Gauland: Der Euro teilt Europa

Dr. Alexander Gauland sprach vor rund 80 Gästen auf Hof Drepper.
Dr. Alexander Gauland sprach vor rund 80 Gästen auf Hof Drepper.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Der AfD-Spitzenpolitiker Dr. Alexander Gauland kritisierte bei einer Veranstalktung auf Hof Drepper den politischen Umgang mit Russland.

Sümmern..  Es waren ausdrücklich auch Fragen zum derzeitigen Führungsstreit auf Bundesebene in der Alternative für Deutschland (AfD) erlaubt: Am Dienstag hatten die Kreisverbände Märkischer Kreis, Unna, Soest und Arnsberg zu einer Veranstaltung mit dem stellvertretenden AfD-Bundessprecher Dr. Alexander Gauland auf den Hof Drepper eingeladen.

Lucke versucht ständig, die Positionen zu entschärfen

Aus dem Kreis der rund 80 Zuhörer kamen dann auch solche Fragen, aber auch der Appell, Dr. Gauland möge auf dem Bundesparteitag am Wochenende in Essen erneut für eine Spitzenposition kandidieren. Was denn nun die Ursachen für die Differenzen zwischen Prof. Bernd Lucke auf der einen und Frauke Petry aber auch Alexander Gauland auf der anderen Seite seien, wurde aus der Besucherschaft gefragt. Unterschiedliche Auffassungen zu TTIP und zur Russlandpolitik benannte Gauland als Beispiele. Und er habe den Eindruck, dass Bernd Lucke die „Fragen der kleinen Leute nicht angesprochen haben möchte“, so Gauland. Lucke fürchte eine Entbürgerlichung der AfD. Gauland gab aber zu bedenken, dass die AfD derzeit durchaus eine Partei der kleinen Leute sei, „die Bürgerlichen wählen uns nicht“. Lucke versuche ständig, die Partei in ihren Positionierungen zu entschärfen und wolle deshalb überall rote Linien ziehen. „Für mich gibt es aber nur eine rote Linie“, sagte dazu Alexander Gauland, und das sei die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Alles andere dürfe auf den Prüfstand gestellt werden.

Zur Frage der Abgrenzung nach rechts sagte Gauland, dass es klar die Regel gebe, dass keine früheren Mitglieder der NPD oder vergleichbarer Organisationen aufgenommen würden. Kritik an Hans-Olaf Henkel kam in diesem Zusammenhang von einem Mitglied des NRW-Landesvorstandes. Henkel habe seinen Rückzug aus dem Vorstand unter anderem mit einer „rechten Unterwanderung“ begründet. Das sei Quatsch, sagte das Landesvorstandsmitglied, auch im NRW-Verband würden die Spielregeln in Sachen Abgrenzung nach rechts klar befolgt. Und Gauland sagte über Henkel, der sei nur selten im Vorstand erschienen und habe „auch nur selten bei der Arbeit mitgemacht“.

Kritik an derOsterweiterung der NATO

„Kalter Krieg 2.0 als Folge einer gescheiterten westlichen Außenpolitik?“ lautete der Titel von Gaulands Vortrag, der der Aussprache vorausging. Mit einigen Einschränkungen würde Alexander Gauland diese Frage wohl mit einem „Ja“ beantworten. Im Zuge des Tauwetters zwischen West und Ost hätten viele geglaubt, dass es künftig keine Kriege mehr gebe und es zwischen Staaten nur noch einen wirtschaftlichen Wettstreit gebe. Nun verhalte sich Russland aber plötzlich ganz anders, als es kluge Köpfe im Westen damals gedacht hätten. Bei der Wiedervereinigung, so Gauland, habe der Westen Russland versprochen, der Einflussbereich der NATO werde an der Oder enden. Die zwischenzeitliche Schwäche Russlands (Gauland: „Jelzin war meistens betrunken“) habe der Westen dazu genutzt, den russischen Einfluss soweit nach Osten zurück zu schieben, wie es geht. Das sei klare Machtpolitik gewesen. Zwar hätten Länder wie Polen ja darum gebeten, in die NATO eintreten zu dürfen, aber diesem Wunsch hätte man ja nicht nachgeben müssen, so Gauland. Letztlich sei der Grundsatz, man dürfe eine große Macht nie demütigen, missachtet worden. Gauland erinnerte in diesem Zusammenhang an den Vertrag von Versailles nach dem 1. Weltkrieg. Deutschland alleine die Schuld an diesem Desaster zu geben, habe die Atmosphäre in der Weimarer Republik vergiftet. Ohne diese „Kriegsschuldlüge“, so Gauland, wäre Hitler vielleicht nicht an die Macht gekommen.

Zu Putin sagte der AfD-Politiker, dass er die Krim-Annexion keinesfalls gutheiße. Fakt sei aber, dass Russland die Krim wie auch die Ukraine oder Weißrussland als historischen Boden betrachte. Ob es noch die Chance zu einer neuen Ordnung zwischen Ost und West gebe, fragte Gauland und sagte: „Ich weiß nicht, wie tief die Demütigung bei Russland sitzt.“

Griechenland-Beitrittvon den USA aufgezwungen

Das Thema EU/Euro/Griechenland durfte dann am Ende doch nicht fehlen. Die EU, so Gauland, habe mehrere Mitglieder, die im Grunde für EU und Euro in keiner Weise geeignet seien. Die Entscheidung, Griechenland aufzunehmen, sei der EU letztlich von den USA aufgedrängt worden. Der Euro sei keine wirtschaftliche sondern längst eine politische Währung. Gaulands Fazit aus der Krise: „Der Euro einigt nicht Europa, sondern teilt Europa und sorgt für neue Feindschaften.“