Kind missbraucht: 50-Jährige ließ den Täter gewähren

Amtsgericht in Iserlohn
Amtsgericht in Iserlohn
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Iserlohnerin wurde wegen Beihilfe zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Das Mädchen war zum Tatzeitpunkt erst zwölf Jahre alt.

Iserlohn..  Dass es ihr noch heute leid tue und sie belaste, damals nichts getan zu haben, lässt die 50-Jährige das Gericht durch ihren Verteidiger Martin Düerkop wissen. Doch die Anklage wiegt schwer gegen die Iserlohnerin, die sich gestern vor dem Jugendschöffengericht wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes verantworten musste. Der eigentliche Täter ist bereits zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden.

Es war im Februar 2012, das hatte die Verhandlung gegen den Täter ergeben, als die Frührentnerin ein ihr bekanntes junges Mädchen im Alter von zwölf Jahren und deren Freundin (15) in ihrer Wohnung die Möglichkeit zum Übernachten gegeben hatte. Die beiden waren von zu Hause ausgebüxt und wussten nicht wohin an diesem kalten Tag. Im Lauf der Abends gesellte sich noch ein damals 26-jähriger Bekannter der Angeklagten dazu, und die gemütliche Runde entwickelte sich allmählich zu einem Trinkgelage. Auch die Zwölfjährige, die optisch viel älter wirkte und sich damals gern mit ihren sexuellen Erfahrungen brüstete, trank dabei drei Gläser Wodka. Zunächst noch gut gelaunt kokettierte sie mit dem jungen Mann, um später dann völlig betrunken zusammenzusacken. Daraufhin wurde das Mädchen in einem Zimmer auf die Couch gelegt, damit sie ihren Rausch ausschlafen konnte. Und auch die anderen legten sich wenig später zu Bett.

Statt einzugreifen, einfach wieder ins Bett gelegt

In der Nacht dann wurde die Angeklagte von der 15-Jährigen geweckt, die Quietsch-Geräusche und Stöhnen aus dem Zimmer ihrer Freundin vernommen hatte. Die Angeklagte, selbst unter Alkohol stehend, öffnete daraufhin die Tür und konnte erkennen, dass der Gast und die Zwölfjährige Geschlechtsverkehr hatten. Anstatt aber einzugreifen – schließlich wusste sie, dass es sich noch um ein Kind handelte – schloss sie wieder die Tür und legte sich schlafen.

Am nächsten Morgen taten alle so, als sei nichts geschehen. Die Mädchen hatten sich geschworen niemandem von dem Vorfall zu erzählen und auch die Angeklagte schwieg zu dem, was sie gesehen hatte. Schließlich setzte man sich sogar noch zusammen an einen Tisch, um sich die vom Täter zubereiteten Spaghetti schmecken zu lassen, bevor sich ihre Wege trennten. Seit diesem Tage, so die Angeklagte, habe sie keinen Kontakt mehr zum Opfer des sexuellen Missbrauchs gehabt.

Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Thomas Wiepen sah in diesem Fall eine klare Verletzung der Fürsorgepflicht. „Sie hätten einschreiten können und müssen“, so das Gericht, das die schwer kranke 50-Jährige zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilte. Da sie bislang noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.