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Kapitän Bodo Scheuch kam als Winnetou

16.12.2007 | 18:31 Uhr
Kapitän Bodo Scheuch kam als Winnetou

Iserlohn. „Du siehst aus wie die Oma von Winnetou”, so begrüßte Moderator und Hafenwirt Thomas Reunert diesmal Bodo Scheuch, den Dirigenten der „Romantik Sailors” zum Auftakt von „St. Niklas war ein Seemann” im zwei Mal restlos ausverkauften Parktheater.

Doch was hatte zu dieser doch eher seltsamen Titulierung geführt? Die am Tresen und als Stichwortgeberin unverzichtbare Gerda Trappe war auf die „bahnbrechende Idee!?” gekommen, aus der beliebten Hafenkneipe einen Western-Saloon mit harten Cowboys und leicht bekleideten Mädels zu machen. Und passend hierzu marschierte Bodo Scheuch im Winnetou-Kostüm und der Titel-Melodie des Karl-May-Films die Bühnen-Treppe herab. Dass kategorische „Wir bleiben Hafenkneipe” von Thomas Reunert ließ aber alle Befürchtungen, dieser Abend könnte eine völlig unerwartete Wendung nehmen, ganz schnell verfliegen. Denn genau wegen der maritimen Klänge waren ja am Freitag und Samstag jeweils über 800 Besucher ins Parktheater geströmt. Erneut Zeit für eine neue Auflage von „St. Niklas war ein Seemann”, dieser ganz besonderen Mischung aus maritim-weihnachtlicher Unterhaltung, Sketchen und Stargästen auf der Bühne und am Telefon. Eine lupenreine Eigenproduktion und längst unverzichtbarer Bestandteil der Iserlohner Vorweihnachtszeit.

Auf der wunderschön dekorierten Bühne hatte wieder der Shanty-Chor „Romantik Sailors” Platz genommen, der wie in den Jahren zuvor die musikalische Hauptlast zu tragen hatte. „Kommandiert” werden die Sänger und Solisten von Bodo Scheuch, dem Kapitän des einzigen eisfreien Iserlohner Hafens, Grürmannsheide, dem Mann mit der perfekten Frisur und ein ständiger Gegenpart des bestens aufgelegten Moderators Thomas Reunert.

Erstmals bei St. Niklas dabei die Gruppe „Timmerhorst” von der Ostseeküste. Sie unterhielten die Gäste auch im Foyer. Foto: Tanja Esser/IKZ

Erstmals bei St. Niklas dabei die Gruppe „Timmerhorst” von der Ostseeküste, oder noch genauer von der Lübecker Bucht. Mit Liedern wie „What shall we do with the drunken Sailor” auf Platt vorgetragen und dem Ohrwurm „An der Ostseeküste” sorgten sie dafür, dass erstmals Schunkel-Wellen durch das Parktheater brandeten.

Natürlich durfte aber die neue, von Thomas Reunert im vergangenen Jahr komponierte Hymne „Auf der MS Iserlohn”, nicht fehlen, denn vor dem großen Finale musste eben doch wieder geübt werden. Aber das Publikum erwies sich als textsicher und so schallte es „Auf der MS Iserlohn scheint bei Tag und Nacht der Mond” durch das Parktheater.

Bei St.Niklas war ein Seemann im Parktheater war Ute Freudenberger der Stargast. Foto: Tanja Esser/IKZ

Als Stargast konnte diesmal Ute Freudenberg mit ihrer Band das Publikum begeistern. Die charmante Sängerin, die 1998 mit dem begehrtesten Medienpreis des Ostens, der „Goldenen Henne”, ausgezeichnet wurde, und bei der gleichnamigen Jose-Carreras-Gala zusammen mit Wolfgang Ziegler den Titelsong „Es gibt für mich kein fremdes Leid” sang, überraschte durch ihr breites musikalisches Spektrum. Neben ihren großen Hits wie „Ich hab noch lange nicht genug” präsentierte sie nach der Pause mit dem „Ave Maria” und einem Potpourri internationaler Weihnachtslieder so nicht erwartete Vielfalt.

Für den eher nachdenklicheren Part sorgte diesmal Rezitator Hans-Jürgen Schatz, der weihnachtliche Texte unter anderem von Ringelnatz, Erich Kästner und Ephraim Kishon vortrug. Schatz, dessen maritime Erfahrungen aus einigen Ruderausflügen auf dem Berliner Wannsee in der Jugendzeit herrühren, überraschte dann noch mit einem solo vorgetragenen Lied.

Dudelsack-Klänge und Trommelwirbel brachten dann die „58th Scottish Volunteers” auf die Bühne des Parktheaters. Lieder wie „Highland Cathedral” aber auch weihnachtliche Melodien gehörten zu ihrem Kurzauftritt am Freitag.

Unverzichtbarer Bestandteil dieser Show sind auch die Telefonate in die ganze Welt. Zu Thomas Reunerts Gesprächspartnern gehörte auch Mirko Damerow vom Hochseeschlepper „Oceanic”. Mit 17 Mann Besatzung sorgen sie für die Sicherheit in der Deutschen Bucht. Als Weihnachts-Menü gibt es dort Bockwurst mit Kartoffelsalat. Diplom-Meteorologe Dr. Karsten Brandt gab dann einen Ausblick auf das Weihnachtswetter: Eher grün und kalt soll es in Iserlohn zu den Festtagen werden. Später gelang dann doch noch eine Schaltung zu Sven Plöger, der in Namibia weilte. Angenehme 22 Grad herrschten dort am Atlantik, weiter landeinwärts in der Wüste echt heiße 42 Grad. Von einem ganz besonderen Erlebnis berichtete der Vormann des Rettungskreuzers „Alfried Krupp”, Michael Haack. In einer stürmischen Nacht wurde das Schiff angefordert, um eine Schwangere von Borkum zum Festland zu bringen. Doch bereits während der Überfahrt wurde das Kind, Ole heißt es, geboren.

Und zwischendurch immer wieder der maritime Klang der „Romantik Sailors”. Von harten Burschen, blauem Meer, der kleinen weißen Möwe, Sehnsucht im Hafen, dem Meer als Heimat, dem Jungen, der bald wieder kommt und einem Freddy-Potpourri ließen sich die begeisterten Besucher des Parktheaters je nach Mentalität immer mehr in eine sehnsuchtsvolle Seefahrer-Romantik hineinziehen.

Beim großen Finale nach mehr als fünf Stunden bester Unterhaltung sangen dann alle Akteure auf der Bühne und das Publikum gemeinsam.

Ulrich Steden

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