Illusionen und Realitäten
13.10.2011 | 17:15 Uhr 2011-10-13T17:15:00+0200
Iserlohn.Florale Elemente, urbane Landschaften, fiktive Räume und das Wirken chemischer Prozesse, die Bandbreite der Werke, die die sieben jungen Künstler, die sich um das Märkische Stipendium Bildende Kunst 2012 im Bereich „Fotografie“ bewerben ist groß. Und das ist das weitere sehr erfreuliche - die Arbeiten zeugen von überaus hoher Qualität.
Die Grenze zwischen Kunst und Fotografie scheinen die plakativen Fotografien von Ingo Mittelstaedt zu überschreiten. Sie wirken wie Reproduktionen von Gemälden und Skulpturen der Pop-Art, sind aber sorgsam komponierte Szenarien aus farbigen Kartonagen und objets trouvés.
Kalligraphisch wirken die Arbeiten von Annabelle Fürstenau. Zeichenhaft abstrakt reiht sie filigrane Blütenblätter, -stengel und -gefäße aneinander. Dabei löst sie die klassische Naturfotografie auf.
Aus einer Vielzahl von Einzelbildern setzt sich die Serie über Detroit zusammen, die Karin Jobst zeigt. Dabei gelingt es ihr, ein neues Bild dieser einstigen Autometropole voller Leben, Architektur und Sub-Kultur zu vermitteln.
In großformatige fiktive Räume entführt Ralph Schulz den Betrachter. In einem fensterlosen Raum inszeniert der Künstler imaginäre Wohnsituationen, die aus Sperrmüll-Fundstücken zusammen gebaut werden. Illusion und manipulierte Realität treffen hier unvermittelt aufeinander.
In ihrer experimentellen Auseinandersetzung mit der Fotografie lotet Yala Juchmann die Rahmenthemen Abbild und Landschaftlichkeit bis an die Grenzen der Darstellbarkeit aus. Manipulierende Eingriffe oder Lichtspuren auf in der Erde vergrabenen Negativen erzeugen an das Informell erinnernde Formen.
„Fremde Heimat“ hat die Fotografin Hye-Mi Kim ihre großformatigen Bilder-Serie betitelt, die eine Untersuchung über die historisch gewachsenen, urbanen Strukturen koreanischer Städte ist. Immer wieder tauchen rote Neonkreuze auf, die auf die Christianisierung des Landes verweisen.
Clemens Bechmann ist als Landschaftsfotograf ein präziser Beobachter des ambivalenten Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Sie erstaunen durch Nachahmung der Landschaftsarchitektur.
Zeitgleich präsentiert die Städtische Galerie Skulpturen der aktuellen Stipendiatin des Märkischen Stipendium Bildende Kunst, Anna Mirbach. Die in Düsseldorf arbeitende Bildhauerin setzt sich mit den grundlegenden Gestaltungsmerkmalen der Plastik auseinander. Stahlarmierungen schaffen bei den größeren Plastiken ein konstruktives Gerüst, das jedoch auf ein Minimum reduziert wird. Für ihre Arbeiten benutzt sie z.B. Ton, Gips, Beton und Styropor, reduziert das Volumen, schafft neue Räumlichkeiten.
Eröffnet wird die Ausstellung mit den Bewerbern um das Märkische Stipendium und den Arbeiten von Anna Mirbach am Freitag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr in der Städtischen Galerie.
In der Ausstellung, die bis zum 13. November gezeigt wird, präsentieren sich die Teilnehmer den Besuchern. Die haben bis zum 30. Oktober die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben. Eine Jury entscheidet dann über die Vergabe des Stipendiums, die Besucher-Stimme fließt in die Bewertung ein. Das Märkische Stipendium im Bereich Bildende Kunst wird für ein Jahr vergeben. Der Stipendiat erhält 12 000 Euro, die in monatlichen Teilbeträgen ausgezahlt werden. Die feierliche Vergabe erfolgt am Sonntag, 20. November, um 11 Uhr in der Villa am Wall in Neuenrade.
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