Initiativkreis nach Hemeraner Vorbild soll zweite Gesamtschule realisieren
09.06.2009 | 17:29 Uhr 2009-06-09T17:29:00+0200
Iserlohn. Nachdem im Februar im Schulausschuss ein SPD-Antrag zur Einrichtung einer zweiten Gesamtschule in Iserlohn gescheitert war, schlagen die Sozialdemokraten nun einen Alternativ-Kurs ein, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.
So lud die SPD-Fraktion am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung ins „Alte Stadtbad” ein. Das Ziel: Mit einem Bündnis aus Eltern sowie weiteren Engagierten aus Bürgerschaft und Politik sollte ein Initiativkreis ins Leben gerufen werden, der die „Gründung einer zweiten Gesamtschule in absehbarer Zeit durchsetzen kann”.
Der Einladung von Manfred Minzberg, Schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, waren etliche Vertreter der Schulpflegschaften der Grundschulen gefolgt. Zudem referierten Rolf Ewert, Schulleiter der Gesamtschule Iserlohn, und Werner Kerski, Schulleiter an der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule Hagen, sowie Heike Kreugel und Ingo-Olaf Schumacher vom Förderverein Gesamtschule Hemer. Besonders Letzteren war eine Schlüsselfunktion zugedacht. Sie standen an der Spitze der Initiative, die in Hemer die Gesamtschule letztlich durchsetzen konnte. Von ihnen erhoffte sich die SPD entscheidende Ratschläge, die einer vergleichbare Initiative in Iserlohn den Erfolgsweg weisen sollen.
Die SPD begründet ihren erneuten Vorstoß in dieser Thematik weiterhin vor allem damit, dass die Iserlohner Gesamtschule auch nach der Schulgründung in Hemer etliche Anmeldungen aus Kapazitätsgründen ablehnen muss. „Wir sind der Auffassung, dass jedes Kind einen rechtmäßigen Anspruch auf die angestrebte Schullaufbahn hat. Das gilt auch für die 50 Iserlohner Kinder, die in diesem Schuljahr abgewiesen wurden”, so Manfred Minzberg, der sich in seiner Forderung durch „den landesweiten Trend zur Gesamtschule” bestärkt sieht. „Dieser Trend wird sich fortsetzen und sogar steigern”, so Minzberg weiter.
Dem Einwand, der demographische Wandel schaffe die Problematik mittelfristig ohnehin vom Tisch, trat Minzberg entschieden entgegen und leitete daraus statt dessen einen dringenden Handlungsbedarf ab: „Die Schülerzahlen werden zurückgehen. Wenn wir tatenlos zusehen, bekommen wir eine Serie von ,Zwergschulen' - beginnend mit den Hauptschulen.” Als Beispiel führte er die Hauptschule Hennen an. Hier ist die Schülerzahl rückgängig, der Standort mittelfristig gefährdet. „Im Iserlohner Norden fehlt ein überzeugendes Angebot für die Sekundärschülerschaft”, so Manfred Minzberg, der Hennen und die bisherige Hauptschule daher als „idealen Standort für eine zweite Gesamtschule in Iserlohn” ausgemacht hat. Dafür wäre ein Ausbau allerdings zwingend notwendig.
„Wie habt ihr's gemacht?”, überließ Minzberg das Schlusswort Heike Kreugel und Ingo-Olaf Schumacher. „Der Wille war so stark, und wir haben eine schlagkräftige Mannschaft aufgestellt”, so die Antwort von Schumacher. Eine solche will die SPD nun auch in Iserlohn formieren. Am Montag signalisierten bereits etwa 15 Gäste mit ihrer Unterschrift die Bereitschaft, in einem Initiativkreis mitzuarbeiten. In Kürze soll sich der Kreis bei einer weiteren Informationsveranstaltung vergrößern.
23:04
Ein wirklich wunderbarer Einlass, Gelle. Eigentlich sprechen Sie mir aus der Seele.
Trotzdem darf ich doch einen Einwand haben?
