Kuhn für einen „Flüchtlingsgipfel von unten“

Thema Flüchtlinge: Darüber sprachen Diana und Daniel Schöning (v. l.), Pfarrer Andres Michael Kuhn, Marion Zimmer, Justus Kersting, Christel Voßbeck-Kayser und Mathias Schumann.
Thema Flüchtlinge: Darüber sprachen Diana und Daniel Schöning (v. l.), Pfarrer Andres Michael Kuhn, Marion Zimmer, Justus Kersting, Christel Voßbeck-Kayser und Mathias Schumann.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Zu einem Meinungsaustausch trafen sich am Dienstag Mitglieder des Iserlohner Flüchtlingsnetzwerkes mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Christel Voßbeck-Kayser. Die Abgeordnete sagte dabei, dass Kriegsflüchtlinge in jedem Fall das Recht hätten, nach Deutschland zu kommen. Sie räumte ein, dass das Flüchtlingsthema derzeit eine Dynamik entwickelt habe, bei der es auch der Bund und die Länder schwer hätten, den Anforderungen hinterher zu kommen. Auch vor diesem Hintergrund dankte sie den ehrenamtlichen Helfern des Flüchtlingsnetzwerkes für ihre wichtige Arbeit. Pfarrer Andres Michael Kuhn forderte aber auch mehr Hilfe für das Netzwerk. Hier und da bedürfe es neben dem Ehrenamt auch professioneller Helfer.

Bildung Voraussetzung, sein Leben gestalten zu können

Ein Thema des Gespräches war der Zugang für Flüchtlinge zu Bildung und Arbeitsleben. Es dürfe nicht sein, dass ein 18-jähriger Flüchtling drei Jahre in irgendwelchen Heimen lebe. Bessere Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten seien erforderlich, meinte Voßbeck-Kayser. Sie verwies darauf, dass im Märkischen Kreis von 2659 Ausbildungsplätzen fast die Hälfte nicht besetzt sei. Bildung sei die Voraussetzung, sein Leben gestalten zu können. Sie verwies auch auf das Instrument der Sechs-Monats-Visa zur Arbeitsplatzsuche. Hier fehle es aber an einer sinnvollen Verknüpfung. An­dres Michael Kuhn sagte, dass viele Menschen nach Deutschland kommen, um hier besser leben zu können. Wenn sie sich integrieren und wir diese Kräfte auch für den Arbeitsmarkt brauchen, sei das ja in Ordnung. Man dürfe das Thema aber nicht auf die Notwendigkeiten des demografischen Wandels reduzieren.

Christel Voßbeck-Kayser meinte, für Opfer von Krieg, Verfolgung und Vertreibung „sind wir zweifelsfrei zuständig, aber nicht etwa für Wirtschaftsflüchtlinge vom Balkan“. Marion Zimmer vom Flüchtlingsnetzwerk kritisierte gleichwohl die Anerkennungsverfahren. Dabei werde in erster Linie nach Hinweisen gesucht, die Darstellungen von Flüchtlingen zu widerlegen. Der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gelte im Asylbereich nicht. Bei Kosovaren werde schnell Nein, bei Syrern schnell Ja gesagt, der Rest müsse zwei Jahre warten. Menschen würden unter dieser Situation leiden. Schnellere Verfahren, besserere Mittelausstattung auch für Integrationsangebote, daran werde in Berlin aktuell gearbeitet, berichtete Voßbeck-Kayser. Programme seien wichtig, noch wichtiger sei es aber, dass ausreichend Geld in den Kommunen vorhanden sei, so Daniel Schöning vom Flüchtlingsnetzwerk. Das Beantragungsverfahren und die Dokumentationspflichten bei Förderprogrammen würden die Möglichkeiten von ehrenamtlichen Organisationen schnell übersteigen.

Ein weiteres Hauptthema des Gespräches war die medizinische Versorgung von Flüchtlingen. In Iserlohn, so Marion Zimmer, sei ja immerhin noch eine Arztwahl möglich. Probleme gebe es trotzdem. Flüchtlingen die notwendige Behandlung zukommen zu lassen. Das gelinge häufig nur, wenn eine durchsetzungsstarke Begleitperson den Weg ebne. Das könne aber nicht in allen Fällen geleistet werden und sei auch nicht die richtige Lösung.

Andres Michael Kuhn sprach sich für einen „Flüchtlingsgipfel von unten“ aus. Die vielen Probleme an der Basis würden zeigen, dass es Fehler im System gebe. Durch einen solchen Gipfel könnte ein notwendiger Reflektionsprozess angeschoben werden.

Das Gespräch nutzte das Flüchtlingsnetzwerk auch wieder dazu, die Bevölkerung um einige Sachspenden zu bitten. Besonders benötigt werden momentan Haushaltskleingeräte wie beispielsweise Zweiplatten-Kocher, Toaster oder Mixer. Wer entsprechende Geräte übrig hat, kann diese im Sozialzentrum „Lichtblick“ am Bilstein abgeben. Es ist auch eine Kontaktaufnahme unter sachspenden@flüchtlingsnetzwerk.de möglich.