Freier Internetzugang in der Innenstadt

Bis Ostern soll in der Innenstadt ein kostenloser öffentlicher Internetzugang vorhanden sein.
Bis Ostern soll in der Innenstadt ein kostenloser öffentlicher Internetzugang vorhanden sein.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die Stadtwerke und der Iserlohner Ableger des Vereins Freifunk Rheinland wollen bis zu den Osterfeiertagen kostenloses und öffentlich zugängliches Internet in der Innenstadt und im Zentrum von Letmathe installieren.

Iserlohn..  Vielleicht schon zu Ostern steht in der Iserlohner Innenstadt und im Zentrum von Letmathe ein durchgängig freies WLAN-Netz zur Verfügung. Möglich gemacht werden soll dies von den Stadtwerken in Kooperation mit dem Iserlohner Chaos Treff, dem heimischen Ableger des Vereins Freifunk Rheinland.

Manche politische Aufträge erledigen sich von selbst. Hatten unlängst erst die UWG-Piraten und die FDP den Antrag gestellt, dass die Stadt dem Beispiel anderer Kommunen wie Soest, Paderborn und Arnsberg folgen und stadtweit einen kostenlosen und öffentlichen Internet-Zugang ermöglichen soll, hat das Versorgungsunternehmen von der Stefanstraße zwischenzeitlich bereits selbstständig die Initiative ergriffen.

Einigkeit schon nach 90 Minuten erzielt

Aufgrund eines Berichts in unserer Zeitung nahm Stadtwerke-Öffentlichkeitsarbeiter Mike Kowalski erst vor zwei Wochen Kontakt zu den Iserlohner Freifunkern Julian Bogdanksi (24) und Thomas Pöhler (22) auf, um auszuloten, ob und wie sich die Idee des freien WLAN-Netzes für Iserlohn realisieren lässt. „Wir haben uns daraufhin getroffen, 90 Minuten lang miteinander gesprochen und Fragen beantwortet, dann waren wir uns einig“, berichtet Pöhler, der in Siegen Informatik und Volkswirtschaftslehre studiert.

Das Ergebnis des Gesprächs stellte Kowalski derweil am Dienstagabend dem städtischen Hauptausschuss vor. Demzufolge übernehmen die Stadtwerke die Kosten für die Router, die für den Aufbau des Gratis-Netz angeschafft werden müssen. In einem ersten Schritt will der Kommunalversorger nunmehr mit Einzelhändlern in der Innenstadt und im Zentrum von Letmathe Kontakt aufnehmen, um über eine ausreichende Anzahl von Standorten für die Installation der Boxen zu verfügen. Pro Gerät, Kostenpunkt je nach Leistungsfähigkeit zwischen 20 und 50 Euro, können in einem Umkreis von 100 Metern etwa 300 Nutzer versorgt werden. Und je mehr netzstrategisch günstig aufgestellte Freifunk-Router sich mit einander verbinden, desto höher wird die Geschwindigkeit und die Flächenabdeckung. Denkbar einfach ist die Anmeldung im freien WLAN, die ohne Registrierung oder Kennwort auskommt. Findet ein internetfähiges Gerät einen Freifunk-Router, muss die kostenfreie Verbindung mit dem Netzanbieter mit einem simplen Tasten- oder Knopfdruck bestätigt werden.

Während die Stromkosten für den Betrieb der Router mit etwa 40 Cent pro Monat zu Buche schlägt, dürften Sicherheits- und Datenschutzfragen für viele Skeptiker eher Anlass sein, sich der Freifunk-Lösung und dem Anschluss der Boxen an ihre eigene Anlagen zu verwehren.

Benötigt werden nur die technischen Zugangspunkte

Entsprechende Sorgen konnte Mike Kowalski im Hauptausschuss jedoch schnell zerstreuen. Denn die Freifunk-Router, so der Öffentlichkeitsarbeiter der Stadtwerke, greifen nicht auf das Netzwerk am jeweiligen Router-Standort zu. Vielmehr werden die Knotenpunkte nur benötigt, um überhaupt eine Verbindung zum Provider Freifunk Rheinland herstellen zu können. „Man muss es sich so vorstellen, dass die Boxen eine eigene und gesicherte Leitung zu Freifunk aufbauen. Es handelt sich also nur um einen technischen Zugangspunkt, von dem aus ein virtuelles Kabel gezogen wird. Und wenn genügend Router installiert sind, reicht sogar eine Steckdose aus, da sich die Geräte miteinander vernetzen“, geht Julian Bogdanski im Gespräch mit unserer Zeitung ins technische Detail. Sorgen um die Datensicherheit oder Haftungsfragen seien ebenfalls unbegründet, ergänzt Thomas Pöhler. „Der Aufsteller der Boxen kann nicht kontrollieren, welche Internetseiten die Nutzer ansteuern. Gleichzeitig aber kann er dafür auch nicht belangt werden, wenn ein Nutzer fragwürdige Dinge im Internet tut.“

Ausgesprochen glücklich sind Bogdanski und Pöhler, dass sie mit den Stadtwerken nun einen Partner mit hochseriösem Ruf zur Verbreitung ihrer Idee gefunden haben. Dass eine solche Unterstützung von größtem Wert ist, belege das Beispiel Paderborn. Julian Bogdanksi: „Dort ist es gelungen, eine namhafte Bäckerei mit 50 Filialen als Partner zu gewinnen. Nicht nur, dass dort sofort auch eine große Anzahl von Router-Standorten zur Verfügung stand. Zudem hat die Bäckerei auch Informationen über Freifunk auf ihre Brötchentüten drucken lassen, was für eine unglaubliche Verbreitung gesorgt hat.“ Im Ergebnis stünden in Paderborn nach nur gut einem Jahr mehr als 500 Knotenpunkte für das kostenlose öffentliche WLAN-Netz zur Verfügung.