Geschichte lebendig werden lassen

Was wir bereits wissen
Viele Unterstützer wollen mit der Ausstellung über Anne Frank und einem umfangreichen Rahmenprogramm ein Zeichen setzen.

Iserlohn..  „O ja, ich will nicht umsonst gelebt haben wie die meisten Menschen. Ich will den Menschen, die um mich herum leben und mich doch nicht kennen, Freude und Nutzen bringen, auch nach meinem Tod.“ Anne Frank, 5. April 1944.

Das Tagebuch des jüdischen Mädchens ist Dokument und Symbol für den millionenfachen Völkermord während des NS-Regimes. Millionen von Menschen kennen die Aufzeichnungen Anne Franks. Ihr ist eine Ausstellung gewidmet, die am Freitag, 16. Januar, um 17 Uhr im Friederike-Fliedner-Berufskolleg eröffnet wird. Dass das Thema dann aktueller denn je sein wird, war den Verantwortlichen zum Zeitpunkt der ersten Überlegungen nicht bewusst. „Die Ausstellung wurde uns vor einem Jahr angeboten, und zu unserem Programm gegen Rechtsextremismus und Rassismus fanden wir sie sehr passend“, so Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens. Mit Blick auf Pegida und ähnliche Strömungen sagt er: „Es ist schlimm, dass man auch heute immer noch bewusst machen muss, was Rassismus bedeutet.“

Gedenkraum machtÄngste erlebbar

Die Ausstellung ist zweigeteilt: Kernstück ist ein Gedenkraum, der sich der langen Zeit Anne Franks im Versteck widmet. Darin werden den Besuchern nicht nur Audiozitate präsentiert, sondern insbesondere die Enge des Raumes verdeutlicht, die Angst begreifbar gemacht. Neben diesem nachgestellten Zimmer gibt es große Bildwände, die vom Leben Anne Franks erzählen. Ihre persönliche Geschichte wird verbunden mit der Geschichte der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus, der Judenverfolgung, des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs.

Das Besondere von „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ ist das Konzept „Jugendliche begleiten Jugendliche“: Dabei engagieren sich junge Leute als Begleiter Gleichaltriger. Vorab lernen sie in einem Kurzseminar Inhalte und Hintergründe sowie Vermittlungsmethoden kennen. „Die Jugendlichen bekommen einen ganz anderen Zugang, wenn sie von Gleichaltrigen geführt werden und keine Erwachsenen dabei sind“, weiß Andrea Schumann, Leiterin des Friederike-Fliedner-Berufskollegs. Sie und ihre Schüler sind gespannt darauf, vier Wochen lang Geschichte zu leben und zu erleben.

Katrin Brenner, Erste Beigeordnete der Stadt und Leiterin des Ressorts Generationen und Bildung, lobt: „Hier zeigt sich das, was Iserlohn ausmacht: Auf unseren Aufruf zur Mitarbeit haben sich sehr viele verschiedene Gruppierungen gemeldet. So haben wir ein sehr hohes Niveau erreicht.“ So gibt es ein breit gefächertes Rahmenprogramm zur Ausstellung, das von Lesungen über Workshops bis hin zu Lehrerfortbildungen reicht. Im Boot sind hier neben der Stadt und dem Friederike-Fliedner-Berufskolleg auch das Evangelische Jugendreferat, die Integrationsagentur der Arbeiterwohlfahrt, das Innenministerium NRW, das Berufskolleg des Märkischen Kreises, die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, das Jugendamt, die Stadtbücherei, die Zukunftswerkstatt, die Abteilung Beschäftigungsförderung und das Märkische Gymnasium.

Offene und interneProgrammbausteine

Neben internen Angeboten, die sich ausschließlich an Schüler und/oder Lehrer bestimmter Schulen richten, gibt es auch offene wie beispielsweise die Lesung „Carl-Heinz Kipper – Annäherung an den Iserlohner Zeitzeugen“ am Donnerstag, 22. Januar, ab 19 Uhr in der Städtischen Galerie. Dabei wagen Sabine Hinterberger und Mayte Hafenmayer das Experiment, ausgewählte Teile von Kippers Lebensgeschichte in gelesenen Passagen mit Elementen des Films „13 Jahre in Angst“ zu verbinden. Unter dem Titel „Tanzen, bis die Funken stieben“ stellt Autor Stefan Kuntz am Donnerstag, 29. Januar, ab 19.30 Uhr in der Stadtbücherei in einer biografisch-fiktiven Geschichte das Leben seiner Mutter und seiner Tante während der NS-Zeit vor. Um „Gewalt im Stadion“ soll es am Freitag, 30. Januar, ab 17 Uhr in der Reformierten Kirche gehen, wenn Johannes Bönig, Mitarbeiter BVB-Lernzentrum/Fanprojekt Dortmund, Einblicke in seine Tätigkeit und Erfahrungen gibt. Am 4. Februar ab 19 Uhr gastiert Erzähler Gerhard Schaper mit zwei Musikern in der Grundschule Sümmern.