"Von Klassik bis Swing"
Hochkarätiges und unterhaltsames Konzert
08.02.2010 | 17:33 Uhr 2010-02-08T17:33:00+0100
Es ist noch robust und belastbar - das Gemäuer der Obersten Stadtkirche! Schließlich wurde es zu Beginn des Konzertes in seinen Grundfesten erschüttert.
Als das Bläserensemble „Classic Brass Ruhr” gemeinsam mit Hanns-Peter Springer an der Orgel ein berühmtes Werk der französischen Spätromantik zum Besten gab, Eugene Gigouts „Grand Choeur Dialogue”.
Mit solcherlei festlichem Klangbombast begann ein ebenso hochkarätiges wie unterhaltsames Konzert, das die Zuhörer am Ende förmlich von den Sitzen beziehungsweise Kirchenbänken riss.
Im ersten Teil dominierten Klänge der Barockzeit. Ein „Orgelpräludium” Buxtehudes - virtuos und transparent interpretiert von Hanns-Peter Springer - leitete über zu den bekannten Stücken von Händels „Wassermusik”, die vom Bläserquartett stilsicher und klangvoll dargeboten wurden. Jörg Segtrop und Klaus Hanusa an der Trompete, Hajo Nast und Andreas Wagner an der Posaune erwiesen sich hierbei als perfekt aufeinander eingespieltes Ensemble.
Zum ersten Höhepunkt des Abends geriet die „Sonata pian e forte” von Giovanni Gabrielli. Bläserquartett und Orgel zauberten jene große Würde und Erhabenheit herbei, die von dieser „Alten Musik” ausgeht und kaum in Worte zu fassen ist.
Im mittleren Block des Programms dominierten moderne, jazzige Klänge, eingeleitet durch eine kleine Bläsersuite von Jean Francois Michel. Einmal mehr konnte man heraushören, was „Esprit” in der französischen Musik bedeutet, zumal, wenn sie mit soviel Rhythmusgefühl, Präzision und nicht zuletzt Humor dargeboten wird. Kantor Springer legte auf gleichem Niveau nach und bewies mit zwei poppig-fetzigen Orgelstücken von Johannes Matthias Michel und Matthias Nagel, dass er diese musikalische „Schiene” souverän zu bedienen und aus der altehrwürdigen Pfeifenorgel unbeschwert freche Klänge zu holen vermag.
Mit der „Stephen Foster Suite” von Lennie Niehaus demonstrierte das Bläserquartett dann noch einmal eindrucksvoll, warum das Programm „von Klassik bis Swing” in seinem Untertitel mitführte - hier wurde nun richtig „abgejazzt.”
Mit zwei wunderbar ruhigen und klangschönen Abendliedern von Bach und Percy Whitlock leitete Springer an der Orgel einen besinnlichen Teil ein, der sich aber als „Ruhe vor dem Sturm” erwies. Denn mit dem „Grand Choeurs” von Cesar Franck kehrten Bläser und Organist zum Klangbombast der Eröffnung zurück, der sich in der Zugabe bei Händels „Halleluja” aus dem „Messias” noch fortsetzte. Das überaus zahlreich erschienene Publikum sparte nicht mit Standing Ovations und hätte wohl am liebsten skandiert: „Jungens, kommt bald wieder!” Schön wärs!
0mitdiskutieren