„Gewinne von S-Probis stehen im Vordergrund“

Die U-förmige Grünfläche auf der Emst (Bildmitte) soll mit Einfamilienhäusern bebaut werden.
Die U-förmige Grünfläche auf der Emst (Bildmitte) soll mit Einfamilienhäusern bebaut werden.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die Bürgerinitiative „Auf der Emst“ hofft auf das Verantwortungsbewusstsein der Ratsvertreter und meldet erhebliche Zweifel an dem tatsächlichen Bedarf für eine Neubausiedlung mit Einfamilienhäusern an.

Iserlohn..  Wenn sich der Rat der Stadt Iserlohn bei seiner nächsten Sitzung am kommenden Dienstag schon nicht zu einem kompletten Stopp der Planung der Bau- und Vermarktungsmaßnahmen im umstrittenen Gebiet „Auf der Emst“ entschließen kann, dann möchten die Mitglieder der Bürgerinitiative, die für eben dieses Ziel kämpft und die ihre Unterstützer- und Mitgliederzahl inzwischen mit rund 3000 angibt, wenigstens ein Moratorium – also ein Stillhalteabkommen – für rund fünf Jahre erreichen.

In diesem Zeitraum sollen dann vor allem die tatsächlichen Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt untersucht und ausgewertet werden. Während städtischerseits und auch von Seiten der Politik die Eliminierung der wild entstandenen Wald-, Grün- und Naherholungsflächen und die anschließende Erschließung mit eben einer solchen – mit anderen Mitteln nicht zu befriedigenden – Nachfrage nach Einfamilienhaus-Neubauten begründet wird, sehen die Frauen und Männer der Bürgerinitiative rund um ihre Sprecher Dieter Zeh und Uwe Albert genau diese Rechtfertigungsgrundlage nicht gegeben. In einem an diesem Wochenende an die Ratsmitglieder aller Fraktionen und die Verwaltungsspitze versandten Schreiben schreibt die Initiative zur Entwicklung auf dem heimischen Immobilienmarkt: „Die Prognose weist eine weitere Abnahme der Neubauten bei gleichzeitiger Zunahme der Investitionen in Bestandsimmobilien auf.“ Und weiter: „Zudem bietet die Stadt Iserlohn selbst aktuell etwa 20 Baugrundstücke (Poths Kreuz, Michaelstraße, Zur Sonnenhöhe…) zum Kauf an. Darüber hinaus finden sich zahlreiche Grundstücksangebote im Internet und bei ortsansässigen Maklern. Dazu gibt es weitere Angebote für mehr als 200 Bestandsimmobilien.“

Gebrauchtimmobilien derzeit bevorzugt?

Bei ihrer Analyse bezieht sich die Initiative auch auf die in der vergangenen Woche veröffentlichte Bilanz des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Märkischen Kreis. In der auch in der Heimatzeitung veröffentlichten Analyse kämen die Gutachter zu dem Schluss: „Wer für Immobilien Geld in die Hand nimmt, hat es überwiegend auf Gebrauchthäuser abgesehen.“

Moralisch und auch fachlich unterstützt fühlt sich die Initiative natürlich auch durch die ablehnenden Stellungnahmen des Märkischen Kreises, der Naturschutzverbände im Märkischen Kreis und des Umweltbeirates der Stadt Iserlohn. „All das wird seitens der Verwaltung einfach nur zur Kenntnis genommen, als unbedeutend oder irrelevant abgetan“, moniert Uwe Albert. „Tatsächlich gewichtet werden diese und andere vorgetragene Argumente nicht.“ Höhepunkt der Ignoranz sei aber auch gewesen, dass man seitens der Bauverwaltung behauptet hätte, eine Stellungnahme der Bürgerinitiative sei gar nicht erst im Rathaus eingegangen. „Genau diesen Eingang hatte uns jedoch ein Mitarbeiter bestätigt.“ Und selbst wenn aus einem technischen Grund die elektronisch verschickte Mitteilung ohne Anhang gewesen wäre, hätte man die Initiatoren auch darüber informieren können oder müssen. „Wenn man denn daran ein Interesse gehabt hätte.“

Inzwischen glauben Dieter Zeh und seine Mitstreiter aber auch hinter die tatsächlichen Beweggründe des städtischen Planungs- und Genehmigungs-Aktionismus gekommen zu sein. Im Gespräch mit der Heimatzeitung berichtet Zeh von Hintergrund-Gesprächen mit politischen Vertretern, in denen diese bestätigt haben sollen, dass es sich auf der Emst einzig und allein um eine Maßnahme zur Förderung des Umsatzes und Erlöses bei der Sparkassen-Tochter „S-Probis“ handeln soll. Niemand bei der Stadt, so der angebliche Gesprächsinhalt, „hatte das Baugebiet bis vor einigen Monaten überhaupt auf der Uhr und im Blick gehabt“. Bis S-Probis-Geschäftsführer Frieder Altrogge es auf der Suche nach neuen Erschließungsvorhaben zum Ziel seiner wirtschaftlichen Begehrlichkeit gemacht habe. Er habe eindeutig gegenüber Politik und Verwaltung argumentiert: „Ich brauche dieses Projekt dringend für unsere Firma und für die Sparkasse.“

Entscheidung neuen Erkenntnissen anpassen

Dieter Zeh: „Hier stehen also eindeutig und ausschließlich die Gewinne von S-Probis und somit der Sparkasse im Vordergrund und nicht etwa tatsächliche Bedarfsfragen.“ Ob vor diesem Hintergrund auch die diversen Gutachten im Sinne und auf Kosten des Auftraggebers gewünschte Tendenzen widergespiegelt haben, wollen und können Zeh und Albert natürlich nicht behaupten. „Vorstellen kann man sich in der realen Geschäftswelt heute alles.“

Die Hoffnungen der Initiative ruhen nun in erster Linie auf dem Verantwortungsbewusstsein der am Dienstag entscheidenden Ratsvertreter. „Damit kein falscher Eindruck entsteht: Wir wissen um die Bedeutung der demokratischen Entscheidung unserer gewählten Ratsvertreter. Und wir wissen auch, dass wir es auf der Emst mit einem Gebiet zu tun haben, dass von Anfang an mal für eine Bebauung in späterer Zeit vorgesehen war. Wenn sich aber inzwischen die Grundvoraussetzungen und Perspektiven geändert haben, ist es doch nur richtig und fair, wenn auch die Politiker ihre Entscheidung dem aktuellen Stand und ihren neuen Erkenntnissen anpassen.“