Claudia Roth beim...
Ich bin immer am Ball geblieben
05.09.2010 | 17:28 Uhr 2010-09-05T17:28:00+0200
„Ich will lieben, wen ich lieben will“, hat Rio Reiser in einem seiner Lieder gesungen. Der viel zu früh verstorbene Sänger der „Ton Steine Scherben“ war der erste offen schwule Sänger Deutschlands, und das hat in den turbulenten Zeiten Anfang der 80er Jahre nicht nur sehr Hohe Wellen geschlagen, sondern auch seine damalige Managerin Claudia Roth, die zusammen mit Rio Reiser und dessen Gefolge in der legendären Kommune im schleswig-holsteinischen Fresenhagen gelebt hat, für ihr weiteres politisches Leben geprägt.
Ich habe damals gelernt, dass Liebe ein politisches Thema ist“, sagt die heutige Bundesvorsitzende der Grünen im Gespräch mit unserer Zeitung. Von Anfang an habe sie sich in ihrem politischen Leben für Menschenrechte, für Gleichberechtigung, Toleranz und eben auch für die schwul-lesbische Sache eingesetzt. Am Samstag war sie nun zum zweiten Mal beim Christopher Street Day in Iserlohn, um dabei zu sein und um mit der SLIMK und den vielen Besuchern das bisher Erreichte zu feiern.
Eine Selbstverständlichkeit sei das alles schließlich nicht. Weder, dass bereits so viel Gleichberechtigung mit homosexuellen Ehen und vielem mehr erreicht wurde, noch dass man die eigene sexuelle Neigung so bunt und öffentlich feiern dürfe. „Iserlohn ist ja nicht überall. Es gibt auch Alt Öttingen und andere Regionen, wo so etwas nicht möglich ist.“ Ein Freund hatte ihr von Kanada erzählt, wo an jeder Kirche eine kleine Regenbogenfahne mit der Aufschrift „Ihr seid willkommen“ hängt. Bis dahin müsse in Deutschland vor allem in der katholischen Kirche noch eine Menge Umdenken stattfinden. Und auch rechtlich müsse noch viel passieren. „Gleiche Rechte sollen nicht ein bisschen gleiche Rechte, sondern richtig gleiche Rechte sein.“
Die 55-jährige Roth war eine der ersten, die sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen einsetzte. Ihr 1994 für das europäische Parlament verabschiedeter „Rapport Roth“ schlug immens hohe Wellen, erregte sogar Reaktionen vom Vatikan und war Grundlage für viele Regierungsprogramme - unter anderem auch für das der ersten rot-grünen Regierung in NRW. Als Galionsfigur sieht sie sich deshalb jedoch nicht. „Ich bin aber immer am Ball geblieben, und werde solange kämpfen bis es echte Gleichberechtigung gibt.“ Und das sei den Menschen in den schwul-lesbischen Initiativen schon bewusst. „Ich hüpfe nicht von einem Thema zum anderen, sondern bleibe meinen Anliegen treu.“
Was ihrer Meinung nach auf ihre ganze Partei zutreffe, und was auch der Grund für das derzeitige Umfrage-Rekordhoch von 17 Prozent sei. „Wir drehen uns nicht im Wind, wir sind glaubwürdig, wir spielen nicht mit Ängsten, sondern nehmen sie ernst. Und die grünen Themen sind aktueller denn je. Das ist der Grund für unseren Erfolg.“ Ganz Deutschland schaue momentan auf Nordrhein-Westfalen, und sie hoffe, dass der politische Stil in der rot-grünen Koalition mit zwei Frauen auf Augenhöhe und voller Respekt prägend für die politische Kultur der ganzen Republik werde.
Und der Kampf für die Gleichberechtigung? Wird der für die Homosexuellen irgendwann vorbei sein? „Gleiche Rechte vor dem Gesetz werde ich noch erleben“, sagt Claudia Roth. Was die Umsetzung in der Gesellschaft angeht, die versteckten Diskriminierungen und die Doppelmoral sieht sie ein Ende aber eher skeptisch.
11:30
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15:30
@ GS Germ..
Im Eherecht kann es eine völlige Gleichstellung nicht geben, weil nach Art. 6 des GG Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stehen
Daraus folgt nicht, dass eine Ehe nicht auch zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren geschlossen werden kann und damit ebenfalls unter den besonderen Schutz des GG gestellt würde.
Man muß sich allerdings fragen, was nach Ihrem Verständnis und dem Verständnis mancher Zeitgenossen überhaupt noch als normal gilt!
Als normal gilt, was durchschnittlich ist. Es sollte von den Merkmalen abhängen, welcher Durchschnitt betrachtet wird (Median oder arith. Mittel). Das Individuum ist aber kein Durchschnitt, sondern in all seinen Ausprägungen sehr facettenreich. Von daher ist das Normale in Bezug auf komplexe Individuen nicht definierbar. Eine wichtige Aufgabe einer liberalen, offenen Gesellschaft ist es, allen Individuum Raum zum Leben und Gleichberechtigung (im wahren Sinne: GleichbeRECHTigung) zu geben. Im Übrigen soll es auch Menschen gehen, die auf Schützenfeste gehen. Fragen Sie einmal die Mehrheit der Deutschen, was sie davon halten.
