Fehler der Vergangenheit beheben

Der Vorsitzende des Tersteegenhaus-Fördervereins, Peter Wulf, reichte Karl-Josef Laumann die Hand, auch Vizebürgermeister Torsten Schick (links) und Hausleiter Manfred Schoofs (rechts hinten) begrüßten den Gast. Ganz rechts: der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak.
Der Vorsitzende des Tersteegenhaus-Fördervereins, Peter Wulf, reichte Karl-Josef Laumann die Hand, auch Vizebürgermeister Torsten Schick (links) und Hausleiter Manfred Schoofs (rechts hinten) begrüßten den Gast. Ganz rechts: der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Es sind häufig keine angenehmen Themen, die auf Karl-Josef Laumanns Schreibtisch landen. Der 57-jährige Westfale ist seit 2014 als Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit für die Belange der Patienten im Land zuständig, zudem ist er Bevollmächtigter für den Pflegebereich. Wie sehr in diesem Fachbereich der Schuh drückt, erfuhr Laumann nicht erst durch seine groß angelegte „Entbürokratisierungs-Tour“, die das Ziel hat, die in der Pflege notwendigen Dokumentationen zu vereinfachen.

Am Montag schaute er auch in Iserlohn vorbei und besuchte unter anderem das Altenzentrum Tersteegenhaus. Viel Zeit hatte Laumann für das Gespräch mit Hausleiter Manfred Schoofs, Pflegedienstleiterin Anja Porwoll, dem Regionalleiter des Johanneswerks Frank Bachmann, der städtischen Beigeordneten Katrin Brenner und dem Vorsitzenden des Tersteegenhaus-Fördervereins Peter Wulf zwar nicht – ein Hindernis, einige Probleme anzusprechen und zu diskutieren, war das aber nicht.

„Bundesweit sterben 50 Prozent der Heimbewohner innerhalb des ersten halben Jahres nach ihrem Umzug dorthin“, mahnte Laumann. Er erinnerte daran, dass für Kinder durch den Ausbau der Kita-Plätze oder kurze Schulwege viel getan worden sei, aber nicht genügend dafür, dass Senioren auch bei nachlassenden Fähigkeiten weiter in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Niemand habe vor fünfzehn Jahren an die Situation der Hochbetagten gedacht. Diesen Vorwurf müsse er sich auch machen. „Bevor ich vor anderthalb Jahren zum Ministerium kam, wusste dort niemand, wie die Situation in der Alten- und Krankenpflege ist“, beklagte der Staatssekretär. „Die Gesellschaft blendet das Thema aus.“

Stärker gefördert sehen will Laumann die ambulante Pflege zu Hause. Es reiche allerdings nicht aus, wenn morgens zwischen 7 und 9 Uhr ein Pflegedienst komme und am Abend im Idealfall ein Familienangehöriger. Er verdeutlichte aber auch, dass es ohne Heime nicht funktioniere. Das Team des Tersteegenhauses mit seinen derzeit 98 Bewohnern sucht nach Wegen, wie das soziale Netzwerk, das die Senioren bei ihrem Umzug ins Haus haben, erhalten bleibt.

Laumann legte den Finger noch in eine weitere Wunde: die Zahl der Beschäftigten. Von Jahr zu Jahr werden zwei bis drei Prozent mehr Personal benötigt. „Wo finden wir die Menschen, die diese Arbeit machen? Das ist die erste Baustelle, nicht etwa die Finanzierungsfrage.“ Das Geld sei knapp und bleibe es auch, aber ein sechs Milliarden schweres Paket sei geschnürt worden. Die Politik forderte er auf, neben höheren Qualitätsstandards auch an die Schaffung größerer Ressourcen zu denken.