Inklusion macht bald Schule

Die Verantwortlichen von Berufskolleg und Iserlohner Werkstätten sind bereits gespannt auf die Zusammenarbeit, die zunächst bis Anfang 2016 laufen soll.
Die Verantwortlichen von Berufskolleg und Iserlohner Werkstätten sind bereits gespannt auf die Zusammenarbeit, die zunächst bis Anfang 2016 laufen soll.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
An der Hansaallee startet ein Pilotprojekt mit den Iserlohner Werkstätten.

Iserlohn..  Am Berufskolleg Hansaallee soll das Thema Inklusion bald Schule machen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das Kolleg hat sich jetzt nämlich mit den Iserlohner Werkstätten für eine Kooperation zusammengetan und damit für den Inklusionspreis NRW beworben.

„Nach den Herbstferien werden Menschen mit Behinderungen von der Werkstatt wöchentlich vier Stunden im Kolleg in berufspraktischer Theorie unterrichtet“, erklärt Claudia Salterberg von den Werkstätten. „Ein vergleichbares Projekt gibt es bislang in NRW nicht.“ „Der Schwerpunkt liegt im Bereich Hauswirtschaft, aber es wird auch in Deutsch und Mathe unterrichtet“, so Salterberg weiter. Für die vier Unterrichtsstunden wird der jeweilige Lehrer am Kolleg von einem Mitarbeiter der Werkstätten unterstützt.

Gelernt wirdin zwei Gruppen

Zwei Projektgruppen wird es ab dem Herbst geben: In der ersten lernen junge Menschen mit geistiger Behinderung den schulischen Unterricht in einer berufsbildenden Schule kennen, ganz so, als würden sie eine duale Ausbildung absolvieren. In der zweiten Gruppe lernen Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 am Kolleg anstreben, gemeinsam mit Menschen mit geistiger Behinderung. Die Schüler der Gruppe zwei erhalten die Möglichkeit, ein Praktikum bei den Iserlohner Werkstätten abzuleisten. So profitieren beide Gruppen.

„Bei dem Projekt geht es vor allem um Austausch. Für manche sind die Werkstätten sicher der Ort, wo sie am besten aufgehoben sind“, sagt Salterberg. „Für manche lohnt es sich aber auch, andere Bildungswege zu gehen.“ In beiden Fällen sei es wichtig, dass junge Menschen Erfolgserlebnisse im Leben hätten – eines der erklärten Ziele des Projekts, neben dem Abbau von Barrieren und Vorurteilen.

„Die Grenze zwischen Werkstatt und Förderschule ist manchmal gering“, sagt Oberstudienrätin Dr. Kathrin Renzing-Köhler vom Kolleg. Daher sei die Kooperation bei dem gemeinsamen Pilotprojekt folgerichtig und sinnvoll.

„Das Thema Inklusion ist nach wie vor angstbesetzt“, sagt außerdem Berufsschulpfarrer Michael Nelson. „Viele Unternehmen sollten etwa, was Auszubildende angeht, ihren gedanklichen Kreis erweitern.“

Nach Ablauf des Projekts nach den Weihnachtsferien im Januar 2016, nach gut vier Monaten, sollen die Ergebnisse dann evaluiert, vorgestellt und ein Projektbericht erstellt und veröffentlicht werden. Etwas kurios: Die Vergabe des Inklusionspreises NRW für das Konzept ist bereits vor dem eigentlichen Projektstart nach den Herbstferien.