Villa Wessel
Franz Bernhard: Zeichen für das Wesen Mensch
02.09.2010 | 18:11 Uhr 2010-09-02T18:11:00+0200
Iserlohn.Kompakt und labil, figurativ und abstrakt - die Skulpturen von Franz Bernhard laden beim Betrachten zu diesen scheinbaren Widersprüchen ein. Davon können sich ab Freitag die Besucher der Villa Wessel an der Gartenstraße überzeugen.
Bernhards Plastiken werden zumeist aus Holz und Stahl und Eisen gefertigt. In ihrem Mittelpunkt steht der menschliche Körper, der in stark abstrahierter Form und dann auch oft nur in Teilen, sei es ein Kopf, oder Bein, dargestellt wird. „Ich mache aus Körpern Platten, Bögen, Balken. Ich mache aus Armen Gestänge, ich mache aus dünn dick, ich lasse ein Bein weg, wenn es stört“, so hat der 1934 im Böhmerwald geborene Künstler seine Arbeitsweise beschrieben. Und Bernhard verheimlicht den Arbeitsprozess nicht, sein Holz ist rau und verrät die Spuren der Bearbeitung, die Schweißnähte und Verschraubungen bleiben sichtbar und auch die Oxidationsprozesse werden nicht beeinflusst. Bernhards archaische Formensprache tritt in einen Dialog mit der Umgebung. Drehungen aus den Achsen und Verkantungen verleihen den „Körpern“ dabei Lebendigkeit und Ausdruck.
Die in der Villa Wessel vorgestellten Arbeiten, die zumeist aus den letzten zehn Jahren stammen, geben einen guten Überblick über die große Formensprache dieses renommierten Bildhauers. Von der kleinen Makette, Modellen für Außenplastiken, bis hin zur Großplastik.
Bernhard, der 1946 mit seiner Familie nach Süddeutschland übersiedelte, studierte von 1959 bis 1966 an der Kunstakademie Karlsruhe unter anderem bei Wilhelm Loth und Fritz Klemm. Für seine Werke erhielt er unter anderem den Villa-Romana-Preis, den Pfälzer Preis für Plastik, den Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg, den Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz sowie den Lovis-Corinth-Preis. Von 1990 bis 1992 war er Mitglied der Akademie der Künste und stand von 1994 bis 2001 dem Künstlerbund Baden-Württemberg vor.
2004 würdigte das Land Baden-Württemberg Franz Bernhard mit der Ehrenprofessur des Landes. Die damalige Kultusministerin Dr. Annette Schavan würdigte das Lebenswerk des 70-Jährigen: „Ausgangspunkt, Stimulans und Ziel des künstlerischen Wirkens von Franz Bernhard ist der Mensch. Vom Menschen her leitet er seine Plastiken ab und gestaltet so öffentliche Räume”, betonte Schavan in ihrer Laudatio. Mit seiner unverwechselbaren Formensprache entwerfe der Bildhauer „einprägsame Zeichen für das Wesen Mensch.”
Franz Bernhard, der seit 1972 im pfälzischen Jockgrim lebt und arbeitet, ist in Iserlohn kein Unbekannter. Bereits 1997 hat er schon in der Villa Wessel seine Arbeiten präsentiert. Bei der Diskussion um eine Skulptur für den Vorplatz des Stadtbahnhofs gehörte auch Franz Bernhard zu den vier Künstlern, die mit ihren Werken der Öffentlichkeit präsentiert wurden.
Am Freitag, 3. September, wird um 19 Uhr Uhr die Ausstellung „Franz Bernhard - Skulpturen und Zeichnungen“ in der Villa Wessel eröffnet. Die Einführung erfolgt durch Prof. Dr. Christoph Zuschlag von der Universität Koblenz-Landau. Bis zum 24. Oktober sind die 16 Skulpturen und acht Zeichnungen zu sehen.
0mitdiskutieren