Für „solche Leute“ gibt’s keinen Platz im Stadion

Johannes Bönig (l.) vom BVB-Fanprojekt war zu Gast in der Reformierten Kirche und sprach im Rahmen der Anne-Frank-Ausstellung zu rechter Gewalt in Fußballstadien
Johannes Bönig (l.) vom BVB-Fanprojekt war zu Gast in der Reformierten Kirche und sprach im Rahmen der Anne-Frank-Ausstellung zu rechter Gewalt in Fußballstadien
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Johannes Bönig vom BVB-Fanprojekt berichtet über das Geschehen in den Fußball-Fanblöcken

Iserlohn..  Woche für Woche strömen Millionen von Menschen in die Stadien der Bundesliga. 80 000 von ihnen allein in den „Signal Iduna Park“ von Borussia Dortmund. Die Fans des BVB fiebern mit, schreien, singen. Sie schwenken die Fahnen, halten Plakate in die Höhe, studieren Choreographien ein. Sie sind eine Einheit. Laut der Vereinshymne verbindet die Borussia sogar „Generationen, Männer und Frauen, alle Nationen“. Doch glaubt man den Medien, scheint diese Wohlfühloase in Gefahr zu sein. Immer mehr Gewaltbereite und vor allem Rechte nutzen die Plattform „Bundesligaspektakel“, um auf sich aufmerksam zu machen.

Genau diese Entwicklung war unter dem Namen „Gewalt im Stadion“ am vergangenen Freitag Thema in der Reformierten Kirche. Im Rahmen der Ausstellung „Anne Frank. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ referierte Johannes Bönig, Mitarbeiter des Lernzentrum BVB/Fanprojekt Dortmund, über den Einzug der Rechten und das vielschichtige Geschehen in den Fanblöcken.

Aber wo fängt Rassismus und rechte Gewalt überhaupt an? Für Bönig ist ganz klar: „Wenn einer hinter mir im Stadion schreit „Nuri, du Scheiß-Türke, streng dich mal an“, ist das schon ein Grund zur Besorgnis. Das rutscht einem nicht einfach so raus.“ Doch dass Dortmund generell ein Problem mit rechten Fans habe, dementiert Bönig. „Wir sprechen hier von einer Gruppe von maximal 50 Personen. Verhältnismäßig ist das nichts. Ernst nehmen müssen wir sie trotzdem.“

Rückläufige Entwicklung in den vergangenen Jahren

Dies tut der BVB, und offensichtlich auch die Fans. „Es ist toll zu sehen, wenn im ganzen Stadion verteilte Banner mit der Aufschrift „Kein Bock auf Nazis“ hochgehalten werden. Das zeigt einfach, dass für solche Leute in unserem Stadion kein Platz ist“, sagt Bönig. In den vergangen Jahren gibt es laut dem Deeskalationstrainer im Bereich der Gewalttaten und vor allem der rechten Gewaltverbrechen eine rückläufige Entwicklung. „Nur sowas wird leider nicht in den Medien verkündet. Dort wird eher über die alten Borussenfront oder SS-Siggi geschrieben.“

Genau diese Gruppierungen und Personen seien im Stadion nicht mehr anzutreffen. Stadionverbote und die Macht der Ultra-Gruppierungen machen es möglich. „Unsere Ultra-Gruppen haben das Sagen auf der Südtribüne“, macht Bönig klar, dass die Rechten deutlich in der Unterzahl sind. Angriffe auf Fanbeauftragte im Jahr 2013 beim Auswärtsspiel in Donezk betitelte Bönig als „Eigentor“ der Rechten, die durch diesen Tabubruch noch weiter in Ungnade gefallen sind bei den Borussia-Anhängern.

Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass es den Vereinen, und insbesondere Borussia Dortmund gelungen ist, die rechte Fanszene in den Griff zu bekommen. Dies liegt nicht zuletzt an den präventiven Maßnahmen, die der Verein und die Stadt Dortmund ins Leben gerufen haben. So werden zum Beispiel im BVB-Lernzentrum junge Fans mit der Problematik von Rassismus und Rechtsextremismus in Stadien konfrontiert und aufgeklärt. In diesen Seminaren fällt auch von Bönig wohl immer wieder ein Satz: „Rivalität gehört zum Fußball dazu – Gewalt und Rassismus nicht!“