Fußspuren in alter und neuer Geschichte

Martin Bußkamp vom Stadtmarketing wird am Iserlohn-Stand im Rahmen des Festes der Stadtgründung von ungarischen Helferinnen unterstützt.
Martin Bußkamp vom Stadtmarketing wird am Iserlohn-Stand im Rahmen des Festes der Stadtgründung von ungarischen Helferinnen unterstützt.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Eine Iserlohner Delegation weilt in der ungarischen Partnerstadt, um das 25-jährige Bestehen der Verbindung zu feiern.

Nyíreghháza/Iserlohn..  Ungarn trägt gelb, zumindest ist es die erste Farbe die sichtbar wird, als der Flieger der Iserlohner Delegation kurz vor Budapest von oben durch die Wolkendecke bricht, Raps und Felder soweit das Auge reicht. Weiter geht es im Bus in Richtung der Partnerstadt Nyíreghháza, wieder Felder, gelbe und grüne, weites Land. „Ganz anders als etwa das Ruhrgebiet, dünn besiedelt“, sagt Zsuzsa Barabás nicht ohne Stolz.

Die Deutschlehrerin fungiert für die nächsten Tage als Gästeführerin für die rund 20 Iserlohner aus Kunst, Kultur und Politik, die anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft nach Ungarn gereist sind. Gleichzeitig wird in Nyíreghháza von Freitag bis Sonntag die Stadtgründung von 1753 gefeiert.

Viele junge Leute sindin der Stadt unterwegs

Nach der Ankunft geht es in Richtung Stadtarchiv. Neben einigen Jugendstilbauten, ist es vor allem der Baustil des Eklektizismus, der das Stadtbild prägt, eine Bauweise, die Elemente verschiedener Stile aufgreift, Stuckfassaden, Säulen und Erker, Statuen und Ornamente.

Der Weg führt auch an einem auffälligen, weil in der Innenstadt einsamen grauen Klotz von Plattenbau vorbei, der zumindest entfernt an das Iserlohner Rathaus erinnert. „Das ehemalige Haus der Partei“, sagt die Gästeführerin. „Die Partei“, das war wie in den meisten Ländern Osteuropas jahrzehntelang die kommunistische. Inzwischen sind hier Büros, Radio „Sunshine“ und auch ein paar Internetfirmen untergebracht.

Das moderne Ungarn, in Nyíreghháza kann man vieles davon auf der Straße beobachten. Bewegt man sich durch den Stadtkern, fällt auf, wie viele junge Leute in der Stadt unterwegs sind, auf Parkbänken vor Brunnen sitzen, oder in den zahlreichen Cafés. Offenbar haben die aktuell drei Hochschulen der Stadt Leben eingehaucht, die Mitte des 18. Jahrhunderts gerade einmal 2500 Einwohner zählte.

Im Stadtarchiv gibt es einen kurzen Empfang mit dem stellvertretenden Bürgermeister der Stadt, dann stellt der Iserlohner Auszubildende Lars Sonnenberg die Arbeit des Iserlohner Archivs vor. Mehrere Fotografen sind da, das Radio, der städtische TV-Sender. Als der 19-Jährige das schöne deutsche Wort „Bundesfreiwilligendienst“ gebraucht, scheint es beim Lauschen des Dolmetschers beinahe so, als sei Deutsch nicht die einzige Sprache, in der man Sachverhalte lang und bisweilen umständlich erklären kann.

Inzwischen ist auch der Komitee-Vorsitzende der Städtepartnerschaft, Thomas Herlinghaus, wieder da, der zuvor eiligst aus dem Reisebus gesprungen war, um im Stadtmuseum noch schnell eine Ausstellung Iserlohner Tabakdosen mit aufzubauen. Sein noch frisches Aussehen sei nur Fassade, sagt er ob des Organisationsstresses. „Nach vier Tagen hier wird mich meine Frau wohl kaum noch wiedererkennen.“

Im städtischen Museum gibt es dann weitere Vorträge zu hören. Die Iserlohner Stadtführerin Marlis Gorki erklärt die historische Bedeutung der Iserlohner Tabakdosen, Natalie Welzel, freiwillige Helferin, stellt den ungarischen Gästen die Letmather Dechenhöhle vor. Als die Rede auf die dort stattfindenden Whisky-Verkostungen kommt, setzt bei den Iserlohnern ein augenscheinlich wissendes Murmeln ein. Auch der ungarische Museumsdirektor wirkt nicht uninteressiert. Dann bedankt er sich für den Besuch der Gäste und die mitgebrachten Tabakdosen.

Kranzniederlegung vor der Statue des Stadtgründers

Am nächsten Morgen steht eine ausführliche Stadtführung auf dem Programm. Auf dem Kossuth-Platz vor dem Rathaus, ein mächtiges Gebäude in rapsgelb und stuckverziert, wird gerade ein Bühne aufgebaut, von den Zinnen blicken zwei Justitia-Statuen auf die Szene hinab, früher war hier der Gerichtshof untergebracht. Martin Busskamp vom Stadtmarketing baut mit ungarischen Schülerinnen den Iserlohn-Stand auf, an dem Flyer und Infomaterial über die Waldstadt verteilt werden. Auf dem Boden glitzern neun Mosaike im Sonnenlicht, die jeweils Planeten des Sonnensystems darstellen. Die Führung geht dann entlang mehrerer Kirchen über das griechisch-katholische Viertel. Durch den Stadtkern ziehen sich fast wie an einer Achse von Statuen gesäumte Parks, stets gepflegt, alles in einem Radius von nur wenigen Hundert Metern.

Am späten Nachmittag findet dann noch eine Kranzniederlegung vor der Statue des Stadtgründers statt. Im Rathaus gab es zudem einen Empfang, bei dem auch Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens ein Grußwort sprach. Am Samstag und Sonntag geht es dann unter anderem mit Ausflügen und Konzerten weiter.