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Kokain-Prozess: Botin kündigte ihre Flucht an

14.02.2012 | 15:26 Uhr

Iserlohn/Hagen.Obwohl das Verfahren gegen sie bereits am Montag abgetrennt worden war, weil sie der Verhandlung ferngeblieben war (wir berichteten), spielte die 52-jährige Iserlohnerin, die sich bis dahin gemeinsam mit einem 62-jährigen Bekannten wegen Einfuhr und Handels mit Kokain vor dem Hagener Landgericht verantworten musste, auch am vierten Verhandlungstag die eigentliche Hauptrolle.

Ein Nachbar der Frau, die 2005 bereits wegen Drogendelikten zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurteilt worden war, sollte zunächst nur zum 62-jährigen Angeklagten befragt werden, den er nach eigenen Angaben zwar kenne, von Drogengeschäften aber nichts wisse. Dass seine Nachbarin, bei der er auch eine Garage angemietet hatte, Drogen konsumiert, habe er mitbekommen. Nicht aber, dass sie in den vergangenen Jahren auch gewerbsmäßig mit Kokain gehandelt hat, so der Zeuge, der gerade selbst eine Haftstrafe im offenen Vollzug verbüßt. „Ich hab’ mit Drogen nichts zu tun“, beteuerte er mehrfach.

Einen anderen Schluss lassen jedoch die Protokolle von Telefonüberwachungen zu, die die Vorsitzende Richterin Dr. Elke Fiebig-Bauer dem Zeugen präsentierte: zahlreiche Handy-Gespräche zwischen ihm und der flüchtigen Angeklagten, deren „verklausulierte Formulierungen ganz typisch für Drogengeschäfte“ seien, so die Vorsitzende. Doch der Zeuge blieb dabei: „Eher gehe ich mit ner Knarre in die Bank, als so was“, so der 46-Jährige, der noch unerwartete, brandaktuelle Neuigkeiten für alle Beteiligten mitgebracht hatte.

So soll sich die Kokain-Botin bei seiner Frau gemeldet und ihr bereits von der Telefonüberwachung berichtet haben, bevor der Zeuge selbst die Ladung des Gerichtes erhalten hatte. Und sie ließ dem Mann im Gefängnis ausrichten, er solle bloß nichts über sie aussagen.

Der Nachbar ist wohl auch einer der Letzten, der die Kokain-Dealerin vor ihrem plötzlichen Verschwinden gesehen hat. Nach einem Anruf am vergangenen Samstag habe man sich in der Wohnung der 52-Jährigen getroffen, wo sie angekündigt habe, „die Biege zu machen“. Sie habe festgestellt, dass es jetzt ernst für sie werde und sie keine Lust habe, für fünf Jahre ins Gefängnis zu gehen, berichtete der Zeuge. Tatsächlich war die Angeklagte am Montag nicht vor Gericht erschienen, ihre Wohnung war leer, von der Frau fehlt bislang jede Spur.

Der Kokain-Prozess wird am 21. Februar vor der 6. großen Strafkammer des Hagener Landgerichts fortgesetzt. Falls die ehemalige Mitangeklagte bis dahin ausfindig gemacht worden ist, soll sie als Zeugin vernommen werden. Die Suche nach ihr ist seit gestern intensiviert worden.

Stefan Janke

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