„Für tolles Bier einen vernünftigen Preis“
09.09.2011 | 17:10 Uhr 2011-09-09T17:10:13+0200Iserlohn.Das sei schon eine merkwürdige Situation im Moment, sagt Geschäftsführer Lars Junker. Auf der einen Seite würde er immer wieder darauf angesprochen, dass es im Moment ja ziemlich ruhig um die Privatbrauerei Iserlohn geworden sei. „Was ja auch zunächst einmal nicht unbedingt was Schlechtes sein muss!“
Aber aus der Informationsnot heraus würden eben auch noch „finstere Gerüchte“ in Umlauf gebracht, denen man außerdem zunächst einmal besser durch Schweigen begegnen würde. Andererseits gäbe es aber in diesen Tagen auch jede Menge neuer und wichtiger Dinge, die man in den letzten Wochen und Monaten bearbeitet, besprochen, entschieden oder zur Entscheidung vorbereitet habe. Dinge, die von jetzt an das Unternehmen nachhaltig prägen könnten – „und auch müssen“. „Aber dazu muss man doch erst einmal den Über- und Durchblick haben. Ich glaube, den haben wir jetzt.“
Mit einem ersten Ergebnis, dass sich die Privatbrauerei in den nächsten Wochen mit einem kompletten Relaunch ihrer Marken und ihres Markenauftritts präsentieren wird. „Alles wollen wir heute noch nicht verraten, aber: Der Auftritt wird auf jeden Fall wieder ein noch klareres Bekenntnis zu unserer Region und zu unserer Herkunft sein. Wir werden noch deutlicher als bisher klar machen, dass dieses Iserlohner Bier aus dem Iserlohner Traditions-Brauereistandort im Grüner Tal kommt.“ Junker und seine Mannschaft bekennen sich dabei einmal mehr deutlich zur Region. „Wir wissen, dass wir unser Bier hier in unserem Kerngebiet rund um Iserlohn erfolgreicher vermarkten können. Und darauf werden wir uns konzentrieren.“
Schon an dieser Stelle wird deutlich, dass Lars Junker seit Monaten auf mehreren Baustellen unterwegs ist. Während er für den Handel eine deutliche Intensivierung der Markt- und Märktebearbeitung ankündigt, um den Premium-Charakter und -Wert des Iserlohner Bieres wieder in den Köpfen zu verankern und somit auch abseits der Billig-Biere „einen vernünftigen Preis für ein tolles Bier erzielen zu können“, zeichnet sich für die Gastronomie-Aufstellung der Zukunft eher eine „Strategie der sinnvollen Partnerschaften“ ab. Dahinter verbirgt sich laut Junker die Überlegung, dass für eine Brauerei in der Iserlohner Größenordnung der Investitions-Bedarf einer ansprechenden Gastronomie gar nicht mehr zu stemmen sei. „Aus diesem Grund sind wir eben offen für kreative Partnerschaften, haben ja bereits auch eine Gastro-GmbH gegründet, die wir jetzt mit Leben füllen.“ Junker bestätigt in diesem Zusammenhang auch Gespräche mit potenziellen Gesellschaftern. Darunter wenigstens zwei namhafte Großbrauereien, die sich vorstellen können, Geld und Marketingleistungen ins heimische Gastronomie-Geschäft einzubringen. „Niemand weiß derzeit, wie die Verhandlungslösungen am Ende tatsächlich aussehen“, sagt Lars Junker. Über eine andere mögliche Fragestellung müsse man allerdings gar nicht erst nachdenken: „Die Produktion von Iserlohner Pils kann immer nur in Iserlohn erfolgen.“
Gutes Stichwort. Und die anderen Biermarken, die derzeit im Kundenauftrag im Grüner Tal gebraut werden und die nach Hektolitern gemessen den Löwenteil an der Brauleistung des Hauses ausmachen? Da hat Lars Junker in einem schwierigen und höchst umkämpften Marktsegment erst einmal eine gute Nachricht parat. Gerade getrocknet sei nach monatelangen Verhandlungen die Tinte unter einem Produktionsvertrag mit der Dortmunder REWE-Gruppe. „Hier konnten wir in erster Linie auch mit unserer Flexibilität bei Mengen und Produkten punkten.“ Positiv ausgewirkt habe sich da natürlich die unternehmerische Nähe zu den Firmen, die ebenfalls unter der Regie bzw. „Mitbestimmung“ von Michael Hollmann stehen, der im vergangenen Jahr für Branche und die Region überraschend als „alter Bekannter aus Brau & Brunnen-Zeiten“ die Privatbrauerei Iserlohn von Gerd Heutelbeck gekauft hatte. Mit der Firmengruppe Hövelmann, so Junker, habe man da schließlich einen der größte deutschen Getränkehersteller und -Logistiker an seiner Seite. „Das hilft uns schon bei der derzeitigen Neuaufstellung.“
Die sich auf dieser Seite anbietenden Synergien haben in den letzten Wochen auch noch zu einer anderen kaufmännischen und firmenpolitischen Entscheidung geführt: Die Privatbrauerei hat sich nach Junkers Angaben mit wirtschaftlichem Erfolg von ihrer 100-prozentigen Tochter „Privatbrauerei Gießen“ getrennt, die sie 2006 eigens gegründet hatte, um damit die Produktionsstätte und Anlagen der Brauerei Denninghoff in Gießen übernehmen zu können. „Unsere internen Analysen haben ergeben, dass die grundsätzlichen Ausgangspositionen, die vor fünf Jahren den Schritt nach Gießen vermutlich sinnvoll gemacht hatten, heute am Markt für uns so nicht mehr gegeben sind.“ Im Bereich der Mischgetränke sei man inzwischen durch Zusammenarbeit mit dem Weseler Partnerbetrieb leistungsstärker aufgestellt. Auch im Bereich der Abpufferung von Spitzen-Bedarfsmengen könne man heute unabhängig agieren. „Die Reserven im Markt bei anderen Brauhäusern sind riesig. Da bekommen wir jede Spitze abgefedert.“ Und so sei man eben sehr froh, „ein vernünftiges Geschäft mit zwei zufriedenen Seiten“ gemacht zu haben. Neue Besitzer des Gießener Traditionsunternehmens sind Investoren aus dem Kunden- und Lieferkreis sowie der bisherige Geschäftsführer und 1. Braumeister Achim Franzen.
Allem Anschein hat nach Lars Junker im ersten Jahr seiner Geschäftsführung nichts von seiner Begeisterung für die Privatbrauerei Iserlohn und das Iserlohner Bier verloren. Und er glaubt auch, „einen Ruck“ festgestellt zu haben, „der inzwischen durch die Mitarbeiterschaft in allen Abteilungen gegangen ist“. Auch das sei wohl am Ende ein Ergebnis der Analyse-Phase gewesen: „Wir alle wissen jetzt, dass wir eine große Chance für einen Erfolg haben. Aber wir haben auch nur diesen einen Weg dahin.“
19:11
Grundsäzlich war das Iserlohner ein gutes Bier.
Ich für mich bin auf ein namhaftes Bier umgestiegen wo ich mir sicher bin das ich eine gleichmässige Qualität erwarten kann.
Das hat bei der Iserlohner Brauerei leider zunehmend nachgelassen!
Als nächstes wird eine Preiserhöhung kommen.
Wer lange mit der Brauerei Iserlohn verbunden war,wird dieses Spielchen schon kennen.