Okay dann lassen sie uns mal die Axt an eine Realschule, an eine Hauptschule und an ein Gymnasium legen. Nur welche sollen wir da nehmen?!
offtopic: Was mich erst in Erstaunen versetzt hat, aber dann wieder mit Zuversicht erfüllt hat, ist die Tatsache, dass man an einer Gesamtschule in NRW das Abitur nach 13 Jahren machen kann. Bravo! Wer hat das denn bestimmt?! Da weiß ich ja schon auf welche Schule ich meine Kinder schicken werde.
G8 Nein danke!
20:56
Lieber Herr Ruhnert,
Gesamtschulen funktionieren leider nur als einzige weiterführende Schule vor Ort (z. B. in Fröndenberg) oder aber neben einem vollständigem dreigliedrigen System mit einem großen Überhang an Anmeldungen. Nur auf diesen beiden Wegen lässt sich die für Gesamtschulen nötige Leistungsheterogenität sicherstellen.
Wenn Sie mir nicht glauben, schauen Sie nach Unna: Dort wurden vor ca. 20 Jahren alle Hauptschulen geschlossen. Das SchülerInnenklientel der beiden Gesamtschulen ist heute so, dass beide de facto Quasi-Hauptschulen mit Möchtegern-GymnasialerOberstufe sind. Nur halt mit schönerem Namen.
Also Herr Ruhnert - Ihr Ansinnen ist verständlich und unterstützenswert. Aber Sie dürfen für eine neue Gesamtschule in Iserlohn keine Hauptschule schließen, sondern müssten sich an eine Realschule und ein (Achtung, heilige Kuh) Gymnasium heranbegeben.
20:11
Wer soll denn dann für unter 7 Euro arbeiten gehen, wenn es keine Hauptschulen mehr gibt?
Wieso überhaupt Schulbildung für Kinder von sozial Schwachen?
Wie gut, dass Staatsbüttel jetzt per bindender Schulempfehlung dafür sorgen können, dass den Knochenmühlen später nicht das Frischfleisch ausgeht.
Hauptschulabschluss ist gleichbedeutend mit Hartz IV: Du hast keine freie Berufwahl mehr.
19:48
Ich wünsche Oliver viel Glück das er das schafft was die Genossen der sPD nicht wollten.
18:57
Bei der SPD scheiterte es wohl auch an den Genossen, die selbst die Gesamtschule nicht wollten.
Mal sehn, obs die Linke schafft.
Richtig ist dieser Schritt alle mal.