Helfer in Sachen Alltag und Hoffnung

Warten auf die Bewilligung des Asylantrags, Warten auf eine Arbeitserlaubnis: Patinnen wie Dagmar Kipp helfen Menschen wie Ali Avdo und seinem Sohn bei Behördengängen oder Arztbesuchen sowie bei einer einfacheren Eingliederung in der neuen Heimat, praktisch und zwischenmenschlich.
Warten auf die Bewilligung des Asylantrags, Warten auf eine Arbeitserlaubnis: Patinnen wie Dagmar Kipp helfen Menschen wie Ali Avdo und seinem Sohn bei Behördengängen oder Arztbesuchen sowie bei einer einfacheren Eingliederung in der neuen Heimat, praktisch und zwischenmenschlich.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Dagmar Kipp ist eine von gut zehn Personen, die sich als Paten für Flüchtlinge in Iserlohn engagieren

Iserlohn..  Ein bisschen hat er sich verspätet, der Weg ist weit bis hinunter in die Stadt, heute ist er mal allein unterwegs gewesen. Ali Avdo steigt jetzt vom Beifahrersitz des Kleinwagens von Dagmar Kipp, Schnee fällt auf die Wipfel der Bäume im Lägertal, vor dem Rückweg hat sie ihn schnell im Iserlohner Stadtzentrum eingesammelt. Unweit des gräulichen Mehrfamilienhauses, auf dessen Fassade das Moos als einziger Farbtupfer hängt, plätschert der Lägerbach.

„Mittlerweile ist es eher eine freundschaftliche Basis“

Dagmar Kipp, 56 Jahre, ist oft hier, man kennt sich. Die Iserlohnerin ist eine von gut zehn Personen, die sich seit einigen Monaten im Patenprojekt des Flüchtlingsnetzwerkes engagieren. Zumeist einmal pro Woche ist sie bei Avdos zu Besuch, einer Familie, die vor rund acht Monaten wegen des Bürgerkriegs und der Bedrohung durch die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) aus Syrien geflohen ist.

Dagmar Kipp hilft der vierköpfigen Familie bei Behördengängen und Arztbesuchen sowie weiteren Dingen des Alltags. „Ich betreibe das Ganze aber mittlerweile auch auf einer freundschaftlichen Basis“, sagt sie im Hinblick auf das Patenprojekt. Am kommenden Sonntag sind die Syrer erstmals bei Kipps zu Haus zum Essen eingeladen.

Im Wohnzimmer der Wohnung der Familie kullert sich der kleine Hassan, ein Jahr alt, über die Couch. Mit seinen großen, fast schwarzen Augen funkelt er Dagmar Kipp an. Gegenüber den anderen Besuchern scheint er erst ein bisschen skeptisch. Seinen Plüsch-Bernhardiner behält er vorsichtshalber mal im Blick, auf sein blaues Lätzchen ist „Abitur 2030“ eingestickt.

Weiß Ali Avdo, was das bedeutet? Ja, sagt der 22-Jährige, der mit seiner Familie seit gut sieben Monaten in Iserlohn wohnt, seit vier Monaten nun in einer eigenen Wohnung. „Meine Kinder sollen hier einmal zur Schule gehen, einen guten Abschluss machen“, sagt er in recht gutem Deutsch, obwohl er erst seit kurzem Sprachunterricht erhält – die Plätze sind rar.

Durch den Türspalt lugt nun Maya, 2, in die Runde. Sie trägt ein blaues Oberteil, von dem paillettenbesetzt in rot Minnie Maus hinabgrinst. Hassan zieht den Bernhardiner an sich, als sich seine Schwester nähert, die sich dann aber doch lieber mit ein paar Duplo-Bauklötzen in der Zimmerecke beschäftigt.

„Bei unserem ersten Treffen waren die Kinder noch schüchtern“, erinnert sich Dagmar Kipp, das war am 1. Oktober 2014. Damals wurde sie von Diana Schöning, eine der Initiatorinnen des Patenprojekts, der Familie vorgestellt. Seither hilft sie, wo es geht.

Lesen, Warten, Hoffen – kaum noch Verbindung zu Eltern

„Ali lernt sehr schnell“, sagt sie. Der junge Mann, in der alten Heimat in der Landwirtschaft tätig, liest viel. Darauf angesprochen bringt er einen Stapel Bücher in deutscher Sprache an, John le Carre, Sandra Brown, das neue Testament und eine Bibel in seiner Heimatsprache Kurdisch. Eigentlich sind die Avdos Jesiden, also Angehörige einer monotheistischen Religion, die im Irak und in Syrien vom IS besonders stark verfolgt wird – ein Grund, warum die Aussichten, dass ihr Asylantrag angenommen wird, gut stehen.

Zurückgeblieben in der alten Heimat sind die Eltern von Ali Avdo. Das Heimatdorf der Familie ist weitestgehend zerstört, sämtliche Verbindungen sind gekappt, einmal in der Woche fährt der Vater in die Türkei, um von dort mit seinem Sohn in Deutschland zu telefonieren.

Der kleine Hassan guckt jetzt neidisch auf die Bücher und fängt an zu quengeln. Der Plüsch-Bernhardiner hat plötzlich an Reiz verloren, mit den Händen versucht der Einjährige hinüber zum Tisch zu langen. Neben einer besseren Zukunft für seine Kinder äußert Ali Avdo auch einen Wunsch für sich selbst: „Nach einem Jahr Aufenthalt, wenn ich eine Genehmigung bekomme, möchte ich Arbeit finden“, sagt er. „Mir ist ganz egal, was.“

Wer Pate werden möchte, kann sich melden per E-Mail an info@fluechtlingsnetzwerk.de.