Ganz am Anfang Ihres Statements beklagen Sie die neue Welt, in der unter anderem die Misere des Bildungssystems auch bei den Eltern zu suchen sei. Diese müssten heutzutage oft beide arbeiten. Da muss ich die Frage stellen: Müssen oder können? Denn es ist nicht so, dass die Einkommen heute im durchschnitt geringer sind, als vor zwanzig oder dreißig Jahren, wo die Frauenerwerbsquote drastisch niedriger war als heute. Im Gegenteil! Die Gehälter sind gestiegen und zwar stärker als die Preise. Insofern ist es nicht zwingend, dass beide Eltern arbeiten gehen müssten. Zumindest nicht im Durchschnitt. Der, meiner Meinung nach befreiende, Unterschied ist aber, dass die Möglichkeiten heute besser sind. Überlegen Sie doch mal, wer sich auch heute hauptsächlich um Kinder und Haushalt kümmert. Eben: Die Frauen. Glaube Sie denn, dass die das alle wollen? Ist es denn OK, dass auch heute noch die Frauen in den Führungsetagen kaum etwas zu melden haben? Würde das Ernährerideal heute wieder en vogue, wäre klar, wär Zuhause bliebe.
10:48
Es ist wie der einmal erstaunlich zu lesen, wie man um wichtige Themen hier doch diskutiert welche unsere Kinder und somit Zukunft betreffen. Eliten, Gene, Parteiengequatsche, Arbeiterhaushalte hohes Niveau. Also haben die Menschen wohl vermutlich Recht, wenn sie meinen dass dies auch Gesellschaftliches Problem ist.
Wie in vielen Bereichen der Gesellschaft hat man vielleicht auch im Bereich der Bildungswege den Zug verpasst, sich den tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Vor 20 Jahren mussten nicht zwingend beide Elternteile arbeiten um den gewünschten Lebensstandart zu führen. Ebenso wenig war ein Hort oder OGS von Nöten, weil sich zumeist ein Elternteil um die Kinder kümmerte. Heute ist aber ein arbeiten beider Elternteile zumeist notwendig, was nicht zuletzt die ehemals elterlich betreuten Kinder auch zu Schlüsselkinder oder Hortkinder macht. Es entstehen plötzlich Nachhilfeschulen, Logopäden, Sprachkurse in Hülle und Fülle….und und und. Warum nur ?
Ein Schulsystem, wo Eltern aufgrund einer Beurteilung von Lehrern mitten in der 4. Klasse wohlbemerkt über die Zukunft Ihrer Kinder entscheiden müssen, kann in der heutigen Zeit absolut keine richtige sein. Nicht zuletzt wissen die Eltern was dies für Konsequenzen auch für ein Kind hat, wenn es in der heutigen Zeit auf eine Realschule oder sogar Hauptschule kommt. Auch die Kinder selbst können beizeiten ihre Zukunftschancen an der 24 h medialen zuballerei selbst ausrechnen. Demographischer Wandel hin oder her . Ebenso werden die komplexen und vielfältigen Problematiken immer wieder unterschätzt oder nie berücksichtigt. Wie Bsp. Scheidungskinder, Einzelkinder, Arbeitslosigkeit bzw. Kurzarbeit der Eltern, Finanzsorgen usw.. Die Gesellschaft und das Leben haben sich verändert.
Von daher sollten vielleicht auch wir mal schleunigst unsere alten Ansichten hinterfragen.
Ich bin für ein einziges Bundesweites Schulsystem, da nicht der weitere Bildungs- und Berufsweg schon durch die Schulwahl frühzeitig vorgezeichnet wird und sich Fördereffekte schwächerer Schüler ergeben. Ebenso nicht zu unterschätzen ist hier ein sozialfördernder Effekt im zusammenleben. Was dem ein oder anderen ja schon dort abhanden kam. Ab der 9. Klasse sollte der Unterricht mit wöchentlich mind. 3 Stunden Lebens,- Berufsvorbereitend in Kombination mit Berufsschulen oder Betrieben stattfinden. Nach Klasse 10 dann entweder eine Berufsausbildung oder Abitur.
Neben der Möglichkeit jedem Kind einen Kindergartenplatz anzubieten sollte es ebenso Staatsverpflichtend sein, eine Ausbildungsstelle sowie ein Studium anzubieten. Ja ich weiß, wie und wer soll das bezahlen. Wir bezahlen es gern für unsere Kinder denn nichts ist schlimmer, Kinder ohne eigenen Wunsch und Perspektiven auch noch im Regen stehen zu lassen was nicht zuletzt die Allgemeinheit tragen muss ;-)
07:15
@ bogus
Demnächst läuft im privaten fernsehen eine neue Serie an , die Ihr Interesse finden könnte.
Die Superlehrer. Diese Jungs - glaube ich - lösen die bestehenden Probleme , die andere erkannt haben und nicht bewältigen konnten. Ich wünsche viel Spaß an dieser Dokusoap.
