Haiku-Quartett mit viel Dramatik

Katharina Klusmann, Francesca Eliška Reyter (erste und zweite Violine), Consuelo Redondo Gómez (Viola) und Sebella Viljoen (Cello) sind allesamt Studentinnen.
Katharina Klusmann, Francesca Eliška Reyter (erste und zweite Violine), Consuelo Redondo Gómez (Viola) und Sebella Viljoen (Cello) sind allesamt Studentinnen.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Wenn man am Sonntagvormittag in der St. Michael-Kirche für einen Moment die Augen schloss und sich so dem Wirken und Woben der Musik hingab, meinte man, ein Streichquartett von ausgewachsenen Profimusikern vor sich zu haben. Es war „aber nur“ das Haiku Quartett, das zu Gast beim Gerlingser Sonntagskonzert war und dessen junge Musikerinnen auf einem so erstaunlich hohen Niveau spielten, dass man den Vergleich zu gestandenen Profis ziehen muss.

Bereits vor Jahren zusammengeschlossen

Katharina Klusmann, Francesca Eliška Reyter (erste und zweite Violine), Consuelo Redondo Gómez (Viola) und Sebella Viljoen (Cello) sind allesamt Studentinnen (drei von ihnen im Masterstudiengang) und haben sich bereits vor Jahren zum Haiku-Quartett zusammengeschlossen. Am Sonntag standen Joseph Haydns Quartett f-Moll op. 20 Nr. 5 und Felix Mendelsohn Bartholdys Quartett f-Moll op. 80 Nr. 6 auf ihrem Konzertprogramm. Die Werke waren unter dem etwas trügerischen Konzert-Titel „Sonnige Romantik“ zusammengefasst und standen sich doch diametral gegenüber. Ist Haydns Quartett noch Kind der Wiener Klassik und trägt nur durch Zufall den Beinamen „sonnig“, bewegt sich Mendelsohns Quartett auf sicheren Pfaden der Romantik und strahlt sowohl deren Musik- als auch deren Kompositionssprache aus.

Mendelsohn schrieb sein Werk 1847, nachdem er vom Tod seiner Schwester Fanny erfuhr. Wenn man will, kann man im ersten Satz seine emotionale Aufgewühltheit deutlich spüren. Das Haiku-Quartett spielte mit viel Dramatik, ließ den ersten Satz betont stürmisch beginnen, um ihn dann gefühlvoll in die vorgezeichneten sanfteren Gefilde zu führen. Besonders schön geriet den Musikerinnen der dritte Satz. Die aufeinander folgenden Einsätze der Instrumente im Adagio, beginnend mit dem Cello, spielten sie formvollendet. Kein Instrument dominierte über das andere, gleichwertig nahmen sie das Motiv des Vorhergehenden auf und trugen es weiter, um zu einem runden Ganzen zu werden.

Die Klangschönheit des Haiku-Quartetts war bereits bei Haydns Werk zu hören. Auch hier schien nichts gekünstelt. Immer nah am Eigentlichen des Werkes schufen sie musikalisch klar strukturierte Sätze und überzeugten mit ihrem stimmlich größtenteils sehr ausgewogenen Spiel. Das zahlreiche Publikum war äußerst begeistert und die Musikerinnen schenkten ihm als Zugabe einen Satz aus Erwin Schulhoffs „5 Stücke für Streichquartett“, dessen radikal andere Tonsprache sie sehr intensiv wiedergaben.