Jung und Alt an einem Tisch

Ulla Schürfeld (hinten links) gab in der Städtischen Galerie zunächst eine Einführung mit Tipps, bevor Kinder und Senioren mit dem Malen loslegten.
Ulla Schürfeld (hinten links) gab in der Städtischen Galerie zunächst eine Einführung mit Tipps, bevor Kinder und Senioren mit dem Malen loslegten.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Tersteegenhaus und Südschule setzen Kooperation mit Kunstaktion für Kinder und Senioren fort.

Iserlohn..  Einträchtig sitzen sie mitten in der Städtischen Galerie zusammen an einem großen Tisch: vier Mädchen und drei Senioren. Vor ihnen liegen nackte, quadratische Leinwände, Pinsel in verschiedenen Stärken und jede Menge Tuben mit Acrylfarben. Ihr Auftrag lässt sich schnell erkennen, es geht um das Malen.

Unter dem Motto „Kann das weg, oder ist das Kunst?“ haben die Kinder des Offenen Ganztagsbereichs der Südschule und die Bewohner des Tersteegenhauses jetzt gemeinsam die Begegnung mit moderner Kunst gewagt. Und das mit großen Gegensätzen. Zum einen waren die Teilnehmer zwischen neun und 86 Jahren alt. Zum anderen sollten nach einem Rundgang durch die „Faces of the North“-Ausstellung des Fotografen Ragnar Axelsson, die wie berichtet die Härte des Lebens von Jägern in Grönland und Kanada in eisiger Kälte widerspiegelt, Sommerbilder entstehen. Museumspädagoge Peter Häusser hat einen kurzen Rundgang mit jungen und betagten Besuchern durch die Galerie unternommen, ihnen dabei einiges erklärt.

Auswahl nachNeigung der Senioren

Rosi Lengelsen, Sozialarbeiterin im Tersteegenhaus, hatte zuvor die Bewohner nach körperlicher Fitness und Interesse ausgewählt. Wie zum Beispiel Margret Labuschewski, die seit einem Jahr in der Einrichtung lebt. „Ich habe mich sehr auf den Nachmittag gefreut, weil ich einerseits schon immer mit Kindern, wie zum Beispiel beim Sport in Leckingsen, gearbeitet habe, und andererseits male ich gerne.“ Sie kommt schnell mit Soraya und den anderen Mädchen ins Gespräch, eine Grundschülerin schiebt der Seniorin ganz selbstverständlich eine Leinwand an ihren Platz, weil sie sich nicht mehr gut bewegen kann.

Ulla Schürfeld, Maltherapeutin im Tersteegenhaus, sagt: „Mitten in der Eiswüste heizen wir die Leinwände jetzt richtig auf.“ Sie fragt ihre Zuhörer, welche Farben sie mit dem Sommer verbinden. „Hell, leuchtend“, antwortet ein Mädchen. „Grüne Bäume“, sagt der ältere Herr. „Gelbe Sonne und knallige Farben“, sprudeln die nächsten Kinder. Obwohl sie zumindest bei den Jüngsten sicher ist, „dass Ihr so viel Fantasie habt, dass das Bild gleich explodiert“, hat Ulla Schürfeld auch Vorlagen mitgebracht. Davon hat sich beispielsweise Margret Labuschewski eine Strandszene ausgesucht: Zwei rot-weiße Liegestühle sind von hinten zu sehen, jeder ist von Menschen besetzt, vor ihnen liegen ein strahlend blauer Himmel und ein ähnlich blaues Meer.

Binnen weniger Minutenentstehen die ersten Bilder

„Wir müssen ziemlich spontan sein, wir haben nur etwa eine Stunde Zeit“, spornt Ulla Schürfeld ihre Schützlinge an und zeigt ihnen gleich, wie aus drei Farben mit wenigen Pinselstrichen ein Sommerbild entstehen kann. „Malen heißt: Die Leinwand wird jetzt lebendig“, so die Kunsttherapeutin. Und tatsächlich verwandeln sich die weißen Flächen in beachtlicher Geschwindigkeit in Szenen, die Fernweh wecken. Und das ist auch gut so, wie Martina Rosenstengel vom OGS-Bereich der Südschule bereits im Vorfeld verdeutlicht hatte: „Wir wollen die Bilder so aufhängen, dass sie am Ende ein Ganzes ergeben.“

Die Galerie-Aktion war nicht die erste Begegnung von Grundschülern und Heimbewohnern: Sie haben sich, angeleitet von Peter Häusser, bereits gemeinsam mit „Altem Blechspielzeug aus früheren Zeiten“, „Puppenstuben früher und heute“ sowie „Küchenutensilien früher und heute“ beschäftigt, außerdem singen die Kinder regelmäßig bei den Senioren.