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Gesamtschule unschlagbar

14.02.2012 | 16:24 Uhr
Gesamtschule unschlagbar
Fraktionschef Oliver Ruhnert konnte am Montag Gunhild Böth(2.v.l.) zur öffentlichen Mitgliederversammlung begrüßen.

Iserlohn.„Die Liberalen in Iserlohn scheinen ganz besondere Exemplare zu sein“, freute sich Gunhild Böth am Montagabend. Und deshalb riet sie ihren Parteifreunden auch, diese besonderen Liberalen gut zu pflegen, denn sie seien letztlich dafür verantwortlich, dass es im Iserlohner Stadtrat eine Mehrheit gibt, die eine zweite Gesamtschule befürwortet.

Und das liegt ganz im Interesse der Linkspartei, deren schulpolitische Sprecherin in der Düsseldorfer Landtagsfraktion Gunhild Böth ist. Das Ausscheren der Iserlohner FDP aus der generellen schulpolitischen Partei-Ausrichtung sei dann aber auch die einzige Besonderheit der Iserlohner Situation, wie sie am Montag bei der öffentlichen Mitgliederversammlung des Stadtverbandes der Linken im Hennener Martin-Luther-Haus feststellte. „Der Schulfrieden der großen Parteien auf Landesebene hat die Auseinandersetzung auf die Kommunen verlagert“ und „Angesichts von jährlich rund 11000 Kindern, die an den Gesamtschulen abgewiesen werden, erübrigt sich im Grunde die Diskussion um die Schulform der Zukunft“ waren zwei ihrer generellen Aussagen. Mit Blick auf die Iserlohner Diskussion für und gegen die zweite Gesamtschule und die vielen Kinder, die seit Jahren am Nußberg keine Plätze bekommen, sind dies Thesen, die durchaus auch in Iserlohn diskussionswürdig sind.

Die Gesamtschule ist für die ehemalige Oberstudienrätin eines Wuppertaler Gymnasiums und ihre Partei demnach als einzige integrative Schulform mit eigener Oberstufe klar der Favorit. Das liege nicht nur an den Schwächen der Sekundarschule, für die es keinerlei Richtlinien gebe, die von Kommune zu Kommune andere Formen annehme, die sogar zwischen integrierter und gegliederter Form variieren könne und von der letztlich niemand wisse, wie sie schlussendlich aussehen solle. Da die Realschulen als potenzieller Kooperationspartner der neuen Schulform skeptisch gegenüber stünden, werde die Sekundarschule bisher von den betroffenen Eltern zumeist als bessere Hauptschule wahrgenommen. Und genau das sei es, was die Eltern eben nicht wollten.

Bei der Gesamtschule sei hingegen hinreichend bekannt, für was sie stehe. Ihre Stärke liege vor allem in der integrierten Form, die problemlos von der Klasse fünf bis zum Abitur unter einem Dach im deutlich entspannteren G9-Modus laufen könne. Unschlagbar für die Linken, zumal das G8-Abitur an den Gymnasien reihenweise überforderte Schüler produziere, die ständig kämpfen müssten, um die nächste Hürde zu nehmen und sich dazu auch von ihren Hobbys verabschieden müssten. Andererseits sei der Übergang von Realschule oder der zukünftig möglichen Sekundarschulen in die gymnasiale Oberstufe aufgrund der Altersunterschiede durch G8 und die unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkte der Gymnasien keineswegs so unproblematisch wie es immer dargestellt werde.

Zur konkreten Iserlohner Debatte, in der ja vor allem der Standort einer möglichen zweiten Gesamtschule kritisch beurteilt wird, erklärte sie, dass man die sinkenden Schülerzahlen als Chance nutzen sollte, bestehende Schulgebäude so umzubauen, dass sie modernen Ansprüchen gerecht würden. Für einen effektiven Unterricht in Kleingruppen, so die Pädagogin, sei es beispielsweise durchaus sinnvoll, dass eine Klasse zwei Klassenräume habe, was durch den demografischen Wandel schon bald möglich werden könne. Dazu befürworte sie die Erhaltung jedes Schulgebäudes und die Verteilung der verbleibenden Schulen auf Dependancen.

Ralf Tiemann

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