Einen Streik in dieser Härte noch nicht erlebt

InErmerts Backhaus an der Gartenstraßehaben die Streikenden ihr Streiklokal eingerichtet. Wie lange der Arbeitskampf noch andauern wird, darauf kann auch dort keiner der ver.di-Mitglieder eine Antwort geben.
InErmerts Backhaus an der Gartenstraßehaben die Streikenden ihr Streiklokal eingerichtet. Wie lange der Arbeitskampf noch andauern wird, darauf kann auch dort keiner der ver.di-Mitglieder eine Antwort geben.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Der unbefristete Arbeitskampf der Post- und Paketzusteller geht auch in der Region in die 3. Woche

Iserlohn..  „Einen Streik in dieser Härte habe ich in dieser Form noch nicht erlebt“, das sagt Renate Schulte-Fiesel vom ver.di-Ortsverein Iserlohn, Hemer, Menden im Gespräch mit der Heimatzeitung. Montag startete die dritte Woche der Tarifauseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft und der Post AG. „Die Zustimmung und die Solidarität werden immer größer“, fügt dann auch Vertrauensmann Karsten Neuhaus hinzu, und ein Ende der unbefristeten Auseinandersetzung ist nicht in Sicht.

Wir treffen die Streikenden in Ermerts Backstube an der Gartenstraße. Hier wurde das für die Region zuständige Streiklokal eingerichtet. Montag waren dort Kollegen aus der Iserlohner Hauptstelle, den Zustellbezirken Nußberg, Wermingsen und Letmathe zusammen gekommen. „Wir streiken nicht ganz flächendeckend, sondern dehnen die Streikmaßnahmen sukzessive weiter aus“, erklärt Renate Schulte-Fiesel die Strategie der Gewerkschaft in dieser Tarif-Auseinandersetzung.

ver.di beklagt den Vertragsbruch der Post AG

Ausgangspunkt des außergewöhnlich harten Tarifkonflikts ist aus Gewerkschaftssicht „der Vertragsbruch der Post AG“, wie Renate Schulte-Fiesel betont. Mit dem Aufbau der 49 Regionalgesellschaften, den DHL Delivery GmbHs, hat sie, so ver.di, den geschlossenen Vertrag zum Ausschluss der Fremdvergabe in der Zustellung gebrochen. Dieser Vertrag legt fest, dass die Deutsche Post AG maximal 990 Paketzustellbezirke an Dritte fremdvergeben darf. Inzwischen, so das ver.di-Argument, arbeiten dort rund 6000 Beschäftigte, die oftmals vorher bei der Post AG befristet beschäftigt waren und vor die Wahl gestellt wurden, ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder die gleiche Arbeit zu schlechteren Bedingungen bei der DHL Delivery GmbH zu machen. „Das hat dazu geführt, dass nur noch 58 Prozent der Pakete durch die Deutsche Post zugestellt werden, der Rest durch die neu gegründeten Gesellschaften“, erklärt Renate Schulte-Fiesel die Dimension der Auslagerungen. „Zusätzlich hat man in all den Jahren die Schraube der Arbeitszeitregelung immer weiter angezogen“, sieht Karsten Neuhaus einen weiteren Grund für die hohe Streikbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen.

Für die Streikenden steht eine Forderung, das wird schnell deutlich, im Vordergrund. Die Post AG soll ihren Vertragsbruch rückgängig machen und die 49 Regionalgesellschaften unter den Haustarifvertrag der Post zurückführen – dann lasse sich über vieles andere reden.