Herrscher über mehr als 2000 Medikamente

Christine Jodehl leitet die Krankenhaus-Apotheke, Dr. Philipp Müller ist ihr Stellvertreter. Kisten wie die roten rechts im Bild werden verwendet, um die anderen Häuser zu beliefern.
Christine Jodehl leitet die Krankenhaus-Apotheke, Dr. Philipp Müller ist ihr Stellvertreter. Kisten wie die roten rechts im Bild werden verwendet, um die anderen Häuser zu beliefern.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die Krankenhaus-Apotheke des St.-Elisabeth-Hospitals versorgt elf Einrichtungen.

Iserlohn..  Kartons, Kisten in verschiedenen Farben und entsprechende Deckel, Rollwagen, Regale mit unzähligen Fächern, Packtische: Auf den ersten Blick sieht es hier aus wie in einer Poststelle. Doch es werden keine Briefe oder Päckchen verteilt, sondern Medikamente.

Seit 1983 verfügt das St.-Elisabeth-Hospital über die eigene Krankenhaus-Apotheke, die mittlerweile neun Kliniken wie das Evangelische Krankenhaus Bethanien, die Hemeraner Paracelsus-Klinik oder das St. Vincenz Menden versorgt, hinzu kommen zwei Reha-Kliniken und fünf Rettungswachen. Sie alle werden montags, mittwochs und freitags von Iserlohn aus beliefert. Christine Jodehl leitet die Apotheke, das Team besteht aus vier Apothekern, vier Pharmazeutisch-technischen und fünf Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten.

Was nicht auf Lager ist, wirdbestellt oder hergestellt

Christine Jo­dehl sagt: „Wir beginnen um 7 Uhr mit der Arbeit, bekommen die Bestellungen per Fax oder Mail.“ Handelt es sich um eines der 2000 Medikamente, die grundsätzlich auf Lager sind, werden sie ab 12 Uhr ausgeliefert. Auch weniger gängige Arzneien besorgen die Mitarbeiter im Großhandel meist so schnell, dass sie kurz vor Mittag in eine der Plastik-Lieferkisten wandern und ausgeliefert werden können. Einiges – wie zum Beispiel die für die Krebstherapie erforderlichen Zytostatika, aber auch individuelle Augentropfen, Salben, Kapseln oder Zäpfchen – wird direkt im Erdgeschoss des St.-Elisabeth-Hospitals hergestellt. Und das unter hochmodernen Bedingungen: In den beiden Laborbereichen gibt es ein System, das unter anderem Waagen und Computer miteinander verbindet. „Es ist sicherer als das Vier-Augen-Prinzip“, erklärt Dr. Philipp Müller, stellvertretender Leiter der Apotheke, in der auch Schmerzpumpen befüllt werden. Am Ende des Tages werden etwa 850 verschiedene Arzneimittel in insgesamt ungefähr 4400 Packungen kommissioniert.

Anders als viele der deutschlandweit etwa 400 Krankenhaus-Apotheken kümmert sich das Team von Christine Jodehl und Dr. Philipp Müller auch um die so genannte Aufnahmemedikation. Was zunächst als Versuch mit einer Station startete, hat inzwischen in fast allen der insgesamt 200 Stationen Einzug gehalten: Wird ein Patient stationär aufgenommen, füllen die Stationsmitarbeiter einen Bogen aus, worin sämtliche Medikamente, wie sie bis dahin zu Hause eingenommen wurden, festgehalten werden. Mitunter bekommen die Fachleute das Schaudern: Bis zu 25 verschiedene Mittel haben sie schon bei nur einer Person gefunden. „Wir stellen dabei nicht nur auf die Medikamente unserer Hausliste um, sondern prüfen auch auf Wechselwirkungen und Verträglichkeit sowie die sonstigen Laborwerte“, so Dr. Müller. Er und seine Kollegen beraten die Mediziner und das Pflegepersonal nicht nur anhand der bei der Aufnahme ausgefüllten Bögen, sondern auch im Rahmen von Visiten und Besprechungen.

Vieles muss dokumentiert und archiviert werden

Doch damit ist der Alltag in der Krankenhaus-Apotheke längst noch nicht beendet – auch hier müssen die Mitarbeiter vieles schriftlich festhalten. Patientenindividuelle Chargen-Dokumentationen von Blutprodukten sowie Keim- und Antibiotikastatistiken werden geführt, der Verbrauch von Antibiotika wird zur zielgerichteten Therapieoptimierung und Resistenzvermeidung unter die Lupe genommen, und die Rechnungen der Bestellungen bei Großhändlern oder Pharmafirmen müssen verbucht werden.