Nach Ihrem Verständnis sollen Homo-Ehen also auch Kinder adoptieren dürfen?
Aber selbstverständlich!!
Kinder benötigen Vater und Mutter, aber nicht zwei Väter oder zwei Mütter!
Wer sagt das und warum? Worauf begründet sich diese Aussage?
Was wird dann wohl als nächste Forderung gestellt werden?
Da fielen mir viele ein. Zum Beispiel eine umfassende Gleichberechtigung der Frauen.
Der Phantasie dürften wohl keine Grenzen mehr gesetzt sein!
Doch! Die Abschaffung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf holländischen Autobahnen wäre eine solche Grenze.
Es mag für Leute wie Sie schnuppe sein, was in Bibel oder Koran steht. Für Sie mögen das auch Normen aus einer längst überwundenen Zeit sein.
Falsch! Es SIND Normen einer längst überwundenen Zeit. Es mag aber jedem selbst überlassen bleiben, ob er eine Bibel benötigt, um gewisse moralische und ethische Normen für sich zu festigen. Es mag auch jedem selbst überlassen bleiben, ob er an einen Gott glaubt und dafür eine Bibel braucht. Es lebe der Pluralismus! Nur aus der Schule soll die Bibel bitte verschwinden.
Für diese Menschen sind Bibel und Koran heilig! Davor sollte man zumindest die notwendige Achtung haben! Nur weil ich persönlich denke, dass sowohl die Bibel (Thora und NT) als auch der Koran überflüssig, schlecht geschrieben, langweilig und dogmatisch sind, heißt es doch nicht, dass ich keinen Respekt davor habe, dass einige (oder auch einige mehr) meine Meinung nicht teilen. Ich nenne mein Verhalten liberal.
13:04
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12:02
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07:33
@ GS Germaniae
Eherecht? Erbrecht? Adoptionsrecht?
Wenn man von Gleichstellung redet, sollte man auch Gleichstellung meinen und gleich leben dürfen. Solange nicht einmal rechtliche Gleichstellung existiert, sollten Schwule und Lesben auch offensiv dafür kämpfen. Und selbst, wenn das erst einmal geschafft ist, dann wird die gesellschaftliche Gleichstellung noch lange nicht erreicht sein. Das Ziel ist erst dann erreicht, wenn Gleichstellungsgesetze überflüssig sind, weil Gleichstellung in allen Lebensbereichen unhinterfragbar ist.
Des Weiteren: Es ist mir schnuppe, was im Islam über Homosexualität steht, weil der Koran ebenso wie die Bibel nichts anderes sind, als eine gesellschaftliche und rechtliche Normenfibel für eine Zeit, die längst überwunden ist.
07:22
@ knarz
Des Weiteren können Sie Homosexualität so abtoßend finden, wie sie wollen. Solange Sie mit Ihren Aussagen Menschen, die eine solche ganz normale Veranlagung haben, nicht dafür (auch verbal) diskreminieren, dass sie eben diese Anlage haben.
Ich für meinen Fall finde z.B. das Verzehren von Schweinefleisch abgrundtief ekelerregend. Ich sage aber eben nicht, dass die Schweinefleischfresser mich nicht mit ihrer abstoßenden Neigung belästigen sollen. Sie sind nun einmal da und das öffentliche Verzehren von Bratwurst empfinde ich als ebenso normal, wie die knutschenden hetero- oder homosexuellen Pärchen auf den Straßen.
07:15
@ knarz
Lieber Herr Aufrechtbürger knarz,
Die Nazionalsozialisten hatten auch etwas gegen Homosexualität. Außerdem hatten sie etwas gegen alles, was nicht dem damaligen Gesinnungsideal der sogenannten deutschen und christlichen Familie entsprach. Wenn man sagt, dass Menschen, die die gleichen Wertvorstellungen haben, Nazis seien, dann meint man damit, dass man bei deren Aussagen Parallelen zu Einstellungen der Nazionalsozialisten erkennt. Die Aussage mag verkürzt sein, muss als überspitzte Darstellung in diesem Falle jedoch hingenommen werden, um die betreffenden Kommentatoren, auf die sich diese Titulierung bezieht, darauf aufmerksam zu machen, in welcher historisch-mentalen Gesellschaft sie sich befinden.
02:44
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02:43
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23:56
Genau, zeig deinen Kindern ihre neuen Vorbilder. Anstatt als Familie dem entgegenzusteuern, was einen auf Dauer vernichtet muss man dem Treiben natürlich klatschend zusehen. Lächerliche Gestalten, die leider eine bessere Lobby haben als die normale deutsche Familie.