Kaum Auswirkungen in Iserlohn

Alexandra Hellmann von der DB Agentur, die das Reisebüro Velmer im Stadtbahnhof betreibt, hatte gestern zwar mehr zu tun als sonst, erlebte aber die Kunden als „relativ entspannt“.
Alexandra Hellmann von der DB Agentur, die das Reisebüro Velmer im Stadtbahnhof betreibt, hatte gestern zwar mehr zu tun als sonst, erlebte aber die Kunden als „relativ entspannt“.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Wer nach Hagen oder Dortmund wollte, hatte kaum Probleme.

Iserlohn..  Auch wenn der „Dynamische Schriftanzeiger“ die Fahrgäste auf dem Bahnsteig ständig auf mögliche Einschränkungen aufgrund des Lokführer-Streiks hinwies – in Iserlohn direkt war davon am Mittwoch wenig zu merken. Wer nur bis Hagen oder Dortmund wollte, hatte dabei kaum Probleme, obwohl sich viele der in der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) organisierten „Triebfahrzeugführer“ bekanntlich bereits seit 2 Uhr morgens im Ausstand befanden.

Dass die RE 16 nach Hagen fuhr, lag daran, dass die Ruhr-Sieg-Bahn bekanntlich von dem Privatunternehmen Abellio betrieben wird. Das hatte am Montag noch darauf hingewiesen, dass seine Züge alle fahrplanmäßig fahren werden (wir berichteten), und zwar weil eben die Tarifauseinandersetzung nur zwischen der GDL und der Deutschen Bahn AG ausgetragen werde. „Ein großer Teil unserer Fahrer ist auch gar nicht in der GDL“, berichtete Abellio-Sprecher Philipp Liebermann, der zudem vermelden konnte, dass es am Mittwoch anders als an vorherigen Streiktagen auch keinerlei Auswirkungen auf die Linien durch bestreikte DB-Züge gegeben habe. Verfolgen werden die Abellio-Beschäftigten die Verhandlungen trotzdem aufmerksam, denn die Tarifverträge werden in der Regel übernommen.

Auch von Iserlohn nach Dortmund rollten am Mittwoch die Züge, und zwar nicht nur wie vom Konzern angekündigt im Zwei-Stunden-Takt, sondern zumindest ab 9.17 Uhr nach Plan, obwohl die RB 53 von DB Regio betrieben wird. „Ich kann es mir schlichtweg finanziell nicht leisten zu streiken“, berichtete ein in der GDL organisierter Lokführer, der anonym bleiben möchte. „Denn wir bekommen maximal 50 Euro pro Tag aus der Streikkasse.“ An den ersten beiden Streikaktionen hatte der zweifache Vater noch teilgenommen, beim letzten Mal hatte er Urlaub. „Eigentlich finde ich den Streik ja auch gut“, meint er mit Blick auf die angestrebte Lohnerhöhung. In Österreich und der Schweiz, in dem zugegebenermaßen die Lebenserhaltungskosten höher wären, würden Lokführer aber zum Beispiel gleich das Doppelte verdienen. Zum in der Öffentlichkeit vielfach diskutierten Vorwurf, GDL-Chef Claus Weselsky würde den Streik nur für den Machtkampf mit der größeren Eisenbahnergewerkschaft EVG nutzen, möchte er nichts sagen. „Da halte ich mich raus.“ Dass er am Mittwoch zur Arbeit ging, hätten die streikenden Kollegen, die er zu Schichtbeginn vor dem Dortmunder Hauptbahnhof traf, akzeptiert: „Es ist ja meine freie Entscheidung.“ Unmut habe es deswegen nicht gegeben.

Den bekamen auch Alexandra Hellmann und Claudia Weber in der DB Agentur im Stadtbahnhof am Mittwoch nicht zu spüren. „Das haben wir bei Streiks schon ganz anders erlebt“, berichtete Alexandra Hellmann. „Einmal bin ich sogar angespuckt worden.“ Obwohl die Mitarbeiterin des Reisebüros Velmer, das seinen Hauptsitz in Werl hat und das die Agentur seit Eröffnung des Bahnhofs betreibt, ja nun überhaupt nichts für die Einschränkungen kann.

Kunden in der DB Agenturwaren „relativ entspannt“

Am Mittwoch seien die Leute aber „relativ entspannt“ gewesen, auch wenn bereits zehn Kunden bei Öffnung der Agentur vor der Tür gewartet hätten, um ihre Tickets für den Fernverkehr kostenlos zu stornieren. „Dazu kann ich auch jedem nur raten, der nicht unbedingt fahren muss, denn das kann eine Tortur werden.“ Mit „mindestens 20 Anrufen“ in eineinhalb Stunden habe es am Mittwoch auch die vier- bis fünffache der sonst üblichen Menge gegeben. Doch Alexandra Hellmann war gut vorbereitet: „Ich habe extra heute Morgen Grünen Tee zur Beruhigung getrunken“, berichtet sie mit einem Schmunzeln. Die Wirkung konnte die Ahlenerin schon auf der Fahrt zur Arbeit gut gebrauchen, denn die dauerte mit zwei Stunden doppelt so lange wie üblich: „Wegen des Streiks waren viel mehr Autos unterwegs.“

Gestreikt werden soll noch bis Donnerstag, 21 Uhr. Infos zu den DB-Zügen gibt es unter www.bahn.de/aktuell. Für mögliche Auswirkungen auf die nicht bestreikten Abellio-Züge hat das Unternehmen eine kostenlose Hotline geschaltet: Tel. 0800-2235546.