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"Kein Schulterschluss mit der Bourgeoisie

28.12.2007 | 15:34 Uhr
"Kein Schulterschluss mit der Bourgeoisie

Man mag es kaum glauben - aber auch nach fast 30 Jahren im Geschäft, nach elf Studio-Alben und unzähligen Konzerten stößt selbst eine derart legendäre Band wie „Extrabreit”, die mit Hits wie „Hurra, Hurra, die Schule brennt”, „Polizisten” oder „Kleptomanie” Musikgeschichte geschrieben hat, noch auf Neuland.

Die im Iserlohner Kulturbüro geborene Idee, mit heimischen Größen Rock und Klassik zu verbinden, ist eine ganz neue Herausforderung für die Rock-Veteranen aus Hagen. Nachdem im letzten Jahr die „Pee Wee Bluesgang” mit der Philharmonie Südwestfalen die Geburtsstunde des Konzeptes „Rock meets Klassik” im Parktheater zelebriert hatte, liegt die Fortführung Ende Januar mit „Extrabreit” und Antony Hermus und seinen Philharmonikern ganz in Hagener Händen.

Und ein wenig mulmig ist den „Breiten” dabei schon zumute, denn außer ein paar Studio-Nummern, bei denen Kai Havaii zwar von einem Orchester, dafür aber ohne Band begleitet wurde, gibt es keinerlei Erfahrungen mit der Symphonik. Die fünf Musiker können noch nicht einmal Noten lesen, und den unterschiedlichen Akkorden, die sie auf ihren Gitarren dreschen, haben sie lustige Namen wie „Anton” oder „Gustav” gegeben. Ob sich das live auf der Bühne mit der Arbeitsweise und Lautstärke eines Symphonie-Orchesters verträgt, darf mit Spannung erwartet werden.

„Ich habe schon ein wenig Angst davor, dass das Ganze am Ende zu sehr nach kuscheligem Kamin klingt”, sagt zum Beispiel Gitarrist St. Kleinkrieg, der die „punk-infizierte Garagen-Rockband”, wie es auf ihrer Homepage heißt, vor 29 Jahren gegründet hat. Ein bißchen so fühlt sich die Band auch nach all den Erfolgen noch. „Wir wollen ja schließlich weiterhin renitent bleiben und hier nicht den Schulterschluss mit der Bourgeoisie üben.” Genauso traten die fünf auch auf, als sie jetzt einen ersten Blick hinter die Kulissen des Parktheaters warfen und sich ein Bild von den Räumlichkeiten machten. Das befürchtete Platzproblem dürfte seitdem aber ausgeräumt sein, denn derart tief hatten sie sich eine ausgewachsene Theaterbühne dann doch nicht vorgestellt.

Beim Anblick des mehr als 800 Zuschauer fassenden Auditoriums machte sich dann auch wahre Vorfreude bei den Musikern breit. Man wisse zwar noch nicht, wie das Ganze im Detail laufen soll, „aber ich gehe davon aus, dass das eine irre Sache und ein toller Erfolg und Meilenstein in unserer Geschichte wird”, freut sich Kleinkrieg. Weswegen die Gedanken auch schon über die beiden bisher einzigen Konzert-Termine im Parktheater am 30. und 31. Januar hinaus gehen. „Wenn alles gut läuft, wollen wir das Projekt später wiederholen und dann auch für eine Live-CD mitschneiden lassen.”

Zuvor steht aber die Arbeit an der Premiere an. Den Kontakt zum Orchester hat das Iserlohner Kulturbüro bereits hergestellt und die ersten Gespräche mit Generalmusikdirektor Antony Hermus, von dessen professioneller Lockerheit Kleinkrieg höchst angetan ist, sind schon gelaufen. Demnach sollen einige der größten Hits, vielleicht auch einige neue Songs von der bald erscheinenden CD, von Band und Orchester gemeinsam aufgeführt werden. Ein Arrangeur ist schon bei der Arbeit, um die rotzigen Gitarren-Riffs der Drei-Minuten-Nummern für den symphonischen Klangapparat zu setzen. Daneben werden sowohl die Band als auch das Orchester solistische Einlagen geben.

Nach der Weihnachts-Blitz-Tournee, zu der „Extrabreit” jetzt aufgebrochen ist, wird es dann einen Tag vor der Premiere die erste und letzte gemeinsame Probe geben. „Für die ist das ja wahrscheinlich wie Kinderlieder spielen”, meint St. Kleinkrieg zu dem schmalen Probenplan. Und auch das sorgt wohl für ein etwas mulmiges Gefühl.

Ralf Tiemann

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