Erinnerungskultur wird in den Fokus gerückt

Museumsleiter Gerd Schäfer (r.) und Sammler Peter Baum in der Ausstellung„Jubiläums- und Gedenkteller der DDR“.
Museumsleiter Gerd Schäfer (r.) und Sammler Peter Baum in der Ausstellung„Jubiläums- und Gedenkteller der DDR“.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Das Stadtmuseum Iserlohn am Fritz-Kühn-Platz zeigt noch bis zum 19. April die Ausstellung „Jubiläums- und Gedenkteller der DDR“.

Iserlohn..  „In dieser Form hat es eine solche umfassende Präsentation wohl noch nie gegeben“, da ist sich Museumsleiter Gerd Schäfer sicher. Bis zum 19. April wird im Stadtmuseum am Fritz-Kühn-Platz die Ausstellung „Jubiläums- und Gedenkteller der DDR“ präsentiert, die an eine ganz besondere Form der Erinnerungskultur in den Fokus rückt, die das Leben in den ehemaligen ostdeutschen Ländern erheblich geprägt hat. Die rund 120 Ausstellungsstücke vermitteln die enorme Vielfalt dieser ganz besonderen Art der Ehrung, Auszeichnung und Selbstdarstellung.

Spezielles Interesse an diesen Objekten entwickelt

2008 zeigte das Stadtmuseum die viel beachtete Ausstellung „Im Visier der Stasi“ mit Objekten aus der Sammlung von Peter Baum. Im Zuge seiner Forschungsarbeit, seiner Recherchen für Vorträge und seiner Besuche in den Behörden der ehemaligen DDR fielen Peter Baum auch Jubiläums- und Gedenkteller „in die Finger“, wie er im Gespräch mit der Heimatzeitung erläutert. Wurden sie anfänglich von ihm nur aufgehoben, um der Dekoration bei Ausstellungen über die Technik der Stasi zu dienen, entwickelte sich bald ein spezielles Interesse an diesen Objekten. Beim Ministerium für Staatssicherheit und in vielen SED-Büros sowie anderen Einrichtungen gab es sogenannte Traditionszimmer, in denen Auszeichnungen, Geschenke und eben auch diese Teller aufgehoben. Sie wurden meist von örtlichen Herstellern produziert und als Präsente und Belobigungen übergeben. „Einen praktischen Nutzen“, erklärt Baum, hatten diese Teller in keiner Weise, daher wurden sie auch nie „benutzt“, sondern nur voller Stolz aufgehoben.

Es wurden in der DDR viele Orden und Ehrenzeichen vergeben. aber auch die Jubiläums- und Gedenkteller haben einen besonderen Stellenwert. Sie spiegeln – mit einem hohen Maß an Symbolik – die vielfältigen Facetten des Lebens in der DDR, wieder. Das dokumentieren auch die Ausstellungsstücke. Sie erinnern im Verkehrswesen an den Seehafen Rostock, die Deutsche Reichsbahn und an Autowerbung der damaligen Zeit. Natürlich werden auch die Heroen des Sozialismus, also Lenin und Ernst Thälmann, auf diesen Tellern ebenso dargestellt wie die „glorreiche“ Oktoberrevolution. Auch die „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“, der kommunistische Jugendverband FDJ, die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), alle diese Verbände hatten ihre eigenen Jubiläums- und Gedenkteller. Das allgegenwärtige Ministerium für Staatssicherheit kann daher in einer solchen Reihe nicht fehlen. Genauso wie der Sportbereich.

Dem Betrachter all dieser Objekte helfen zur besseren Einordnung die ausführlichen Informationstexte, die Hintergründe und Wissenswertes vermitteln.