Friedhofsgebühren neu strukturiert

Prächtige Alleen wie hier die Birkenallee prägen das Bild des Iserlohner Hauptfriedhofs. Die Pflege ist sehr arbeits- unddamit auch kostenintensiv.
Prächtige Alleen wie hier die Birkenallee prägen das Bild des Iserlohner Hauptfriedhofs. Die Pflege ist sehr arbeits- unddamit auch kostenintensiv.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Veränderungen in der Bestattungskultur machten grundlegende Änderungen erforderlich.

Iserlohn..  Dass dringender Handlungsbedarf angesichts eines Defizits von 900 000 Euro jährlich bestand, war allen Verantwortlichen in der Politik und der Verwaltung klar. Wie aber die Iserlohner Friedhofsgebühren neu gestaltet werden könnten, ohne zu übermäßigen Kostensteigerungen zu kommen, war eine Frage, deren Beantwortung mehr als ein Jahr in Anspruch nahm. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Rat nun ein Modell verabschiedet, das eine Neustrukturierung vorsieht, aber ohne gravierende Gebührenerhöhungen auskommt, sondern insbesondere Gräber in Eigenpflege sogar günstiger als bisher stellt.

Defizit der Friedhöfe lag 2014 bei 900 000 Euro

Neun kommunale Friedhöfe werden von der Stadt unterhalten. Doch während die Zahl der so genannten Nutzungsrechte in den letzten Jahren rückläufig war und zugleich der Anteil der Urnenbestattungen auf 65 Prozent anstieg, wurden die Gebühren seit 2012 nicht mehr verändert. Die Folge: Bei einem Gesamtaufwand in Höhe von zwei Millionen Euro betrug das Defizit für den Unterhalt der letzten Ruhestätten im vergangenen Jahr 900 000 Euro, nach Abzug der Kosten für die Pflege der Friedhöfe als „öffentliches Grün“ stand immer noch ein Minus von 550 000 Euro unter dem Strich.

Statt nun die bisherige Berechnung fortzuschreiben und die Gebühren bis zur Kostendeckung anzuheben, wählten die Fachleute in der Verwaltung unter Leitung von Kämmerer Friedhelm Kowalski den Ansatz, die Gebühren für die 13 möglichen Bestattungsarten so einheitlich wie nur möglich zu gestalten. Die entscheidende Stellschraube stellte dabei der Gebührenanteil für die kostenintensive Pflege von Gräbern durch die Kommune dar. So betrug bislang etwa die Differenz zwischen einem für 40 Jahre genutzten Sarggrab in Eigenpflege und einem städtischen Pflegegrab gerade einmal 552 Euro und somit 13,80 Euro per anno. Bei den entsprechenden Urnengräbern lag der Kostenunterschied sogar bei nur 398 Euro, so dass die Stadt für die Pflege knapp 10 Euro pro Jahr in Rechnung stellte. Für die neue Gebührenordnung hingegen wurde eine einheitliche Gebühr für die Wahl-Leistung „Gestaltung und Pflege von Gräbern“ eingeführt, die für 25 Jahre 625 Euro und für 40 Jahre 1000 Euro beträgt, so dass die Stadt künftig pro Jahr 25 Euro für die Grabpflege verlangt.

Pflegegräber werden teurer,Gebühr für „Zusatzurnen“

In der Neuberechnung besitzt zudem die Größe der Grabstätte anders als bisher mit zehn Prozent nur noch eine untergeordnete Bedeutung. „Diese Bewertung ist zutreffend, weil die Fläche des Grabes bezogen auf die Gesamtkosten der Friedhöfe eine minimale Rolle spielt“, heißt es hierzu in der Ratsvorlage. Vereinheitlicht wurde auch die Nutzungsdauer der Grabstätten auf wahlweise 25 oder 40 Jahre.

Im Ergebnis steht folgende Struktur bei den Friedhofsgebühren:

- Sarg, Nutzungsdauer 25 Jahre: 1182 Euro (bisher 1357 Euro)

- Urne, Nutzungsdauer 25 Jahre: 1044 Euro (bisher 1185 Euro)

- Sarg, Nutzungsdauer 40 Jahre: 1793 Euro (bisher 1564 Euro)

- Urne, Nutzungsdauer 40 Jahre: 1682 Euro (bisher 1718 Euro).

Hinzu kommen die Kosten für die Gestaltung und Pflege in Höhe von 1000 Euro für 40 Jahre oder und 625 Euro für 25 Jahre, wenn diese Leistungen von der Stadt erbracht werden sollen.

Teurer werden somit vornehmlich die Gräber, für die die Pflege durch städtische Mitarbeiter in Anspruch genommen werden. Kostete beispielsweise ein Sarggrab in städtischer Pflege für 25 Jahre bisher 1564 Euro, liegt der Preis künftig bei 1807 Euro. Ein Urnenpfleggrab für 40 Jahre wurde bisher mit 2116 Euro berechnet, künftig nunmehr mit 2682 Euro. Gebührenpflichtig werden demnächst zudem die so genannten Zusatzurnen. War es bisher möglich, Erdwahl- und Urnenwahlgräber kostenfrei mit einer zusätzlichen Urne zu belegen, wird jetzt eine Gebühr für diese zusätzlichen Bestattungsgefäße in Höhe von 50 Prozent des jeweiligen Nutzungsrechts erhoben.

Nach dem Ratsbeschluss tritt die neue Gebührenordnung für die städtischen Friedhöfe, mit der das Defizit von 550 000 Euro auf 230 000 Euro nahezu halbiert werden soll, zum 1. Oktober in Kraft.