Heißer Bluesrock und coole Cover-Klassiker

Die „Gentlemen of Groove“ mussten ohne Frontmann Michael Grimm antreten. Für versierte Profis wie sie kein wirkliches Problem. Die Band lieferte eine perfekte Show, super Sound und jede Menge Musikalität.
Die „Gentlemen of Groove“ mussten ohne Frontmann Michael Grimm antreten. Für versierte Profis wie sie kein wirkliches Problem. Die Band lieferte eine perfekte Show, super Sound und jede Menge Musikalität.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Trotz des eher durchwachsenen Wetters pilgerten über 400 Fans am Samstag ins Barendorf, um beim Startschuss zum Rocksommer 2015 dabei zu sein. Und das Kommen hatte sich gelohnt.

Iserlohn..  Die Spannung ist jedes Mal die gleiche. Schon Tage vor dem Start in den Rocksommer in Barendorf studieren Museums-Chef Gerd Schäfer und Festival-Organisator Thomas Herr mit der Hoffnung auf ein sonniges, vor allem trockenes Wochenende die Wetterprognosen auf allen Kanälen. Und noch am Samstagmittag, als die High-Tech- Show-Anlage im beschaulichen Fachwerkdorf aufgebaut wird, kursiert das Gerücht, dass sich um halb vier die Wolken verziehen. „Die erste Veranstaltung entscheidet oft über den weiteren Verlauf des Rocksommers“, sagt Thomas Herr. Und sie ist die mit der höchsten Regenwahrscheinlichkeit.

Erinnerungen an den jungenAlvin Lee werden wach

Der Niederschlag setzte dann auch pünktlich zum Startschuss noch einmal ein und sorgte, verbunden mit frischen 12 Grad Celsius, zunächst für eine leicht unterkühlte Stimmung rund um den Dorfplatz. Was sich aber schnell änderte, als sich „Next Try“ an die Instrumente begab und sofort klar machte, was in den kommenden 90 Minuten angesagt ist: Bluesrock, wie man ihn in solch schnörkelloser Kraft und Wildheit nicht alle Tage zu hören bekommt. Auf dem Programm: Klassiker wie „Radar Love“ und „Sweet Home Alabama“ sowie eigene Kompositionen. Im Mittelpunkt der Show steht Gitarrist und Sänger Sean Athens, der jede Phrase seiner Soli mit einer an den jungen „Ten-Years-After“-Gitarristen Alvin Lee erinnernden Gestik und Mimik begleitet. Ein Gitarrist, der seinem Instrument auf der Bühne ebenso viel abverlangt wie sich selbst, der die Saiten mal wie rohe Eier behandelt und dann wieder an ihnen zerrt, als wolle er sie zerreißen. Ganz in seinem Element ist Sean Athens, der schon mit 14 Jahren als großes Talent auf sich aufmerksam gemacht hat, wenn „ZZ Top“ oder Jimmy Hendrix auf der Speisekarte stehen. Hier wird der junge Gitarrist eins mit seinem Instrument, scheint das ein oder andere Mal in eine andere Welt abzutauchen. Gleichzeitig aber ist Athens immer konzen­triert, verliert nicht den Faden und zieht in den dynamischen Passagen den Spannungsbogen zielsicher bis zur tonalen Ekstase.

An diese Agilität reicht nur noch der wieselflinke Keyboarder Maximilian Paroth heran. Wenn losgelassen, zeigt auch er, dass er sein Handwerk gelernt hat und dazu noch großes musikalisches Talent besitzt. Und Drummer Kai Herrmann und Rene Becker am Bass sind die Ruhepole von „Next Try“, die für den nötigen Druck von hinten und unten sorgen, zwei auf die man sich blind verlassen kann.

„Gentlemen“ lieferten auch ohne Grimm eine große Show

Der gute Ruf, der den „Gentlemen of Groove“ aus Hohenlimburg schallend vorausgeeilt war, hatte den Platz vor der Bühne rechtzeitig zum Top-Act doch noch ansehnlich gefüllt. Die über 400 Rockfreunde besten Alters, die am Samstag ins Barendorf gekommen waren, wurden von den „Gentlemen“ mitgenommen auf eine Reise in die 70er bis 90er Jahre mit Songs und Evergreens, die jeder kennt. Was aber den Unterschied ausmacht, ist die Art, wie „Walking On The Moon“ oder „Ain’t No Sunshine“ musikalisch neu entdeckt werden und dabei Ausflüge in den Swing ebenso möglich sind wie in den Hardrock. Da kommt es doch zupass, dass Drummer Charly T., Bassmann Stefan Breuer, Keyboarder Shaby Pelzer und Gitarrist Paddy Boy seit Jahren allesamt Vollprofis sind und mit Westernhagen, Kunze und Raab auf Tour und im Studio waren. Dass Frontmann Michael Grimm wegen einer Knieverletzung nicht dabei sein konnte, war für Grimm-Fans ein wenig enttäuschend. Als Entschädigung gab’s einen sowohl musikalisch als auch soundtechnisch perfekt gemixten Cover-Cocktail, bei dem vor allem Gitarrist Paddy Boy für wohliges Kribbeln sorgte.