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Nahversorgung

Immer mehr Iserlohner kritisieren die Nahversorgungs-Situation in den Stadtteilen

24.05.2012 | 16:52 Uhr
Immer mehr Iserlohner kritisieren die Nahversorgungs-Situation in den Stadtteilen
Käte Röttger ist auf den Rollator angewiesen. Vor ihrer Haustür in Gerlingsen hätte sie gern ein Lebensmittelgeschäft mit einem herkömmlichen Sortiment. Foto: Wronski

Iserlohn.   Fehlende Einkaufsmöglichkeiten vor der Haustür werden von allem Senioren angeprangert.

Käte Röttger ist empört. Die 83-Jährige, die auf einen Rollator angewiesen ist, lebt seit 1967 in Gerlingsen. „Seit Jahren wird uns versprochen, dass wir ein Lebensmittelgeschäft bekommen, passiert ist nichts“, erklärt sie. Zwar gebe es am Gerlingser Platz den „Grand Markt“, der sich auf internationale und osteuropäische Lebensmittel sowie Geschenkartikel spezialisiert hat, jedoch stelle sie dessen Sortiment nicht zufrieden. „So muss ich regelmäßig mit dem Bus zum Einkaufen fahren, kann aber nicht viel transportieren“, so die Seniorin, die nicht immer auf die Unterstützung ihrer Familie angewiesen sein möchte.

Derartige Klagen kennt Frank Finkeldei, Leiter des Bereiches Soziales im Rathaus, zur Genüge. Allerdings nicht nur aus Gerlingsen, sondern auf viele Bereiche der Stadt bezogen. „Erst bei der letzten Seniorenbeiratssitzung stand das Thema auf der Tagesordnung.“ Der Bereich Stadtplanung habe zur Nahversorgungslage Stellung genommen. Nicht nur Gerlingsen, sondern auch viele andere Stadtteile sind vom Wegzug von Lebensmittelgeschäften betroffen. Wie bereits berichtet, häufen sich auch in der Iserlohner Heide die Stimmen, die den Umzug von Rewe zum künftigen Zentrum „Schapker Platz“ kritisieren. „Für uns ist es schwierig, Einfluss zu nehmen“, so Finkeldei. Im Rahmen der Sitzung des Seniorenbeirates sei nach Lösungen gesucht worden. Überlegungen, Bringdienste oder Shuttlebusse einzurichten, habe es bereits gegeben. Außerdem, so Finkeldei, soll für die nächste Zusammenkunft des Gremiums ein Fachmann eingeladen werden, der über Genossenschafts-Initiativen berichtet. Vor allem in ländlichen Gebieten, aber auch in Ballungsräumen gebe es Projekte von Bürgern, die zum Teil ehrenamtlich Dorfläden betreiben, um die Versorgung aufrecht zu erhalten (siehe Infokasten).

Dietrich Berkenhoff, stellvertretender Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Südwestfalen, erklärt: „Vor den Gefahren der Nahversorgungszentren - eine eigentliche Verhinderung der Nahversorgung - habe ich schon lange gewarnt, jetzt ist es zu spät.“

Olaf Pestl, Leiter des Ressorts Planen, Bauen, Umwelt- und Klimaschutz der Stadt, erklärt: „Das Dilemma schätze ich genauso ein wie die Dame aus Gerlingsen.“ Allerdings gebe es keine Möglichkeit, planungsrechtlich eine Ansiedlung von Gewerbe zu erzwingen. „Sollte sich jemand dafür interessieren, ein Geschäft zu eröffnen, dann werden wir das wohlwollend begleiten und Möglichkeiten für kleinere Betreiber schaffen“, so Pestl. Jedoch sei der potenzielle Kundenkreis beispielsweise in Gerlingsen aus seiner Sicht zu gering, um attraktiv zu sein für einen Einzelhändler.

