Eltern erfahren durch Facebook-Foto vom Unfalltod der Söhne

Schwerer Unfall auf der A46 in Iserlohn: Die zwei Insassen des Audi R8 starben.
Schwerer Unfall auf der A46 in Iserlohn: Die zwei Insassen des Audi R8 starben.
Foto: Björn Braun
Was wir bereits wissen
Bei einem schweren Unfall sind Samstagnacht auf der A46 zwei Menschen gestorben. Ihr Sportwagen prallte in die Bäume und wurde in zwei Teile gerissen.

Iserlohn.. Ein schrecklicher Unfall hat sich in der Nacht zu Sonntag gegen 0.16 Uhr auf der A46 zwischen den Anschlussstellen Iserlohn-Zentrum und Seilersee ereignet. Zwei Brüder (17 und 22 Jahre) aus Balve kamen dabei ums Leben. Sie waren auf dem Rückweg von der Arbeit. Laut Polizei ist vermutlich überhöhte Geschwindigkeit die Ursache des Unfalls.

Trümmer lagen über Hunderte Meter verteilt

Laut Polizei kam der Sportwagen Audi R8 in der langgezogenen abschüssigen Linkskurve vor der Abfahrt Seilersee nach rechts von der Fahrbahn ab. Er fuhr auf die abgesenkte Leitplanke, wurde nach oben katapultiert und schleuderte in die Böschung. Dort krachte er gegen mehrere Bäume, die durch die Wucht teilweise umknickten. Der Sportwagen wurde in zwei Teile gerissen und flog wieder auf die Autobahn. Der vordere Teil landete auf dem Dach auf dem Standstreifen.

Der Fahrer wurde aus dem Auto geschleudert, der Beifahrer saß noch angeschnallt auf seinem Sitz. Für beide kamen jede Hilfe zu spät.

Acht Autos kollidieren mit Trümmern – 27 Zeugen betreut

Die Trümmerteile des Audi lagen über mehrere hundert Meter verstreut, der Motorblock rund 30 Meter vom Fahrzeug entfernt. Acht nachfolgende Fahrzeuge konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen: Sie fuhren durch das Trümmerfeld und wurden dabei beschädigt.

Viel schlimmer war natürlich der Anblick, der sich ihnen bot. Insgesamt 27 Personen wurden deswegen von den Rettungskräften in einem Bus der Verkehrgesellschaft MVG betreut, der zufällig kurz nach dem Unfall vorbeigekommen war.

Angehörige finden Gaffer-Foto bei Facebook

Besonders tragisch: Ein dreister Gaffer schoss im Vorbeifahren Fotos vom Wrack und postete sie sofort bei Facebook. Auch das Kennzeichen war darauf zu erkennen. Das sahen nach Hinweisen von Bekannten auch die Eltern der Toten: Sie kamen völlig aufgelöst zur Unfallstelle. Der Rettungsdienst betreute die Trauernden – mit einem Schock wurden sie ins St.-Elisabeth-Hospital gebracht, wo sich auch ein Notfallseelsorger um sie kümmerte.

Strafrechtliche Konsequenzen drohen dem Gaffer allerdings nicht. "Wir werden keine Ermittlungen aufnehmen", sagt Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Hagen. Gaffen ist nur dann strafbar, wenn die Rettungskräfte dadurch bei der Arbeit behindert werden, das Foto alleine stellt noch keinen Straftatbestand dar.

A46 nach dem Unfall über Stunden gesperrt

Auf der für mehrere Stunden gesperrten A46 bildete sich ein langer Rückstau. Eine Schwangere mit plötzlich auftretenden Unterleibsschmerzen, die sich in dem Stau befand, musste vom Rettungsdienst ins Krankenhaus transportiert werden.

„Auch für die Kräfte der Feuerwehr war das natürlich ein sehr belastender Einsatz, der deutlich außerhalb des üblichen Rahmens liegt“, sagte Einsatzleiter Jörg Döring angesichts der Bilder an der Unfallstelle. Die Feuerwehr Iserlohn war mit insgesamt 25 Mitarbeitern vor Ort. Fünf Rettungswagen waren im Einsatz, zwei davon mitsamt einem weiteren Notarzt kamen zur Unterstützung aus Hagen, außerdem auch der leitende Notarzt des Märkischen Kreises. Die Löschgruppe Letmathe sorgte mit Hilfe ihrer Drehleiter für die Ausleuchtung der Unfallstelle. Die Freiwillige Feuerwehr übernahm auch während des Einsatzes, der bis 4.45 Uhr dauerte, den so genannten Grundschutz für die Stadt. (mit we)