Islamische DITIP-Gemeinde über Attentat von Paris entsetzt

„Kein wahrer Moslem würde diese Tat gutheißen“: Osman Erkal und Aytac Kuruagac (v.l.) von der Iserlohner DITIP-Gemeinde sprechen sich klar gegen jede Form von Extremismus aus.
„Kein wahrer Moslem würde diese Tat gutheißen“: Osman Erkal und Aytac Kuruagac (v.l.) von der Iserlohner DITIP-Gemeinde sprechen sich klar gegen jede Form von Extremismus aus.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Anschlag auf französisches Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ Thema im Freitagsgebet

Iserlohn.. „Sie werden keinen wahren Moslem finden, der diese Tat gut heißt. Das verbietet der Islam.“ Dies sagte am Donnerstag der Vorbeter der Iserlohner Gemeinde der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIP), Ali Boz, im Gespräch mit der Heimatzeitung bezüglich des Attentats in Paris vom vergangenen Mittwoch.

Am Morgen waren drei mutmaßliche Islamisten in die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ eingedrungen und hatten vor ihrer Flucht insgesamt zwölf Menschen getötet. Am Freitag sollten die Ereignisse von Paris wie in vielen islamischen Gemeinden deutschlandweit auch Hauptthema im Freitagsgebet der DITIP- sowie der Altstadtmoschee sein. Verschiedene muslimische Verbände haben zudem eine Kundgebung angekündigt.

An dieser würde man sich dann auch gerne beteiligen, sagen Aytac Kuruagac und Osman Erkal von der hiesigen DITIP-Gemeinde. „Wer einen Menschen tötet, der tötet die ganze Menschheit“, sagt Vorstandsmitglied Kuruagac. „Im Koran findet sich kein Wort, das diese Tat rechtfertigen würde. Wir versuchen mit unserer Jugendarbeit, Kinder von extremistischem Gedankengut fernzuhalten.“

Eine zunehmend islamfeindliche Stimmung aufgrund des aktuellen oder anderer extremistischer Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit könne er in Iserlohn nicht feststellen, sagt Kuruagac. Der Dialog zwischen islamischen und christlichen Gemeinden sei in den vergangenen Jahren sogar besser geworden. „Im letzten Jahr sind über 700 Nicht-Muslime zu unserem Tag der offenen Tür gekommen“, so Kuruagac. Auch seien so viele deutschsprachige Korane verteilt worden wie nie.

Dass die Stimmung wegen des Terroranschlags umschlagen könne, fürchtet Kuruagac nicht: „Auch nach dem 11. September-Attentat 2001 gab es zunächst auch einigen Hass. Viele Leute haben dann aber nachgeforscht und gesehen, dass der Islam friedlich ist.“

Bemerkenswert: In der Iserlohner DITIP-Gemeinde sind die wöchentlichen Proteste der Pegida-Bewegung in Dresden gegen die vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“ kaum ein Thema. Auch weil die Gemeindemitglieder sich vor allem über türkische Medien informieren würden, die darüber nicht umfassend berichten, sagt Kuruagac. „Das ist weit weg.“

„Fehlende Anteilnahme ist ein allgemeines Problem“

Die oftmals geäußerte Kritik, dass es muslimische Gemeinden lange versäumt hätten, klare Zeichen gegen islamistischen Terror zu setzen, lässt Kuruagac nicht gelten: „Wir haben mit diesen Leuten ja nichts zu tun.“

Vielmehr handele es sich um ein allgemeines Problem: „Nehmen Sie die Veranstaltung zur Aufstellung des Friedensmahners, bei der wir als Gemeinde für Flüchtlinge gesammelt haben. Da war kaum ein Mensch. Die Leute nehmen nicht mehr so viel Anteil wie es früher vielleicht einmal war.“

Pegida und auch weitere mögliche Aktionen bezüglich des Paris-Anschlags sollen nun beim nächsten Runden Tisch mit der Superintendentin des Ev. Kirchenkreises, Martina Espelöer, Thema werden, sagt Kuruagac. „Das ist der beste Weg, um viele Menschen zu erreichen.“