Genau das war für die Frischemarkt Clever GmbH vor inzwischen elf Jahren der Auslöser, mit dem Edeka-Markt von Gerlingsen an den Nußberg zu ziehen. Geschäftsführer Michael Clever sagt: „Nur von einem Päckchen Butter können wir nicht leben.“ Will heißen: Wenn die potenziellen Kunden den Großeinkauf in den zum Teil riesigen Centern erledigen und nur die vergessenen Teile bei ihm und seinen Mitbewerbern kaufen, rentiert sich das nicht. Clever bietet einen Lieferservice, der gut angenommen wird: Die Kunden kaufen ganz normal in seinem Frischemarkt ein, die Waren bekommen sie kostenfrei nach Hause geliefert. Einen Obolus müssen die zahlen, die nicht mehr selbst kommen können und telefonisch bestellen.

Olaf Pestl weiß: „Das Problem wird künftig noch größer, je weniger die Menschen mobil sind.“ Jedoch wollen er und seine Mitarbeiter auch „in Zukunft mit Marktbetreibern ins Gespräch kommen, was Bringdienste angeht“. Lieferservices, Shuttlebusse, bürgerschaftlich organisierte Geschäfte und dergleichen würde Dietrich Berkenhoff begrüßen - wenn es denn ohne Subventionen funktioniert.

Thomas Junge, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, bekommt durchaus Anfragen von Interessenten für Lebensmittelgeschäfte in kleinerer Größenordnung. Er erklärt: „Wenn Versorgungslücken offenkundig werden, müssen die entsprechenden Standorte vermehrt publik gemacht werden.“ Auch er „würde es schade finden, wenn im Zuge von Verlagerungen“ - wie beispielsweise im Fall Rewe von der Iserlohner Heide zum Schapker Platz - „Versorgungsdefizite entstehen würden“. Junge: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass eine gute, ausreichende und flächendeckende Versorgung gewährleistet sein muss.“

Jennifer Katz



Kommentare
25.05.2012
07:11
Immer mehr Iserlohner kritisieren die Nahversorgungs-Situation in den Stadtteilen
von BVBDauerkarte | #3

Nicht die Politiker, sondern wir Bürger mit unserem Kaufverhalten sind verantwortlich für die Standorte der Geschäfte.
Aber eventuell entwickeln sich ja Dienstleister, oder Geschäfte so, dass z.B. Senioren beliefert werden.
Oder Senioren und andere bilden Taxifahrgemeinschaften, es gibt ja auch dass Anruf Sammeltaxi.

Es gibt aber auch noch Lebensmittelhersteller die vor Ort verkaufen, Bauer Loose, Hof Drepper u.s.w.

1 Antwort
Immer mehr Iserlohner kritisieren die Nahversorgungs-Situation in den Stadtteilen
von truckerchen | #3-1

Viele Lebenmitteleinzelhändler bieten einen Bringdienst an, ich glaube auch der Rewe-Markt Drath auf der Heide. Das kostet natürlich etwas mehr und von jetzt auf gleich geht auch nicht. Ist aber eine gute Alternative für Senioren wie die erwähnte Frau Röttger. Nur der Charme des Einkaufens selber geht natürlich flöten.

24.05.2012
22:51
Immer mehr Iserlohner kritisieren die Nahversorgungs-Situation in den Stadtteilen
von Karl-Napp | #2

Schwachsinn von 5 Kunden täglich kann kein "Nahversorger" leben

24.05.2012
19:08
Immer mehr Iserlohner kritisieren die Nahversorgungs-Situation in den Stadtteilen
von truckerchen | #1

Wer hätte nicht gern ein Lebensmittelgeschäft vor der Haustür?

Dann ist der Laden da und es gibt nur Theater:
- zu laut
- zu teuer
- LKW-Verkehr
- und, und, und

Ich habe schon einige Nahversorger schließen sehen, weil die Kundschaft aus der Nachbarschaft hier nur das einkaufen, was sie beim Großeinkauf beim (angeblichen) Billigheimer auf der "grünen Wiese" vergessen haben. Oder hier und da ein bisschen Frischeartikel. Davon kann aber kein Einzelhändler überleben!

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