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Große Momente mit Vanessa und Carlos

21.12.2008 | 17:38 Uhr
Große Momente mit Vanessa und Carlos

Iserlohn. Auch in diesem jahr waren die beiden Vorführungen von "St. Niklas war ein Seemann" die spektakulären Höhepunkte im Parktheater-Jahr, die das Publikum begeistert haben.

Erst lacht man noch und meint, es wäre nur Spaß, wenn Thomas Reunert sein Publikum mit Scherzen über die angebliche Länge dieser Veranstaltung schockt. Über die beste Taktik beim abwechselnden Einschlummern ab etwa 0.30 Uhr frotzelt er da, oder er preist die Vorzüge des Schunkelns zur Entlastung des arg strapazierten Sitzfleisches, wenn man so gegen 1 Uhr sechs Stunden Programm hinter sich hat.

Im Laufe des Abends wird einem dann aber irgendwann bewusst, dass es sich keineswegs um Scherze gehandelt hat, sondern einfach um eine realistische Einschätzung: Sechseinhalb Stunden reihten sich am Freitagabend bei der ersten von zwei „St. Niklas war ein Seemann”-Veranstaltungen im Parktheater Shanties und Schlager, Stars und Sternchen, Interviews und Sketche und vieles mehr aneinander. Und als um 1.30 Uhr das Finale samt „Oh, du fröhliche” und dem St.-Niklas-eigenen Ohrwurm „Auf der MS Iserlohn” gesungen war und Hafenwirt Thomas Reunert dem ausverkauften Haus ein frohes Fest wünschte, forderte das Publikum immer noch Zugaben - unglaublich.

Die zeitliche Dimension von St. Niklas ist aber nicht die einzige Besonderheit, die diese Revue zum größten Bühnenspektakel des Parktheater-Jahres und wohl auch zu etwas Einzigartigem in der deutschen Bühnen-Landschaft macht. Zum einen ist da das Parktheater-Team, das diese Eigenproduktion im Laufe der Jahre zu einer Ausstattungs-Revue der Extraklasse entwickelt hat. Das Drumherum mit Live-Musik, Catering und Infoständen der Iserlohner Shanty-Frauen und der Interessengruppe Schiffsmodell Seilersee im Foyer, das opulente Bühnenbild, das das große Haus zu einem Segelschiff und die Bühne zu einer Hafenkneipe macht, und die vielen technischen Kniffe von der geschmackvollen Beleuchtung bis zum Schneegestöber beim Finale nehmen die Gäste des Theaters förmlich in den Arm.

Dann ist da natürlich Thomas Reunert, der als Wirt der Hafenkneipe durch den Abend führt, hier mit Korvetten-Kapitän Bodo Scheuch und mit seiner Hafenkneipen-Bedienung Gerda scherzt, dort die Gäste auf der Bühne interviewt und immer das Publikum im lockeren Plauderton mit einbezieht und auch über eine derart lange Strecke bei bester Laune hält. Vieles geschieht in diesen sechseinhalb Stunden auf Zuruf am eigentlichen Ablaufplan vorbei, und das Publikum hat oft ein Wörtchen mitzureden. Genau das macht den Abend aber aus. Ebenso wie die Gesprächsteile von Thomas Reunert, die die Shanty- und Schlager-Revue immer wieder unterbrechen: Am Freitag saß etwa Seenotretter Jörg Bünting mit am Tresen, der als Vormann der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger viel vom Alltag auf seinem Seenot-Kreuzer in der Elbe-Mündung erzählte. Besondere Höhepunkte waren aber auch die Telefonate, die Thomas Reunert mit seinen Freunden Jens Plöger und Horst Lichter führte. Der ARD-Wetterfrosch ließ sich auf die erstaunliche Prognose ein, dass an Heiligabend auch in Iserlohn wettermäßig „irgendetwas anfangen wird zu passieren”, und der Kölner Fernseh-Koch war mit seinem Handy gerade in Hamburg auf Shopping-Tour und meinte, dass ihm ebenfalls gerade 800 Leute beim Telefonieren zuschauen.

Und dann sind da natürlich die vielen Stars, die sich auf der Bühne die Klinke in die Hand geben. Judith und Mel waren am Wochenende zu Gast und hatten neben ihren großen Hits auch aktuelles Material aus ihrer neuen Weihnachts-CD dabei. Peter Petrel und seine herrlich jazzigen „Swinging Petrels” lieferten lockeren Jazz mit weihnachtlichem Anstrich von der Waterkant. Ein besonderer Überraschungs-Gast war Achim Wolff, der kürzlich noch in der Boulevard-Reihe auf der Parktheaterbühne stand und nun weihnachtlich-amüsante Geschichten von Kästner vortrug. Mit seiner lockeren Art hatte der Kika-Weihnachtsmann das Publikum wie im Sturm erobert. Auch das Akustik-Quintett „Timmerhorst” - die Entdeckung aus dem vergangenen Jahr - war wieder dabei, und stimmte das Publikum auf die lange Nacht aus Seemanns-Garn und Weihnachts-Besinnlichkeit ein.

Ebenso wie die „Romantik Sailors” aus Iserlohn, die erneut als Kneipengäste zum Bühnenbild gehörten und unter ihrem Dirigenten Bodo Scheuch und mit vielen stimmgewaltigen Solisten einen bekannten Shanty nach dem anderen hören ließen, zwischenzeitlich sogar russische Weisen sangen und auf Anweisung von Thomas Reunert sogar spontan den Hit „Ein Stern, der deinen Namen trägt” intonierten.

Für die ganz großen Emotionen waren aber Vanessa Krasniqi und Carlos Fassanelli zuständig. Beide hatten bei der RTL-Supertalent-Show mit Dieter Bohlen das Finale erreicht und ein Millionenpublikum begeistert. Am Freitag feierten sie auf der Bühne ihr erstes und tränenreiches Wiedersehen. Und am Samstag gesellte sich unvorhergesehener Weise auch noch Giuseppe Ruisi zu den beiden, der bei Dieter als Michael-Jackson-Imitator dabei war und nun seine Show in Iserlohn abzog.

Für Carlos Fassanelli war es der erste Live-Auftritt nach den TV-Sendungen, wozu er drei Lieder - darunter sein berühmtes „My Way” auf spanisch - mitgebracht hatte. Mit seiner sympathischen und zurückhaltenden, gleichzeitig aber ungeheuer ruhigen und souveränen Art gehörte er zu den absoluten Höhepunkten des Abends. Gleich nach dem Iserlohner Shooting-Star Vanessa, die es sich nicht nehmen ließ, ein eigenes Weihnachtslied a-capella zu singen und eindrucksvoll zeigte, dass sie nicht nur das Publikum vor den Bildschirmen, sondern auch mehr als 800 Menschen vor der Bühne mit ihrer Stimme bewegen kann, was ja nicht unbedingt leichter sein muss.

Dass das Publikum über dieses pralle Programm mehr als begeistert war, war nicht nur an den Zugaberufen zu nachtschlafender Stunde festmachen. Auch die Spendenbereitschaft für die Seenotretter schlug mit 4000 Euro an beiden Abenden alle Rekorde, und der Vorverkauf für die neunte St.-Niklas-Auflage im kommende Jahr läuft auch schon auf Hochtouren: Rund 300 verkaufte Karten für 2009 hat Johannes Josef Jostmann am Sonntag schon gemeldet.

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Ralf Tiemann

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