Das aktuelle Wetter Iserlohn 8°C
Oberste Stadtkirche

Gemeinde möchte Kirchplatz zurückgewinnen

17.06.2012 | 19:19 Uhr

Iserlohn. Der wievielte Einbruch es war, weiß Timon Tesche so spontan gar nicht. Beim genaueren Nachzählen kommt er auf acht in den vergangenen fünf Jahren. Und damit sind nur die richtigen Einbrüche im „Checkpoint“ gemeint. Die vielen Diebstähle und die Einbrüche im Sozialzen­trum „Lichtblick“ oder in anderen Einrichtungen im Lutherhaus an der Obersten Stadtkirche gar nicht mitgerechnet.

In der Nacht von Freitag auf Samstag war es aber im „Jugendcafé Checkpoint“ wieder so weit. Ein Fenster wurde aufgehebelt, ein Beamer und ein Mischpult aus dem Café geklaut. Alles nicht sonderlich professionell. „Gelegenheit macht Diebe“, beschreibt Timon Tesche das vermutliche Motiv beim Anblick der leeren Wodkaflasche und der Mülltonne, die schnell als Einstiegshilfe vor das Fenster geschoben wurde.

Es sind aber nicht nur die Einbrüche, die den Kirchplatz vor der Obersten Stadtkirche für viele zu einer Art Angstraum machen. Vandalismus, Berge von Zigarettenkippen und massenweise Leergut zeugen allmorgendlich davon, dass der abgelegene und unbeobachtete Platz nachts – vor allem von Jugendlichen – zum Wohnzimmer oder Partykeller deklariert wird.

Bei der Ursachenforschung nun alle Jugendlichen, die hier verkehren, in einen Topf zu werfen, greift aber viel zu kurz. Die Lage ist weit komplizierter. „Genau so kompliziert wie das Leben in diesem Quartier“, merkt Pfarrer Andres M. Kuhn am Tatort an. Dass es zwischen Fritz-Kühn-Platz und Fußgängerzone auch mal hoch hergeht, war schon vor 20 Jahren so. Und es sind auch nicht nur Jugendliche, die die Innenstadt zumüllen. Die Treppe ist quasi ein Knotenpunkt für sturzbetrunkene Nachtschwärmer aller Altersgruppen auf dem Nachhauseweg.

Dass sich die Situation in den vergangenen fünf Jahren, seit sich die Versöhnungs-Kirchengemeinde mit dem „Checkpoint“ konsequent für die Jugendlichen, die in der Innenstadt leben, öffnet, verschärft hat, will auch niemand verhehlen. Ein gewisser Zusammenhang zwischen dieser bewussten Öffnung für Jugendliche aus kirchenfernen Milieus und dem angestiegenen Vandalismus wird schon bestehen. Doch auch in diesem Punkt muss man differenzieren, was die Jugendlichen aus dem „Checkpoint“ deutlich machen. „Ich spüre fast schon Hass, wenn ich das aufgebrochene Fenster sehe“, zeigt beispielsweise Ahmet (17) als „Checkpoint“-Stammgast keinerlei Verständnis für eine solche Tat. „Alle sind hier für uns da und tun so viel für uns. Wir haben doch nur das ,Checkpoint’“, sagt er und befürchtet, dass solche Einbrüche alles kaputt machen könnten. Und sein Freund Salih (19) fügt hinzu: „Wenn so etwas öfter passiert, macht das ,Checkpoint’ am Ende noch zu.“

Dass es so weit kommt, steht derzeit aber nicht zur Debatte. „Niemand in der Gemeinde stellt das Konzept der Öffnung nach außen in Frage“, sagt Andres M. Kuhn. Dennoch denkt die Gemeinde ernsthaft darüber nach, wie sie den Kirchplatz zurückgewinnen kann. Die Kriminalpolizei hat ihr dazu geraten, zwei der drei Zugänge nachts zu schließen, so dass kriminelle Gruppen keinen Fluchtweg mehr haben. Angedacht ist auch den Platz als Privatgrundstück zu kennzeichnen, um gegebenenfalls eine Videoüberwachung zu ermöglichen. Außerdem soll der Platz durch Tische und Stühle vom „Lichtblick“ aus stärker belebt werden.

Ein Richtungskorrektur in der Gemeindearbeit bedeutet das aber keineswegs. Schließlich wären das alles Maßnahmen, um gastlich zu bleiben, wie Pfarrer Kuhn erklärt: „Wir müssen Grenzen ziehen,­ um uns weiter öffnen zu können.“

Ralf Tiemann

Facebook
 
Kommentare
19.06.2012
17:42
Gemeinde möchte Kirchplatz zurückgewinnen
von gatagorda | #1

Auch wenn jetz viele Zeter und Mordio schreien, Ueberwachungskameras und Schutzgitter- muessen ja nicht unbedingt gefaengnismaessige sein- koennte manchen boesen Buben von seinem Tun abhalten. Solange ich mich anstaendig verhalte, kann es mir doch voellig egal sein, ob ich gefilmt werde ode nicht.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6777442/create

Fotos und Videos
"Kermes" rund um die DITIB-Moschee
Bildgalerie
Fotostrecke
Die Breiten ließen rote Rosen regnen
Bildgalerie
Fotostrecke
Riesen-Andrang bei 36. Autosalon
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Ein „Abbild des Vereinslebens“
IBSV-Bürgerschütze
Kommissions-Vorsitzender Klaus Opterbeck dankte bei der Vorstellung allen Beteiligten, seit September habe es regelmäßige Treffen gegeben, um die redaktionellen Inhalte zusammenzutragen und aufzubereiten.
Vorfreude auf das große Schlüpfen
Grundschule
An der Lichten Kammer können die Kinder Meisen am Monitor live beobachten.