Bach-Zyklus in Aloysius
Jugendlich virtuos und harmonisch gewagt
12.04.2010 | 17:52 Uhr 2010-04-12T17:52:00+0200
Iserlohn. Beim dritten Konzert der 14-teiligen Konzertreihe mit sämtlichen Orgelwerken Bachs gab es Samstag in der Aloysius-Kirche eine Menge zu entdecken.
Dass eine so intensive Beschäftigung mit Bach viele neue Entdeckungen birgt, lässt sich gut vorstellen. Tobias Aehlig, der als Kantor der Aloysius-Gemeinde in diesem Bach-Jahr das komplette Orgelwerk Bachs in 14 Konzerten spielt, hatte schon vorher davon gesprochen, dass diese Musik ein schier unerschöpflicher Brunnen an neuen Eindrücken ist und man Bach immer wieder neu entdecken könne.
Was für den Virtuosen oben an der Orgel gilt, trifft aber auch für das Publikum zu. Am Samstag stand das dritte Konzert aus der Bach-Reihe auf dem Programm, und allein bei diesem Konzert gab es eine Menge zu entdecken, was man so noch nicht gehört hat. Denn Aehlig beschränkt sich nicht allein auf das Orgelspiel, er geht in seinem Zyklus chronologisch vor und weist auf besondere Momente der Entwicklung hin. Am Samstag stand noch der junge Bach unter dem Motto „Jugendlich virtuos - harmonisch gewagt” im Mittelpunkt, und Aehlig hatte neben einigen freien Kompositionen die Arnstädter Choräle ins Zentrum gestellt. Wobei er diese Werke unterstützt vom Jungen Chor St. Aloysius als Gemeinde-Begleitsätze darstellte - und zwar so, wie sie mutmaßlich zu Bachs Zeit gesungen wurden, also langsam und mit Orgelfigurationen nach jedem Vers.
Neu war am Samstag auch die Bachsche Bearbeitung des Chorals „Wo Gott der Herr nicht bei uns hält”, die erst 2008 entdeckt wurde und von der Wissenschaft eindeutig Bach zugeschrieben wurde. Ebenfalls neu und höchst ungewohnt war auch das Gefühl, mitten im Frühling Weihnachtslieder zu hören, aber bei einem kompletten Bach-Zyklus, der sich von April bis Juli erstreckt, wird das Publikum so etwas wohl noch öfter in Kauf nehmen müssen.
Bestens bekannt war hingegen die Schlussnummer des Konzertes: die Toccata in d BWV 565, die man wohl als das Orgelwerk Bachs schlechthin und als wohl bekanntestes Orgelwerk überhaupt bezeichnen kann. Doch was musste das Publikum da im Programmheft entdecken? „Echtheit angezweifelt!” In der Tat gehen viele Experten davon aus, dass Bach dieses Stück gar nicht geschrieben hat, was seiner Wirkung aber keinen Abbruch tut.
Das nächste Konzert in der Reihe findet am kommenden Samstag, 17. April, erneut um 19.30 Uhr in der Aloysius-Kirche statt. Und auch dann gibt es bestimmt wieder viel zu entdecken.
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