Jugendliche für das Land gewinnen

Der 52-jährige Ercan Atay ist stellvertretender Vorsitzender des Iserlohner Inte­grationsrates und jetzt auch interkultureller Arbeitsmarktlotse.
Der 52-jährige Ercan Atay ist stellvertretender Vorsitzender des Iserlohner Inte­grationsrates und jetzt auch interkultureller Arbeitsmarktlotse.
Foto: Michael May
Was wir bereits wissen
Ercan Atay ließ sich zum interkulturellen Arbeitsmarktlotsen ausbilden

Iserlohn..  „Ich habe mir vorgenommen, Jugendliche mit Migrationshintergrund für das Land zu gewinnen, die Schwierigkeiten haben, ins Berufsleben zu finden.“ Diesen Vorsatz für eines seiner ehrenamtlichen Projekte fürs neue Jahr fasste Ercan Atay, als er sich zum interkulturellen Arbeitsmarktlotsen ausbilden ließ.

Der 52-jährige Iserlohner absolvierte dazu eine einjährige Ausbildung beim Kommunalen Integrationszentrum in Lüdenscheid, das mit der Agentur Mark und der Gemeinnützigen Gesellschaft für interkulturelle Bildungs- und Beratungsangebote MOZAIK kooperierte.

Selbst auf der Suche nach einer beruflichen Zukunft

Ercan Atay will sich da besonders auf Jugendliche konzentrieren, die weniger gute Abschlüsse haben und ihnen Wege aufzeigen, wie sie ihre Qualifikationen verbessern können und wie sie einen Job oder Ausbildungsplatz finden.

Dabei ist der gelernte Radio- und Fernsehtechniker, Techniker und Ausbilder, der bis vor eineinhalb Jahren bei Thyssen/Krupp im Einkauf tätig war, selbst auf der Suche nach einer neuen beruflichen Zukunft. Aber das erwähnt er ganz am Schluss unseres Gespräches, das sich um seine Ehrenämter dreht.

Als langjähriger Vorsitzender und nunmehr stellvertretender Vorsitzender des Iserlohner Inte­grationsrates war es Atay immer schon ein Anliegen, sich für die bei uns lebenden Migranten einzusetzen, wie er deutlich macht: Aus diesen Motiven heraus engagiert sich Ercan Atay, der im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern vor 50 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, auch seit vielen Jahren im Landesintegrationsrat. Für seine vielfältigen Integrationsbemühungen erhielt er im Jahr 2011 auch die Iserlohner Fleißnadel (wie berichtet).

Ercan Atay baute vielfältige Kontakte zu Vereinen und Organisationen auf, um die Integration voranzubringen. Der Iserlohner Sozialdemokrat ist Mitglied der Türkisch-Islamischen Gemeinde Iserlohn, der Kinderlobby sowie dem Kinderschutzbund und engagiert sich bei dem Projekt „Sprache verbindet“ des Rotary-Clubs. „Durch diese Kontakte konnte ich bereits einigen Jugendlichen helfen, Praktikums- oder Lehrstellen zu finden“, erzählt der Familienvater von drei Kindern mit Freude über diese kleinen Erfolge. So besorgte er beispielsweise für ein Mädchen türkischer Herkunft einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege mit Unterstützung der Leitung des Wichernhauses und Peter Bochynek von der Kinderlobby. Er vermittelte auch Praktikantenplätze in Kindergärten. „Ich helfe den Leuten – egal welcher Herkunft und welcher Couleur.“ Das gelte auch bei Problemen mit Ämtern und Behörden, betont Atay.

Für Menschen aus anderen Ländern sei es oftmals schwer, mit den Qualifikationen und ausländischen Abschlüssen die Hürden des Arbeitsmarktes zu überwinden, weiß Ercan Atay von Krankenschwestern, Ärzten, Juristen und Menschen mit anderen Berufen.

In dem Landesprojekt „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) ließ er sich von September 2013 bis November 2014 zum ehrenamtlichen interkulturellen Arbeitsmarktlotsen ausbilden und erhielt Einblick in das Sozialgesetzbuch II, die Arbeit des Berufsinformationszentrums und die Dienstleistungen der Arbeitsagentur und der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer mit Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung für diejenigen, die bereits im Beruf stehen.

Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer

Weitere Schwerpunkte der Ausbildung waren die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer und Workshops zur Planung von Veranstaltungen vor Ort. Auf diese Weise könne er Leute ansprechen, die von regulären Beratungsangeboten nicht immer erreicht würden.