Lebenserfahrung und Spaß an Kindern

Bei der gestrigen Zwischenbilanz haben auch die Patinnen Silvia Ihde, Inge Schrader, Gerda Bruyers und Brigitte Tamm (v. r.) von ihrer Arbeit berichtet
Bei der gestrigen Zwischenbilanz haben auch die Patinnen Silvia Ihde, Inge Schrader, Gerda Bruyers und Brigitte Tamm (v. r.) von ihrer Arbeit berichtet
Foto: IKZ
„Iserlohner Paten“ – das Erfolgsprojekt von „Continue“ sucht dringend neue „Ersatz-Omas“

Iserlohn..  Was machen eigentlich junge Mütter, die keine Oma in der Familie haben? Diese Frage hatte sich auch Brigitte Tamm gestellt, als sie vor sechs Jahren auf die Iserlohner Paten (IsPa) aufmerksam wurde. Denn das Projekt des ehrenamtlichen Dienstes der Stadt Iserlohn gibt die Antwort auf genau diese Frage: Sie können sich an „Continue“ wenden und sich um eine Iserlohner Patin bemühen. Denn auf gut Deutsch bedeutet dieses „IsPa“ nicht mehr und nicht weniger als eine Art „Leih-Oma“ oder „Ersatz-Oma“. Brigitte Tamm ist damals sofort eine dieser Leih-Omas geworden und bis heute dabei geblieben – mit Überzeugung und vor allem mit sehr viel Spaß, wie sie sagt. Derzeit unterstützt sie eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind und möchte diese Aufgabe auf keinen Fall mehr missen. Schließlich müsse man für diese Aufgabe nur das mitbringen, wovon sie selbst genug hat: Lebenserfahrung, einen gesunden Menschenverstand, Zeit und vor allem Freude an kleinen Kindern.

Teil eines starken Netzwerks

Diese Zutaten haben IsPa, seit das Projekt vor acht Jahren ins Leben gerufen wurde, zu einem ebenso wertvollen wie erfolgreichen Angebot gemacht. Mit der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Caritasverbandes Iserlohn als Kooperationspartner, der vor allem für die Begleitung und Fortbildung der Patinnen zuständig ist, und der Geburtshilfe und der Kinderklinik am Ev. Krankenhaus Bethanien sowie dem Familienbesuchsdienst der Stadt als weitere Partner, die junge und unter Umständen überforderte Mütter auf das Angebot aufmerksam machen, ist IsPa in einem starken Netzwerk zu Hause. Der Gedanke an Familien ohne eigene Oma – oder Opa – stand bei der Gründung tatsächlich im Mittelpunkt, wie Heidi Gloddek-Goeke (Caritasverband) und Nicole Behlau („Continue“) gestern bei einer Zwischenbilanz des Projektes erklären. Denn Großeltern gehören von je her zur Erziehung dazu. „Heute sind aber viele Großeltern noch berufstätig, wohnen bei Familien mit Migrationshintergrund nicht in Iserlohn oder sind aus anderen Gründen einfach nicht da“, beschreibt Heidi Gloddek-Goeke das Problem, unter dem viele junge Mütter leiden und das auch zu einer Überforderung führen kann. Zumal bekannt ist, dass gerade das erste Lebensjahr eines Neugeborenen und die enge Bindung zur Mutter für eine gute Entwicklung eminent wichtig ist. Ziel war es also, junge Familien, die – aus welchen Gründen auch immer – alleine nicht so gut zurecht kommen, durch einen Paten oder eine Patin zu entlasten, damit die Mutter Kraft schöpfen kann, um sich bestens um das Neugeborene zu kümmern.

Beim gestrigen Pressegespräch waren mit Brigitte Tamm, Silvia Ihde, Gerda Bruyers und Inge Schrader auch vier der derzeit acht Leih-Omas dabei, um aus der Praxis zu berichten. Sie schildern sehr unterschiedliche und sehr individuelle Einsatzfelder bei alleinerziehenden Müttern oder auch in Großfamilien mit fünf Kindern, die von der Betreuung eines Babys bis zur Beschäftigung mit den älteren Geschwisterkindern reichen können. Vor allem berichten sie aber von sehr engen Bindungen, die zu den Kindern entstehen. Weswegen man auch nicht sagen könne, wann der Einsatz in einer Familie abgeschlossen ist. „Es ist oft sehr schwer, sich zu trennen“, sagen sie. Und der Kontakt bleibe in vielen Fällen sehr lange und weit über die konkrete Hilfestellung hinaus bestehen.

Hilfe tut auch den Helfenden gut

Wie so oft ist auch diese Hilfe also keine Einbahnstraße: Die Beschäftigung mit den Kindern, die Hilfe, die sie in den Familien leisten, und die Weitergabe ihrer Erfahrungen und ihres gesunden Bauchgefühls, das man bei der Erziehung eben braucht und das vielen jungen Müttern heute abhanden gekommen ist, sind Dinge, die auch den Patinnen selbst sehr gut tun. Dennoch ist die Warteliste der jungen Familien, die Unterstützung brauchen, lang, weswegen „Continue“ dringend lebenserfahrene Frauen und Männer sucht, die Spaß an Kindern haben und sich in den Familien engagieren wollen.

Wichtig ist, dass hier ausdrücklich Laien gesucht werden. Wie Nicole Behlau und Heidi Gloddek-Goeke betonen, geht es hier keineswegs um problembelastete Familien, die professionelle Hilfe benötigen, sondern um ganz normale Familien, die einfach eine Oma brauchen, aber keine haben. Es gibt einen monatlichen Austausch im Team, es besteht die Möglichkeit, Probleme mit Profis zu besprechen, und es gibt auch Fortbildungsangebote, um neue Erkenntnisse und Anregungen zu erlangen. IsPa bleibt aber immer ein Angebot, bei dem nur Lebenserfahrung und eine helfende Hand benötigt werden.

Ansprechpartnerin für die Iserlohner Paten ist Anna-Lena Wolfsheimer, Telefon 02371/217-2087.

Bei ihr können sich auch Familien mit einem Neugeborenen wenden, die die Hilfe von IsPa in Anspruch nehmen möchten.