Aber mal ehrlich: ich mache mir sehr wohl Gedanken um unsere Gesellschaft und bin täglich mit Problemen konfrontiert. Meine kläglichen Lösungsversuche ( kläglich, weil von bescheidenem Erfolg gekrönt) lassen mich ob der Dekadenz unserer Republik , insbesondere im Sektor Erziehung und Bildung , verzweifeln.
So ist mein Entschluss zu verstehen, dass ich spätestens im Rentenalter diesem Land den Rücken kehre. Ein Entschluss, der offensichtlich von User capitano ausdrücklich begrüsst wird :-).
Ich wünsche Ihnen viel Spaß und noch mehr Energie, Ihre innovativen Gedanken in die Tat umzusetzen. Wie gesagt, nach der Super Nanny und den Schuldenberatern, kommen nun die SUPERLEHRER. Ende offen....
runningvalentino -
der an unserer restringierten Gesellschaft verzweifelt
22:18
@runningvalentino
Tja, manche machen sich halt Gedanken über die Gesellschaft, erkennen die Probleme und machen Lösungsvorschläge. Andere hingegen wollen alles so lassen wie es ist und vergessen, dass die Welt sich drum herum verändert. Wer also ist verblendet?
21:48
Eine solche Diskussion kommt immer dann zustande, wenn sich Experten wie capitano und bogus sich austauschen.
Bilden, lehren , erziehen und gleichmachen, ja wo leben Sie denn ?
Mann oh Mann , wie weltfremd manche verblendeten Hirne doch sind !
runningvalentino
21:24
Das ist wohl wahr!
Der Weg wird sehr lang sein und man kann sich auch vorstellen wie unglaublich erfolgreich das sein wird.
Da sitzen dann diejenigen die kaum ein Wort deutsch verstehen, mit denen die sich auf ein Germanistik Studium vorbereiten in einer Klasse.
Nein, das kann mir keiner erzählen, das das die Lösung sein soll.
16:19
Nein natürlich nicht : wie du(sorry) schon sagtest:
Gleichmachen auf hohem UND sozialem Niveau!!!
16:15
@loveboatcaptain
Klar haben die Eltern eine Menge damit zu tun. Aber was können die Kinder dazu? Sollen wir die Kinder aus schlechteren Elternhäusern abschreiben? Hier muss Schule in Zukunft doch wohl mehr leisten als heute oder? Zurzeit hat die Schule nur zwei Aufträge: Bilden und selektieren. In Zukunft braucht es da aber mehr: Bilden, integrieren und erziehen.
Es ist noch ein langer Weg!
16:06
Genau das ist es:die Herstellung von Verknüpfungen im Kopf.Und das geschieht wie :
die Eltern müssen halt bereit sein,sich von Anfang an mit ihren Kindern zu beschäftigen.Dazu gehören : Vorlesen,Geschichten erzählen,Rollenspiele etc.Das ganze ist ziemlich aufwendig,anstrengend + auch schon mal nervig
(eigene Erfahrung)
Aber es lohnt sich!
Und Gesamt.-Ganztagsschulen sind willkommen;aber nur als einzige Form des Schulwesens mit einem hohen sozialen Faktor,der dann auch versucht aufzufangen,was manche Eltern nicht bereit sind für ihre Kinder zu tun,nämlich Zeit haben,zuhören und sich mit ihnen zu beschäftigen.
14:58
Was ist denn, wenn die neuesten Erkenntnisse bezüglich des menschlichen Hirns wahr sind?
Nämlich: Die Entwicklung des Gehirns sowie die Fähigkeiten zu lernen und Zusammenhänge herzustellen hat nur zu einem verschwindend geringen Bruchteil mit den Genen zu tun. Das Hirn muss ganz am Anfang Vernetzungen herstellen. Dieses Potenzial ist aber bei allen Menschen quasi gleich. Erst die Erfahrung, die die Kleinsten mit Ihrer Umwelt machen, führt dazu, dass bestimmte und nicht andere Vernetzungen stattfinden oder eben unterbleiben. Diese Fähigkeit behält der Mensch ein Leben lang. Die Gene, wie gesagt, spielen eine dermaßen untergeordnete Rolle, dass man sie vernachlässigen kann.
Auch aus diesem Grund machen Gemeinschafts- und Ganztagsschulen Sinn.
Und: Ich habe nichts gegen Gleichmacherei, wenn sie auf hohem und sozialem Niveau stattfindet.