Kosmopolitin aus Multikulti-Familie

Hatice Akyün
Hatice Akyün
Foto: IKZ
Hatice Akyün erzählte bei ihrer Lesung aus dem neuesten Buch „Verfluchte anatolische Bergziegenkacke“ interkulturelle Anekdoten über Deutsche und Türken.

Iserlohn..  „Meine Heimat ist natürlich Deutschland“, erklärte die Bestsellerautorin Hatice Akyün zu Beginn ihrer Lesung aus dem jüngsten Buch „Verfluchte anatolische Bergziegenkacke“. Darin beschreibt die Deutsche mit türkischen Wurzeln ihr „Leben zwischen den Welten“ anhand von humorvollen interkulturellen Anekdoten. „Ich schreibe nicht als Deutsche oder Türkin, sondern als Kosmopolitin aus der Bundeshauptstadt“, sagt die Autorin aus der Multikulti-Familie, die seit einigen Jahren in Berlin lebt.

Die Kindheit und Jugend in der Bergarbeiterfamilie der ersten Generation in Duisburg haben sie stark geprägt. Darin spielt sie mit vielen deutsch-türkischen Klischees und Stereotypen: „Ich bin nicht zwangsverheiratet, auch trage ich kein Kopftuch, nur bei Minusgraden.“ Als Schlussredakteurin bei einer Zeitung sei sie wesentlich sattelfester in der deutschen Rechtschreibung als deutsche Kollegen, berichtete sie selbstbewusst. Sie würzt ihre Texte abschließend immer mit türkischen Sprichwörtern ihres Vaters, die sie ins Deutsche übertrug. Wie dieses: „Nicht wer die gleiche Sprache spricht, sondern die Gefühle teilt, versteht sich.“

Hatice Akyün arbeitet mit Humor Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Deutschen und Türken heraus, zum Vergnügen ihres überwiegend weiblichen Publikums. Dabei zitiert sie den Standardsatz ihrer Mutter: „Eine deutsche Frau führt ihren Mann vor, eine türkische führt ihren Mann.“ Hatice Akyün vermittelt interessante Einblicke in Traditionen, Rituale und Rollenbilder. Eine ihrer Erkenntnisse ist die: „Der Döner hat der Currywurst den Rang abgelaufen.“

Nach der erfrischenden Lesung, in der sie viele Anekdoten über Land, Leute und Lebensgewohnheiten geboten hatte, ließ sich die erfolgreiche Autorin dann noch gerne von und mit einigen Fans im Publikum fotografieren.

Apropos: Die Lesung fand in der Ausstellung „Birlik beraberlik – Frauen machen sich auf den Weg“ statt, die noch bis zum 10. Mai im Löbbeckesaal zu sehen ist. Sie dokumentiert ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft Iserlohner Frauengruppen, das im vergangenen Jahr mit der Reise von zwölf Iserlohnerinnen an die türkische Schwarzmeerküste begonnen hat und jetzt zum Internationalen Frauentag mit einem Gegenbesuch von acht Frauen aus Ayancik fortgesetzt wurde (wie berichtet). Gleichstellungsbeauftragte Judith Mühlenhoff erklärte, dass die Ausstellung im Herbst in Ayancik gezeigt werden soll.