Gewöhnungsbedürftige Lift-Story enttäuschte

Beim Künstlergespräch „Nah dran“ im Löbbeckesaal erfuhren die Theaterfreunde eine Menge über die Schauspieler und ihre Aktivitäten in Bühne, Funk und Fernsehen.
Beim Künstlergespräch „Nah dran“ im Löbbeckesaal erfuhren die Theaterfreunde eine Menge über die Schauspieler und ihre Aktivitäten in Bühne, Funk und Fernsehen.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Der anekdotenreiche Künstler-Talk „Nah dran“ entschädigte für die schwache Boulevard-Komödie „4 nach 40“, die im Parktheater ihre Tourneepremiere in der Regie von Jochen Busse erlebte.

Iserlohn..  Große Namen sind am Theater nicht immer Garanten für gute Stücke. Das gilt auch für die Boulevardkomödie von Fritz Schindlecker „4 nach 40“, bei der Jochen Busse die Regie führte, die am Freitag ihre Tourneepremiere im Parktheater erlebte. Das Niveau des Stückes kam sich nicht über banale Unterhosenkomik hinaus.

Vier prominente Schauspieler gewannen der gewöhnungsbedürftigen Lift-Story, bei der vier unterschiedliche Menschen im Aufzug stecken bleiben, dann durch ihre besondere Bühnenpräsenz und durch Spielwitz durchaus passable Facetten ab. Die Fahrgäste sind alle 40 Jahre alt und bleiben zwischen dem 40. und 41. Stock hängen. Daraus entwickelt sich eine Midlife-Crisis-Komödie.

Am besten kam Andrea Lüke beim Parktheater-Publikum an. Sie spielte die arbeitssuchende Ossi-Frau Petra Zech-Barufsky mit dem Herz auf dem richtigen Fleck. Die einfach strukturierte Frau tat einem schon fast leid, dass sie mit einem trinkenden Rocker liiert ist. In ihren Träumen ist sie die Königin der Nacht und der von ihr im Fahrstuhl angehimmelte Oberlehrer der Märchenprinz. In ihrer zupackenden Art versuchte sie als einzige, den Lift zu reparieren, während die anderen zwischen Panik, Wut und Angst hin- und her drifteten oder sich in ihr Schicksal fügten.

Zur Höchstform lief Marek Erhardt als notgeiler Versicherungsvertreter auf, der auch aus der scheinbar ausweglosesten Situation Kapital zu schlagen bereit ist. Erhardt, der schon mal Stadionsprecher beim HSV oder den „Freezers“ in Hamburg war, wie er später im Künstlertalk „Nah dran“erzählte, baute als Überraschung ins Stück den 8:1-Sieg der Roosters gegen die Düsseldorfer EG mit ein. „Das habe ich für die Leute im Publikum gemacht, die anstatt zum Eishockey mit ins Theater mussten.“ Dafür gab es reichlich Sonderapplaus.

Als neurotischer und suizidgefährdeter Studienrat Wolfgang Binder, der sich am Ende als Puffgänger und Spieler outet, überzeugte Konstantin Graudus. Den undankbarsten Part nahm Saskia Valencia ein, die eine eingebildete Juristin spielte, die gerade von ihrem Verlobten am Telefon abserviert wurde und sich mit Yoga-Übungen aus dem Tief heraus zu beamen versucht, während die Liftinsassen immer mehr durchdrehen. Originell ihr Sauberkeitswahn mit der Desinfektionsflasche und dem Putzlappen, die Madame immer im Täschchen dabei hat. Manko war die Technik: Alle Akteure konnte man gerade bei den Liedern, in denen sie sich selber vorstellten, ganz schlecht verstehen.

„Weil Verona Feldbusch ein blaues Auge hatte“

Der Promi-Talk „Nah dran“ im Anschluss entschädigte dann aber: Im Gespräch mit IKZ-Redaktionsleiter Thomas Reunert bügelten die bestens aufgelegten Schauspieler die Scharten des schwachen Stoffes aus und gaben reichlich Anekdoten zum Besten: Saskia Valenzia trägt keineswegs einen Künstlernamen, sondern war in erster Ehe mit einem Kolumbianer verheiratet, dem Vater ihrer zwei Kinder. Sie verriet, wie sie durch Zufall in der Sendung „Peepshow“ mitmachte: „Weil Verona Feldbusch ein blaues Auge hatte.“ Sie gab zu: „Ich habe kein Problem, über Sex und Erotik zu sprechen. Man kann durchaus gesittet darüber sprechen.“ Valenzia erzählte, wie sie auf Umwegen durch die Werbung als Frau Antje zur Schauspielerei kam: „Ich habe alles mitgenommen, was so kam.“ Sie berichtete von der „Mühle“ bei Serien-Produktionen wie „Rote Rosen“ oder „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

Andrea Lüdke ist im DDR-Sperrgebiet groß geworden und liebt die Vielseitigkeit der Schauspielerei. „Talent ist das eine, aber man muss sich auch durchsetzen“, machte sie deutlich, dass für sie Erfolg nichts mit Glück zu tun hat. Konstantin Graudus erzählte von seiner Pferdezucht und dem Leben auf dem Land, seiner eigenen Bühne und der Arbeit als Synchronsprecher. Die Schauspieler lobten neben dem tollen Publikum das geschmückte Theater, das mit dekorativen Neujahrsgrüßen immer noch an die Silvestergala erinnerte. Marek Erhardt, „Nesthäkchen in der Gruppe“ bezeichnete sich als „Workaholic“: „Ich habe immer mehrere Standbeine gehabt: Werbung, Radio- und Synchronsprecher, Schauspiel.“ Er erzählte von jüngsten Drehs in den USA und seinem Undercover-Einsatz bei der Hamburger Polizei. Sein Buch darüber stellt er am 23. Januar in Menden vor.