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Kindliche Wesen aus einer rätselhaften Welt

17.04.2008 | 22:05 Uhr
Kindliche Wesen aus einer rätselhaften Welt

Iserlohn. Es sind kindliche Wesen aus einer scheinbar fremden Welt, die Gehard Demetz ab Freitag in seiner Ausstellung „Skulpturen” in der Villa Wessel präsentiert.

Der Bildhauer aus Südtirol stürzt mit seinen Kindfiguren den Betrachter in ein bisher wohl so noch nicht da gewesenes Zwiegefühl von Fragen und Gefühlen. Da ist zum einen das Kindliche dieser Wesen, die sie auf den ersten Blick so anziehend, beschützenswert zu machen scheinen. Doch da ist auch die kühle Distanz, die einer emotionalen Annäherung ganz offensichtlich im Wege steht. Rätselhaft wirkt dies, vermittelt ein Gefühl von Zweifel, Unsicherheit und Unergründlichkeit. Der traurige Ausdruck und das, wie Rolf Lauter es im Katalogtext nennt, wie „eingefroren Wirkende” erschwert die Annäherung. Es sind „verletzbare oder verletzte Wesen”, denen der 1972 in Bozen geborene Bildhauermeister auch durch die Applikation von Gegenständen und Farben ihre Kindlichkeit nimmt.

Da ist aber auch Demetz Arbeitsweise, die ihn einen Sonderplatz in der modernen Bildhauerei einnehmen lässt. Seine aus Lindenholz gefertigten Skulpturen stammen nicht aus einem Block, sondern werden aus vielen Teilen zu einem Gesamtbild zusammen gefügt. Dabei bleiben offene Nahtstellen zwischen den Werkstücken. Wirken die Skulpturen aber auf den ersten Blick noch vollplastisch, bemerkt man erst bei einem Rundgang, dass die Rückenpartien nicht volumenförmig ausgearbeitet wurden. Hier wird der Arbeitsprozess noch deutlicher. Auslassungen, Risse, Fehlstellen und Öffnungen werden sichtbar, lassen die Verletzbarkeit der Figuren noch offenkundiger werden. Und ein weiteres künstlerisches Merkmal prägt diese so unnahbaren Kindfiguren. So weisen die Gesichter eine glatte Oberfläche auf, selbst die letzten Spuren des verwendeten Schmirgelpapiers sind nicht mehr nachvollziehbar, der Körper hingegen ist durch die deutlich sichtbaren Spuren der verwendeten Stecheisen rau, grob strukturiert, fasst wellenartig in der Oberflächen-Struktur.

Fotos: Michael May/IKZ

Besonders deutlich wird dies bei der in der Villa Wessel gezeigten Figur „I want to be flexible”, die mit einer Gesamthöhe - inklusive Sockel - von 330 Zentimeter fast den Raum zu füllen scheint. Das Mädchenwesen mit den beschriebenen Merkmalen streckt dem Betrachter einen roten Lippenstift entgegen, der seiner Funktion beraubt auch einer Waffe zu ähneln scheint. Im Nebenraum stehen die Figuren „A soft distortion” und „Also a soft dirstortion”. Knabenhafte Figuren, die Köpfe in einen schwarzen Helm gezwängt, der aber nicht an eine mittelalterlichen Rüstung angelehnt ist, sondern Durchbrüche in floralem Dekor aufweist.

In einem im Katalag veröffentlichten Gespräch mit Luigi Fasso beschreibt Demetz seine Figuren so: „Es sind Kinder, die bedauern, nicht wirklich Kinder sein zu dürfen . . . Sie sind der Beweis der vollen Qualen eines Wachstums- und Bildungsprozesses, der durch den Willen und die Konzentration des Einzelnen erworben wurde.” Die Modularität seiner Skulpturen erlaubt Demetz, seine Skulpturen Stück für Stück zu erschaffen, gibt ihm eine große Flexibilität in der Arbeitsweise und „die Möglichkeit, zusammenzufügen, zu entnehmen und neu zu formen”.

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur Skulpturen, sondern auch große Wandreliefs wie „In our hands”, drei Zeichnungen und Arbeiten, in den Zeichnungen und bearbeitetes Plexiglas zu einem Gesamtbild korrespondieren („Pollen”; „Schattenwelt”).

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitagabend um 19 Uhr. Die Einführung erfolgt durch Rainer Danne, den Leiter der Städtischen Galerie. Gehard Demetz wird anwesend sein. Zur Ausstellung ist im Mailänder Verlag Silvana Editoriale ein Katalog zum Preis von 24 Euro erschienen. Die Ausstellung wird bis zum 8. Juni zu sehen sein.

Ulrich Steden

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