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"Häusliche Gewalt nicht tabuisieren"

25.11.2009 | 20:32 Uhr
"Häusliche Gewalt nicht tabuisieren"

Iserlohn. „Das Thema 'Häusliche Gewalt' ist leider allgegenwärtig und darf nicht tabuisiert werden” , sagte gestern der stellvertretende Bürgermeister Michael Scheffler. Er begrüßte über 120 Teilnehmer der Fachtagung zur Häuslichen Gewalt im Ratssaal.

„Betroffen sind in der Regel Frauen und Kinder, und die Täter sind häufig die Partner und die Personen aus dem Nahbereich", weiß der SPD-Sozialpolitiker Scheffler. 

Vor diesem Hintergrund warb die Leiterin des Iserlohner Frauenhauses, Anna Müller, um eine Unterstützung der Kampagne zur Finanzierung der Zufluchtstätten im Land, „Schwere Wege leicht gemacht!”. Das Iserlohner Frauenhaus in Trägerschaft der AWo müsse jedes Jahr neue Förderanträge stellen, sei aber im Vergleich zu anderen Einrichtungen durch die Unterstützung des Fördervereins noch gut aufgestellt. Da das Land die vierte Stelle gekürzt habe, sei aber jede Hilfe nötig.

In Deutschland gibt es 360 Frauenhäuser und 240 Frauennotrufe, berichtete Diplom-Pädagoge Stefan Beckmann von der Berliner Interventionszentrale bei Häuslicher Gewalt. Im Internationalen Vergleich gebe es hier ein gut ausgebautes Netz für Opfer Häuslicher Gewalt. Hinzu kommen 2000 Kooperationsbündnisse mit Institutionen unterschiedlicher Professionen. „NRW ist eine Brachstelle, was die Täterarbeit angeht”, sagte Beckmann. Diese Arbeit sei ein wichtiger Baustein in der Präventionskette gegen Häusliche Gewalt und der Opferschutz oberste Maxime. „Strafrechtliche Sanktionen allein führen nicht zum Umdenken bei den Tätern”, weiß er aus verschiedenen Forschungsprojekten zum Thema Häusliche Gewalt. „Sie müssen sich gezielt mit ihren Taten auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen.”

Der Anteil der Täter mit Migrationshintergrund und der mit deutsch-russischem Hintergrund sei sehr hoch, sagten der Opferschutzbeauftragte der Polizei, Frank Uwe Neenß, und der Leiter der Zentralen Kriminalitätsbekämpfung, Manfred Kurzawe. Sie berichteten von einem gestiegenen Anzeigeverhalten.

Dr. Nahlah Saimeh, Ärztliche Direktorin am LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt, nannte als Risikofaktoren überforderte Eltern mit chaotischem Erziehungsstil ohne Wertevermittlung sowie häufige Beziehungsabbrüche und antisoziales Verhalten des Vaters oder der Eltern. Weitere Faktoren seien Alkoholabhängigkeit der Eltern, körperliche Misshandlungen oder mangelnde Disziplin in der Familie und fehlende Beaufsichtigung durch die Eltern.

„Es sind viele Institutionen an den Runden Tischen zur Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes vertreten. Wir müssen die gemeinsame Aufgabe forcieren”, fasste Helena Haack von der Gleichstellungsstelle das Ziel zusammen, die Arbeit mit gewaltbereiten Männern als Baustein des Opferschutzes voranzubringen. Eine „neue Phase des Opferschutzes” machte Ansgar Röhrbein vom Märkischen Kinderschutzzentrum durch die gute Kooperation dieses Netzwerkes aus.

Bei der Frage der Finanzierung der Arbeit mit Gewalttätern regte Dr. Saimeh an, sich um Sponsoring zu bemühen. Frauenhaus-Leiterin Anna Müller könnte sich vorstellen, dass sich Sozialarbeiter der Stadt in diese Materie einarbeiten.

Cornelia Merkel

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