Feuerwerk verheißt 2011 gold’ne Zeiten
02.01.2011 | 20:50 Uhr 2011-01-02T20:50:00+0100
Iserlohn. Das neue Jahr war gerade eine Viertelstunde alt und der Panoramablick aus den Fenstern des Parktheaters atemberaubend: So weit die Augen reichten, war der Himmel über Iserlohn von sprühendem Feuerregen erfüllt.
Mächtige Säulen aus Gold erhoben sich majestätisch aus dem Nichts, als ob sie die Wolken tragen wollten. Wer den Jahreswechsel im Parktheater mitgefeiert hat, muss den Eindruck haben: Krisenjahr vorbei. Iserlohn geht goldenen Zeiten entgegen.
Wie ein riesiges Pfauenrad entfalteten die goldenen Bänder ihre Pracht über das gesamte Sichtfeld. Wo die Stadt gerade noch unter schneebedeckten Dächern und Bäumen im kalten Dunkel geschlummert hatte, war plötzlich die ganze Welt ein einziger blitzender Palast aus Gold und Juwelen. Die rund 1100 Besucher und Gäste, die im Parktheater den Jahreswechsel feierten, waren fasziniert von dem Feuerwerk, das unterhalb des Theaters vor der Kulisse der Stadt abgefeuert wurde. Immer wieder gingen Rufe des Staunens und der Begeisterung durch die Reihen der Männer und Frauen, die sich an den Panoramafenstern drängten.
Der Feuerzauber war der glanzvolle Höhepunkt einer rauschenden Silvesterfeier, die für manche bereits um 18 Uhr begonnen hatte und erst um 4 Uhr morgens zu Ende ging. An kulturellen Vergnügen war das Angebot auch in diesem Jahr wahrlich nicht arm. Den Besuchern stand auf der großen und drei kleinen Bühnen eine attraktive Auswahl zur Verfügung. So gekonnt wie der Pyrotechniker sein Feuerwerk, verzauberten ein Kabarettist, eine Sängerin, ein Laienschauspielensemble und eine Gruppe von Schlagzeugprofis das Publikum mit ihren je eigenen Künsten.
Kabarettist Max Uthoff sprühte in zwei fast ausverkauften Vorstellungen vor Wortwitz und Zynismus. Ob es um Alltägliches ging oder um die deutsche Politik, gnadenlos sezierte er Widersprüche und Unzulänglichkeiten. Und er überhäufte Politiker mit solchen Boshaftigkeiten, wie es wohl nur ein wirklich guter Kabarettisten tun darf. Norbert Röttgen als „so eckig und kantig wie ein Wackelpudding“ oder Angela Merkel und Karl-Theodor zu Guttenberg als „Der Schöne und das Biest“ zu bezeichnen, gehörten zu den eher harmlosen Vergleichen. Viele lobten Uthoffs Kabarett als sehr niveauvoll, anderen war es eine Spur zu intellektuell.
Eine hochgradig beeindruckende Hildegard-Knef-Revue präsentierte Gilla Cremer. Niemand wird je die rauchig-herbe Stimme so perfekt imitieren, als wäre es die Knef selbst, aber Gilla Cremer kam ihr in hervorragender Weise sehr nah. Vor allem aber brachte sie zwischen den Liedern in einer Mixtur aus Monologen und Erzählungen dem Publikum die Lebensgeschichte und den Charakter der Knef so nah, dass es unter die Haut ging. Streckenweise etwas schwere Kost für einen Silvesterabend. Aber wer sagt denn, dass man an diesem Tag nicht auch mal nachdenklich werden darf?
Erfrischend humorvoll brachte das Schauspielensemble Iserlohn eine Vielzahl von Loriot-Sketchen auf die Bühne. Ob es um den berühmten „Kosakenzipfel“-Streit oder das „Jodel-Diplom“ ging, der typisch Loriotsche Witz wurde gut herausgearbeitet und am heiteren Lachen und Glucksen im voll besetzten Studio-Theater war zu erkennen: Es traf den Geschmack des Publikums. Den Iserlohner Laienschauspielern ist zu verdanken, dass die in den dritten Fernsehprogrammen obligatorische „Dinner-for-one“-Silvester-Episode im Parktheater nicht fehlte. Matthias Hay als Butler James stand seinem TV-Vorbild in kaum etwas nach. Dem ganzen Ensemble ein großes Kompliment.
„Rhythmus pur“ war im großen Haus zu genießen. Der Höhepunkt des Programms war eine einzige große Hymne auf alle Schlaginstrumente, die die Musik kennt, oder die bedauerlicherweise noch nicht für die Musik entdeckt worden sind. Das Schlagzeugkünstler-Quintett „Power Percussion“, nach über zehnjähriger Pause zum zweiten Mal in Iserlohn, begeisterte die Zuhörer mit einem Schlagzeug-Festival auf allen möglichen und unmöglichen Instrumenten, mit einem Orkan aus tanzenden Stöcken und fliegenden Händen, mit überschwappenden Rhythmusgefühl.
Es gibt nichts, auf das man nicht einschlagen könnte, um faszinierenden Klang und Rhythmus zu erzeugen. Nach diesem Motto versuchte „Power Percussion“ es nicht nur mit Pauken, Trommeln und Tamtam, sondern auch mit Blechtonnen und Plastikeimern, mit Alu-Trittleitern und Abflussrohren aus Plastik – und jedes Mal wurde ein kleines Konzert daraus. Mitunter wurden ein paar Playbackklänge dazugemischt, manchmal gelang es auch ohne Hilfsmittel, den schnöden, sperrig oder gar Ohrenschmerz verursachenden Objekten Faszinierendes zu entlocken. Wie „Power Percussion“ bewies, geht es auch ganz ohne Hilfsmittel. Der menschliche Körper ist eine Fundgruppe für packende Rhythmen, vom Schnipsen mit den Fingern über das Stampfen mit dem Fuß bis zum Klatschen mit der Hand auf den nackten Bauch. Zum Schluss wurde das Publikum aufgefordert, selbst mit zu schnipsen. Und einige sollen sogar noch weitergeschnipst haben, als das Quintett längst die Bühne verlassen hatte.
Und wer nach dieser Vorstellung den Rhythmus so richtig im Blut spürte, der hatte Gelegenheit auf der großen Bühne oder in den Nebensälen bei Live- oder DJ-Musik bis in den Morgen zu tanzen. Was ausgiebig genutzt wurde.
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