Im Garten miteinander leben lernen

Projekt-Leiter Philipp Schneider
Projekt-Leiter Philipp Schneider
Foto: IKZ
Der Bürgerverein Südstadt startet am Fritz-Kühn-Platz ein interkulturelles Gartenprojekt, bei dem vor allem zwischen den Menschen etwas wachsen soll.

Iserlohn..  Die Zisterne vor dem Bürgerraum am Fritz-Kühn-Platz führt schon Wasser. Das Areal, auf dem die „Südstadtgärten“ entstehen sollen, ist abgesteckt. Es fehlen im Grunde nur noch die Beete selbst, damit es endlich los gehen kann. Projekt-Leiter Philipp Schneider ist jedenfalls bereit. Er brennt auf den Start und er glüht für die Idee der „Südstadtgärten“ – wie alle anderen, die rund um den Bürgerverein Südstadt mit diesem Projekt zu tun haben, im Übrigen auch.

„Südstadtgärten“: Hinter diesem Namen verbirgt sich ein interkulturelles Garten-Projekt – so genanntes „Urban Gardening“ – bei dem es nicht nur um Kräuter und Gemüse, um Ernährung mit saisonalen und regionalen Produkten oder um fassbare Stadtgestaltung geht. Vor allem geht es darum, die ganz unterschiedlichen Menschen im Quartier zusammenzubringen. „Ich habe früher sehr viele Erfahrungen als Betreuer im kirchlichen Jugendbereich gemacht und weiß, wie schwer es ist, die Leute wirklich nachhaltig zu erreichen“, sagt Philipp Schneider. Und Gemeinschaft, so lautet die Devise, schafft man eben nicht, indem man darüber redet, sondern indem man einfach etwas zusammen macht, etwas Gemeinsames schafft.

Prinzessinnen-Gartenin Berlin dient als Vorbild

Das Konzept sei ebenso einfach wie umwerfend, erklärt Schneider. Der studierte Bio-Technologie-Ingenieur hatte ein solches Projekt erstmals vor drei Jahren in Berlin, im Prinzessinnen-Garten in Kreuzberg, gesehen. „Da haben Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen zusammen gegärtnert. Das hat mich vollkommen umgehauen. Und ich habe sofort gedacht: Das braucht Iserlohn auch.“

Zurück in der Waldstadt hat er 2012 davon erzählt und alle damit angesteckt. „Alle haben sofort mitgeträumt“, sagt auch Thomas Dreesen, der in der Evangelischen Akademie in Haus Villigst im interkulturellen Dialog tätig ist und zu den größten Förderern des Projektes zählt. Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass jeder – ganz gleich ob bei der Stadt, bei Förderstellen und Kooperationspartnern oder beim Projekt „Soziale Stadt“ – anspringt und mitträumt, sobald er die ungeheuren Potenziale erkannt hat. „Es geht ja nicht nur um interkulturelle Verständigung. Es geht auch um die Aktivierung von Senioren. Und es geht einfach darum, dass die Menschen in einer Zeit, in der alles schneller und vieles fremd wird, wieder lernen, miteinander zu leben.“

Thomas Dreesen hatte auch den Kontakt zur Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geknüpft, die das Projekt auch prompt für 27 Monate mit der Finanzierung der Personalkosten fördert. Allerdings war diese Förderung an strenge Auflagen gebunden, weswegen sich der Start noch um zwei Jahre verzögert hat. Unter Trägerschaft des Bürgervereins Südstadt und mit langfristigen Pachtverträgen mit der IGW und der Stadt Iserlohn ausgestattet, fiel nun am 1. April endlich der offizielle Startschuss. Und trotz der Verzögerung ist das Projekt bereits gewachsen: Philipp Schneider konnte zwischenzeitlich als Leiter zweier Garten-Projekte in Marburg wichtige Erfahrung sammeln, und in Iserlohn ist das Projekt inzwischen mit allen wichtigen Akteuren in der südlichen Innenstadt vernetzt.

Kontakte sind wichtigerals Kräuter und Gemüse

Auch bei den ersten Anwohnern, wie zum Beispiel bei Christina Wiese. Die 26-Jährige wohnt Unterm Fröndenberg und möchte als zukünftige „Südstadtgärtnerin“ ganz klein mit einem Radieschen anfangen. Etwas über das Gärtnern zu lernen, sei ihr durchaus wichtig, deutlich wichtiger seien aber auch ihr die zwischenmenschlichen Kontakte.

Ganz gleich, wie sich das Projekt nun entwickelt, es soll auf jeden Fall nicht am Zaun des etwa 300 Quadratmeter großen Grundstücks neben und auf den unteren Terrassen der Freitreppe Halt macht. Hier soll „nur“ ein Kerngarten entstehen, von dem aus die Idee weiterschwappen soll – ein Modellgarten, der unterschiedliche Techniken zeigen soll, in dem sich natürlich die Anwohner mit ihren Ideen verwirklichen sollen, der aber auch ein Gewächshaus oder Aquaponik, eine Kombination aus Fischteich und Nutzgarten, beinhalten soll. Weitere Themengärten sind von da aus geplant, etwa ein Klostergarten an der Obersten Stadtkirche – der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.